Freitag, 16. Dezember 2016

1. Sassnitzer Einwohnerversammlung 2016

Die heutige Einwohnerversammlung
Sassnitz. (SAS) 18 Einwohner folgten dem Aufruf der Stadt zur ersten Einwohnerversammlung 2016. Sie wurden von Bürgermeister Frank Kracht sowie Dr. Ingulf Stodian, der mit noch einem Mitarbeiter des Nationalparkamtes Vorpommern anwesend war, begrüßt.
 
Informationen zu den geplanten Baumfällungen
Gleich eingangs informierte Dr. Ingulf Stodian die Einwohner zu dem Anliegen des Nationalparkamtes. Sein Problem beschrieb er mit der Gegebenheit, dass der Eigentümer der Waldflächen verpflichtet ist, im Abstand von 30 m von Gebäuden und Wegeführungen die Verkehrssicherheit sicherzustellen. Um dieses Problem auch für die Ortslage Sassnitz und die Stubnitz zu verdeutlichen, machte er einen Ausflug in die lokale Pflanzenwelt auf der Kreide. So kann beispielsweise die Buche, nach seinen Ausführungen, innerhalb weniger Jahre von der Wurzel her faulen und plötzlich - völlig unerwartet - umbrechen. Damit leitete er in die Problematik der Baumfällungen des Nationalparkamtes in den Ortsrandlagen über.
Er selbst räumte ein, dass die gefällten Bäume, die dabei am Ortsrand zurückbleiben, nicht schön aussehen. Ein Beispiel dafür wäre u.a. der Stubnitzweg. Das Liegen der toten Stämme hielt er dabei aber für eine notwendige Gegebenheit. Allerdings würden - aus ästhetischen Gründen - im Interesse des Tourismus teilweise auch Beräumungen stattfinden.
In den nächsten zwei bis drei Monaten wird es nun zu weiteren Fällungen ("Auflichtungen") kommen. Die dann noch verbleibenden Arbeiten würden dann im Folgejahr durchgeführt werden. Das Waldbild wird sich dabei vor allem im Bereich des Weddings - also der nordöstlichen Randlage der Stadt - verändern.
 
Dann kam es zu vielen Fragen...
Der Teil der Informationsversammlung, der für die Fragen vorgesehen war, begann etwa gegen 17.20 Uhr. Dabei wurde auch am städtischem Waldbestand und dessen Verkehrssicherheit Kritik geübt. Der Bürgermeister machte anschließend jedoch darauf aufmerksam, dass die Stadt diese im Blick habe, es jedoch alles letztlich eine Frage der Haushaltslage sei.
Bevor die Fällungen begannen, so eine weitere Bürgerin, hätte man vor allem auch Lärchen herausgeholt. Ob das Ziel nach dem alleinigen Bestand von Buchen sinnvoll ist, zweifelte sie in diesem Zusammenhang an.
Auf der L 303 wurden, so ein weiterer Anwohner, viele gesunde Buchen gefällt. Dies, so Dr. Stodian, wäre jedoch im Rahmen der "Auslichtung" notwendig gewesen. Strittig war aus Sicht der gekommenen Bürger auch, warum Straßen gesichert werden, ausgeschilderte Wanderwege aber nicht. Zweifellos finden hier keine Prüfungen der Sicherheit statt. Diskutiert wurde dazu deshalb, weil auch Unklarheit darüber bestand, welche Wanderwege auch Rettungswege wären.
Eine andere Bürgerin machte auf den Zustand am Sonnenberg aufmerksam. Hier wurden zahlreiche Fällungen durchgeführt. Im Anschluss hat dann die schwere Technik eine teilweise Zerstörung des gepflasterten Dammes verursacht, den auch verschiedene Anwohner nutzen. In diesem Zusammenhang wurde auch kritisiert, dass die Verkehrssicherheit für die Anwohner von Schwierenz nicht mehr gewährleistet sei. Das ginge soweit, dass hier selbst die Zeitung nicht mehr zugestellt werde, bemerkte sie. Zu den jüngsten Begebenheiten zählte das Spannen eines Stricks quer über die Straße am Freitag, den 6. Dezember 2016. Sicher ein gut gemeinter Vorgang im Zuge der Sicherung von Baumfällarbeiten, aber für die Einwohner dann eine weitere Einschränkung, für die man aber im Vorfeld durch Absprachen mehr Verständnis hätte erzeugen können. Das sollte sich mit dem Ende der Veranstaltung, so der Wunsch der Verantwortlichen, ändern.
Auch im Stubnitzweg macht man sich Sorgen, wie ein Ehepaar berichtete. In diesem Falle um das eigene Haus, denn es blieben - aus ihrer Sicht - ausgerechnet die Bäume stehen, die im Falle eines Falles ihnen bedrohlich erscheinen. Der Vorgang war bereits im Vorfeld brieflich bekannt geworden.
Es lässt sich sicher vorstellen, dass der Unmut bei diesen Themen hochkochte. Eine Frau sagte deutlich hörbar: "Jetzt werd ich aber sauer..." Ließ sich dann aber von einer Bekannten wieder beruhigen... - Soweit die Schilderungen, stellvertretend für die vielen Wortmeldungen.
Wie geht es weiter?
Bürgermeister Frank Kracht machte darauf aufmerksam, dass es sich bei der Einwohnerversammlung lediglich um eine Informationsversammlung handele auf der man versuche erste Fragen zu beantworten. Allerdings hinterließ diese Veranstaltung auch viele Unklarheiten.
So sprach u.a. Dr. Stodian davon, dass man sich vorstellen könne, Holz abzuverkaufen, während zuvor Versuche von verschiedenen Bürgern, die sich bereits gemeldet hatten, um selbst Holz aus den herumliegenden Fällungen zu machen, erfolglos blieben. Zwar versprach er ebenfalls auf der Veranstaltung die teilweise Räumung in den Ortsrandlagen im Sinne des Tourismus, hielt diese dann allerdings nicht, wie bekannt wurde - aus finanziellen Gründen. Nur eines stellte er unmissverständlich klar: "Der Waldumbau spült Geld in die Kassen des Landes... Aber davon haben wir nichts."

Zu guter Letzt
Es war vielleicht das eigentliche Schlusswort des Abends, denn der Bürgermeister sagte: "Manche Dinge werden erst unsere Enkel schätzen lernen..." Die Antwort seiner Gäste blieb nicht aus: "...oder auch nicht!"

Weiterführende Links zu "Einwohnerversammlungen in Sassnitz":