Mittwoch, 19. Oktober 2016

Selbstgemacht (1): Wie wäre es mit Apfelgelee?

Ein Gastbeitrag von Rügen Outdoor


Alte Apfelsorte Rügens: Pommerscher Krummstiel
Neukamp. (SAS) Im Herbst beginnt die Apfelernte. Sie lässt uns die reifen Früchte pflücken und vor allem verwerten. Erstaunlich ist, die Vielzahl einheimischer alter Sorten, die es immer noch auf der Insel gibt. Stellvertretend seien der Pommersche Krummstiel oder der Rote Winterstettiner erwähnt. Wichtig ist aber zu beachten, dass einige Sorten erst eingelagert werden müssen, um ihren vollen Geschmack zu entfalten.

Rügen. (RO) Zur Verwertung wollen wir diesmal die Herstellung von Apfelsaft und Apfelgelee nach einer alten Rezeptur empfehlen. Dazu werden die Äpfel geschält, geviertelt und vom Kerngehäuse befreit. Dann werden sie in einen Topf – früher nutzte man feuerfeste Messingtiegel – getan und mit soviel Wasser begossen, bis die Stücken bedeckt sind. Nach dem Weich- bzw. Aufkochen muss die Masse gesiebt werden. Roter Gelee wurde früher übrigens durch die Beigabe von ungeschälten Himbeeräpfeln – wie dem Danziger Kantapfel – erzeugt. Das zurückbleibende Mus kann als Kompott dienen. 
Auf 3 Pfund Saft (entspricht 1,5 Ltr.) wurde damals das Verhältnis von 2 ½ Pfund (1,13 kg) Zucker empfohlen. Allerdings wurde dies meist nach Gefühl der Hausfrauen gemacht. Der Saft wird also mit dem Zucker im entsprechenden Verhältnis verrührt, dann aufgekocht und unter ständigem Aufziehen – d.h. Aufschöpfen mit dem Schaumlöffel - abgeschäumt.
In der Regel ist er nach ½ Stunde kochen, gut. Sehen kann man dies auch beim Abtropfen des Schaumlöffels, indem man die Tropfen rasch auf einem Teller kalt werden lässt. 
Weitere Verfeinerungen mit Zitrone und/oder Zimt sind möglich und lassen eine geschmackliche Einstimmung auf den Winter zu. Auf 1,5 Ltr. werden zwei Zitronen und nur etwas Zimt empfohlen. Sie dürfen den Apfelgeschmack nicht zu stark überlagern!
Heute wird vielfach bereits – an Stelle des Zuckers - Geleezucker verwendet. Das Verhältnis findet sich auch auf der Verpackung.


Was ist denn ein Pommerscher Krummstiel?
Der „Pommersche Krummstiel“ ist seit 1850 auf der Insel Rügen bekannt. Er gilt als Winterapfel und war früher in Vorpommern eine Hauptsorte. Hier ist er auch noch heute regional anzutreffen. Namensgebend war der „krumme Stiel“ der aus der Stielgrube hervorschaut. Seine Gestalt ist mittelgroß bis groß, seine Schale hellgelb mit roten Streifen bis hin zu einer allgemeinen Rötung. Das Fruchtfleisch ist gelblich weiß und fest. Der „Pommersche Krummstiel“ zeichnet sich durch einen süß-säuerlichen Geschmack aus. 

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Alte Grafik des "Pommerschen Krummstiels"