Donnerstag, 29. Dezember 2016

Auf den Spuren der "Heiden"

Sassnitz. (SAS) Wer ist eigentlich Ehm Welk? Was hat der Autor mit Rügen zu tun? Warum waren die "Heiden von Kummerow" auf der Insel? - Viele Fragen lassen sich 50 Jahre nach dem Tod des deutschen Autors stellen. Wir versuchen eine Annäherung...


Das ist also Ehm Welk?
 Emil "Ehm" Welk wurde übrigens nicht in der pommerschen Provinz geboren, sondern kam am 29. August 1884 in Biesenbrow bei Angemünde zur Welt. Immerhin: seine im Brandenburgischen liegenden Wurzeln und seine Kindheitserinnerungen ließen ihn später das Buch schreiben, was ihn doch berühmt machen sollte - "Die Heiden von Kummerow". Die Geschichte um zwei zehnjährige Jungen und die Einwohner von Kummerow - "im Bruch hinterm Berge" - bleiben aber zunächst nur eine Randnotiz seines Lebens, denn der junge Welk macht zunächst eine kaufmännische Lehre im unweiten Stettin. 1904 schlug er dann die journalistische Laufbahn ein und wurde zunächst Volontär der "Stettiner Abendpost", später dann Mitarbeiter der "Stettiner Neuesten Nachrichten" und schließlich Chefredakteur der "Stolper Neuesten Nachrichten". 1909 zog er nach Braunschweig und arbeitete dort bis 1919 als Chefredakteur des "Braunschweiger Allgemeinen Anzeigers". Anfang der 20er Jahre reiste er in die Vereinigten Staaten und nach Lateinamerika.

Wie er später mitteilte, hatte dabei sein Besuch in Übersee weitreichende Folgen für sein späteres Leben, denn dadurch wandelte er sich zum Sozialisten. Die erneute journalistische Tätigkeit nach seiner Rückkehr nach Berlin brachte ihn jedoch in Konflikt. Als Chefredakteur der Zeitung "Die Grüne Post" - die von Ullstein verlegt wurde - verfasste er unter dem Pseudonym Thomas Trimm den Leitartikel "Herr Reichsminister - ein Wort bitte!" Da er damit den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, brüskierte, wurde er entlassen und kam in das Konzentrationslager Oranienburg. 

Zwar wurde er nach dem Protest von Journalisten und Korrespondenten aus dem In- und Ausland wieder entlassen, aber er erhielt Berufsverbot. Bedingt durch diese massive Einschränkung zog Welk in den Spreewald - nach Lübbenau. Hier wurde er inoffiziell als Lektor für seinen alten Verlag tätig, widmete sich dem ländlichen Leben und schrieb u.a. an den Büchern "Die Heiden von Kummerow" und "Die Lebensuhr des Gottlieb Grammbauer". 

1940 zog es ihn wieder ins Pommersche - nach Neuenkirchen bei Stettin. Hier wurde er von Kuno Popp, dem Landesleiter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda, begünstigt und wurde mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Preis ausgezeichnet. Zum Kriegsende 1945 mußte auch er Neuenkirchen verlassen, dass mit dem Ende des zweiten Weltkrieges polnisch wurde und heute Dołuje heißt, und ging zunächst nach Ueckermünde, wo er bis 1949 das Kulturamt leitete.

Parallel dazu begann er mit dem Aufbau mehrerer Volkshochschulen und beteiligte sich so an der sozialistischen Erneuerung. Ab 1950 ließ sich Welk in Bad Doberan nieder und setzte seine Autorentätigkeit fort. Zahlreiche Auszeichnungen - u.a. der Nationalpreis der DDR, die Ehrenbürgerschaften von Bad Doberan und Angermünde sowie Würdigungen durch die Universität Greifswald - folgten.
Der Buchtitel aus dem Hause Hinstorff
Durch seinen Tod vor 50 Jahren - am 19. Dezember 1966 - konnte er die Verfilmung seines wohl bekanntesten Buches - die "Heiden von Kummerow" - nicht mehr erleben. Sein Wunsch als gesamtdeutscher Autor anerkannt zu werden, wurde durch das Filmprojekt aber sicher unterstützt, zumal es sich um die erste deutsch-deutsche Verfilmung nach dem zweiten Weltkrieg handelte. Der Film "Die Heiden von Kummerow und ihre lustigen Streiche" war prominent besetzt - u.a. mit dem pommerschen Schauspieler Paul Dahlke, Ralf Wolter (bekannt als "Sam Hawkens" und "Hadschi Halef Omar" in zahlreichen Karl-May-Verfilmungen) sowie Theo Lingen - und vor der einmaligen Kulisse der pommerschen Boddenlandschaft von Rügen zog der Filmstreifen später ganze Generationen in seinen Bann. Zu den heute noch bekannten Drehorten zählten beispielsweise ein 3-Seiten-Hof und die Kirche von Vilmnitz. So führt also die Spur der "Heiden von Kummerow" als auch auf unsere Insel...

Das Programm zum auf Rügen gedrehten Film