Dienstag, 3. Mai 2016

Vor 80 Jahren: Grundsteinlegung für das KdF-Seebad Rügen

Der Aufmarschplan vor 80 Jahren (Quelle: Stettiner Generalanzeiger)

Rügen (SAS). Der „Koloss von Rügen“ ist der Versuch einer begrifflichen Beschreibung für das unvollendet gebliebene KdF-Seebad Rügen. Wäre es nach den Plänen der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF) gegangen, dann hätten - 6,2 km nördlich von Binz - einmal 20.000 Menschen ab der Saison 1939 in einer 12 km langen Ferienanlage gleichzeitig Urlaub machen können. Doch die kriegsbedingte Einstellung aller Arbeiten ließ von dem Projekt lediglich einen Rohbau zurück, der später durch die DDR für die Kasernierung von Soldaten umgenutzt wurde. Seit der deutschen Einheit ringt man nicht nur um eine sinnvolle Perspektive, sondern auch um diesen Ort der Erinnerung an eine „doppelte Vergangenheit“.
Vor 80 Jahren - am Sonnabend, den 2. Mai 1936 - fand um 9.00 Uhr die Grundsteinlegung für das „KdF-Seebad Mukran“ statt. Schon die Vorbereitungen zu dem Fastakt waren damals für die Insel Rügen  spektakulär. Immerhin wurden alleine 6 Sonderzüge zwischen Stettin und Stralsund eingesetzt, um möglichst vielen Menschen eine Teilnahme zu ermöglichen. Daneben kam es zu zahlreichen Strassensperrungen, da auch von einem hohen Aufkommen an Kraftfahrzeugen ausgegangen wurde. Die Parkplätze für Autos und Motorräder befanden sich übrigens lediglich im Ostseebad Binz. Während Feldküchen Tee mit Rum ausschenken sollten, war die weitere Versorgung durch fliegende Händler geplant, deren Aufgabe es war, Würstchen anzubieten. Für den Festakt selbst ist uns ein Aufmarschplan überliefert, der einen kleinen Eindruck vom Ereignis vermitteln kann. Neben Abordnungen von SA, SS sowie Deutscher Arbeitsfront (DAF) war auch die Teilnahme von Wehrmachtsangehörigen vorgesehen worden. So war - gemäß Ablaufplan - der Aufmarsch einer Ehrenkompanie des Marinestandortes Saßnitz mit Musikzug am Grundstein, das Ankern eines Torpedobootes vor Mukran und das Überfliegen der Feststätte durch eine Staffel des Geschwaders „Hindenburg“, geplant. An einer imposanten Inszenierung – mit dem Leiter der KdF, Robert Ley, und dem Gauleiter und Oberpräsidenten der Provinz Pommern, Schwede-Coburg als Redner - besteht also kein Zweifel. Dennoch gab es auch eine Kehrseite des Festaktes. Allein die Vorstellung, dass man mit dem Sonderzug von Stettin um 1.00 Uhr nachts abfuhr, gegen 5.40 Uhr in Binz ankam, um dann etwa 6 km zum Veranstaltungsort zu pilgern, wo der Festakt ja erst um 9.00 Uhr begann, lässt genug Raum für eine eigene Vorstellung des Aufwandes für die Teilnehmer. Zurück ging es dann gegen 14.00 Uhr...