Freitag, 29. Januar 2016

Die Barnekow-Kapelle

Blick auf den südlichen Gibel der Bergener Kirche

Sie gehört zu den unbekannteren Bauwerken auf Rügen: Die Barnekow-Kapelle.

Rügen (SAS). Wenn man Kuglers Pommerscher Kunstgeschichte glauben mag, handelte es sich dabei um den nach Süden herausstehenden Arm des Querschiffes der Bergener Kirche. Kugler selbst machte dies an der Anordnung des Giebeldreiecks fest. „Hier liegen nämlich an der unteren Hälfte nicht horizontal, sondern schräg, aber schichtenweise wechselnd, so dass dadurch eigentümliche Zickzacklinien entstehen.“
Mehr Aufschluss über die Lage hätte man vielleicht bei der Beschreibung der Kirche durch den Bergener Historiker Grümbke erhoffen können. Doch er machte zur Barnekow-Kapelle leider keinerlei Angaben. Was aber hat es mit der Kapelle auf sich?
Als der Stralsunder Bürgermeister Otto Voge im Jahre 1453 einen Landtag am Sund einberief, herrschte großer Zwist zwischen Rat und Bürgerschaft. Dabei ging es zunächst vornehmlich um die Abschaffung der Azise, einer indirekten Verbrauchssteuer. Die Bürgerschaft strebte dabei ein Bündnis mit dem Pommernherzog Wartislaw an und hatte bereits erste Absprachen getroffen, um eine entsprechende Unterstützung zu erhalten. Als nun der Rügensche Landvogt Raven Barnekow als Vertreter des Pommernherzogs erschien, wurde er durch den Stralsunder Bürgermeister des Verrats bezichtigt. Dem widersprach Barnekow und strafte ihn öffentlich Lügen. Das ließ sich der Bürgermeister jedoch nicht gefallen, ließ Barnekow verhaften, foltern und als Verräter zum Tode verurteilen. Seine beiden Beine wurden an ein Pferd gespannt und der Henker ließ ihn durch alle Gassen der Stadt Stralsund schleifen. An jeder Ecke verkündete er dabei: „Dieser ist ein Verräter der guten Stadt Stralsund, und sein Herr mit ihm.“ Der Überlieferung zu Folge, richtete sich der Verurteilte jedes Mal auf und schrie: „Sie lügen es von mir und von meinem frommen Herrn, wie ehrlose Schelme und Wichte.“ Barnekow wurde am Ende an der Richtstätte „auf das Rad gestoßen“.
Der Zwist zwischen der Stadt Stralsund und dem alten Geschlecht derer von Barnekow soll zwanzig Jahre gedauert haben. Dann wurde Stralsund zu einer feierlichen Mordsühne verurteilt. Die Stralsunder mussten den Leichnam Barnekows auf den Schultern nach Greifswald tragen, die Bahre mit einem seidenen Tuch und 200 Gulden belegen, letztlich aber 3.000 Rheinische Gulden an die Familie Barnekow zahlen. Man geht davon aus, dass dieser Wert zum Teil auch in Liegenschaften der Stadt Stralsund (die späteren drei „Vikariengüter“) abgegolten wurde, aus deren Einkünften die Barnekow-Kapelle an die Kirche gebaut wurde. Die Barnekows hatten dafür das Patronat.
Andere Perspektive: Blick zum südlichen Giebel der Bergener Kirche
Später soll die Kapelle lt. Julius von Bohlen im 30-jährigen Krieg zerfallen sein. Urkundlich belegt ist, dass sich die Familie Barnekow dazu am 27. Februar 1663 traf und Festlegungen zu dem Schicksal der Kapelle und der Güter traf. Zur Lage selbst erklärte der Pastor Ritter am 8. September 1708, dass die „Barnekowische Kapelle einen gut Theil der Kirche ausmache und theils auswärts derselben in hohe Dicke Mauern mit einem steinernen Dach ausgeführet und nach Süden als ein Ercker vorausgebaut sey.“       

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