Dienstag, 3. Mai 2016

Ein Hauch von Scapa Flow

Der Rügen-Hafen: Eine militärische Jahrhundert-Vision
Jasmund (SAS). Bedingt durch ihre Lage an der pommerschen Küste hat die Insel Rügen seit Jahrhunderten eine strategische Bedeutung. So ist es auch keineswegs verwunderlich, dass sie als vorgeschobene Flottenbasis immer wieder ins Gespräch gebracht wurde. So zum Beispiel 1853 als man erste Pläne für einen Flottenstützpunkt zu Papier brachte. In einem Gutachten rückte dabei zunächst Breege, dass im Schutz der Halbinsel Wittow lag, direkt in den Mittelpunkt der Betrachtung. Der Seezugang sollte bereits damals durch den später immer wieder diskutierten Durchbruch an der Schaabe realisiert werden. Wäre es zu einer Ausführung gekommen, hätte die königlich preußischen Marine im Großen Jasmunder Bodden ihren Kriegshafen letztlich in den Banzelvitzer Bergen – inklusive Werft, Kasernen und Wohnungen - errichtet. Doch das Projekt eines „Rügenhafens“ scheiterte zunächst an den Kosten. Wiederbelebt wurde es jedoch vor dem zweiten Weltkrieg. Nachdem der Rügendamm 1936 fertiggestellt werden konnte, begannen die Projektierungen für einen Rügenhafen im Jahre 1937. Mit der Umsetzung begann man 1938. Allerdings lässt die lückenhafte Aktenlage bis heute viel Raum für Spekulationen. So um eine geplante Bahnverbindung zwischen Lietzow und Glowe oder den U-Boot-Hafen in den Banzelvitzer Bergen. Begonnen wurde aber nachweislich der Bau des Seekanals und der Steinmolen bei Königshörn und die Aufschüttung eines Bahndamms entlang des Jasmunder Boddens. Allerdings wurden die Arbeiten 1940 eingestellt.

Historische Breitspur: Umgehungsstraße von Sagard
Zu einer Fortsetzung der Idee des „Rügenhafens“ kam es jedoch erneut ab 1952. Zeitweise wurden für dessen Realisierung etwa 10.000 Arbeiter der Bau-Union-Nord und Strafgefangene – die Rede ist von 3.500 -5.000 Häftlingen - eingesetzt. Die Pläne für den Rügenhafen waren gigantisch. So sollte es nun u.a. zu einem endgültigen Durchstich (Tromper Wiek zum Mittelsee) der Schaabe kommen. Ein weiterer Kanal wurde von der Prorer Wiek zum Kleinen Jasmunder Bodden vorgesehen. Für einen U-Boot-Hafen inkl. Werkstätten favorisierte man die Schwarzen Berge gegenüber von Ralswiek. Letztere nahmen mit 2,55 Mrd. Mark die Hälfte der Gesamtplanungskosten in Anspruch. Um den Großen Jasmunder Bodden sollten dazu weitere Häfen und Werften entstehen. Der eigentliche Größenwahn des Vorhabens lässt sich allerdings exemplarisch an den Plänen zur Errichtung von „Friedenstadt“ darstellen. Sie sollte dem Marinepersonal und den Beschäftigten als Wohnstadt dienen und war für 100.000 Menschen (!) konzipiert. Das Zentrum ihrer Verortung wäre das noch existierende Gummanz auf Jasmund gewesen.
Das Umspannwerk vor Sagard
1952 begannen die Aushubarbeiten für einen 2,5 km langen und 90 m breiten Kanal unter Einbeziehung des Mittelsees. Die Wassertiefe hätte bei Fertigstellung etwa 12 m betragen. Allerdings wird der damit verbundene Aufwand nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass im Nordabschnitt Höhenunterschiede von bis zu 35 m abzutragen waren. Außerdem hatte man u.a. mit dem Bau des Bauhafens Weddeort begonnen. Sichtbare Zeugnisse sind heute noch die 10 m breite Umgehungsstraße von Sagard oder das Umspannwerk vor Sagard. Unter Umständen aber auch die etwa 5 km lange Bahntrasse von Borchtitz nach Ruschvitz.
Mit dem Aufstand am 17. Juni 1953 kam es jedoch auch im Raum Glowe zu Arbeitsniederlegungen und Demonstrationen. Nachdem man von staatlicher Seite dagegen eingeschritten war und über die Insel den Ausnahmezustand verhängt hatte, wurden die Arbeiten an dem Projekt zunächst eingestellt. Allerdings begann die Bau-Union im Frühjahr 1954 erneut mit den Arbeiten. Erst 1955 wurde das Projekt vollständig aufgegeben. Zum Glück möchte man sagen...!                 

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