Dienstag, 5. Juli 2016

4. Juli 1806: Aufhebung der Leibeigenschaft

Arndt: Streiter gegen die Leibeigenschaft
Groß Schoritz. (SAS) Auf Rügen verbindet sich die Aufhebung der Leibeigenschaft gedanklich direkt mit Ernst Moritz Arndt. Der Rüganer beklagte zu Recht die Leibeigenschaft, die ihren Ursprung in Missbrauch und Willkür hatte und sich in der 1616 erlassenen Bauern- und Schäferordnung manifestierte. Sie ermöglichte den Grundherren lange Zeit das "Bauernlegen" ganzer Dörfer. 
Da Arndts Vater erst mit der Geburt von Ernst Moritz aus der Leibeigenschaft entlassen wurde, verwundert es nicht, dass gerade der erwachsene Arndt eine aktive Auseinandersetzung damit suchte. 1803 verfasste er die Schrift „Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen“. 
Arndt formuliert darin ein klares Ziel: „Die freie, fortschreitende Gesellschaft will freie Bauern des Landes. Was einst erlaubt war, ist es nicht mehr für unsere Zeit; wir haben vom menschlichen und politischen Unrecht ein Wissen und Gewissen ganz anderer Art als unsere Väter; wir sollen auch Bürger sein in einem anderen Sinne als unsere Väter.“ Eines der gedruckten Exemplare schickte Arndt dabei an den schwedischen König. Dieser schrieb, nachdem er sich mit dem Streit zwischen Arndt und den Grundherren auseinander gesetzt hatte, folgendes Urteil: „Wenn dem so ist, so hat der Mann recht.“ 
Noch bevor sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen auflöste, hob der schwedische König am 4. Juli 1806 die Leibeigenschaft in Schwedisch-Pommern auf. Sein erklärtes Ziel war die Schaffung eines starken pommerschen Bauernstandes. Auch wenn sich deren Umsetzung noch durch den Widerstand der Grundherren bis nach 1815 verzögern ließ, so war es am Ende doch nur noch eine Frage der Zeit. Der Umbruch selbst wurde bereits am 16. Juni 1773 eingeleitet, als Präpositus Picht den ersten Leibeigenen in Schwedisch-Pommern in die Freiheit entließ.
Arndt leistete mit seiner Schrift einen entscheidenden Beitrag zur Befreiung der Leibeigenen in dem er den Schwedischen König in seinen Zielen bestärkte und ihm erleichterte, den Widerstand der pommerschen Grundherren zu brechen. Dieser hatte schon seit 1796 die ersten Versuche dazu unternommen.