Montag, 19. Dezember 2016

Filmszene (52): "Gebirge und Meer"

Sassnitz. (SAS) Seit über hundert Jahren werden auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund Filme gedreht. Dieses mal geht es um den ersten deutsch-tschechoslowakischen Dokumentarfilm.
 
Zehn Jahre nach dem ersten Weltkrieg – 1955 – kommt es zur ersten Koproduktion zwischen der DDR und der CSR. Entstanden ist ein etwa 20 Minuten langer Dokumentarfilm in Farbe mit einer Parallelhandlung. Dabei stehen junge Pioniere im Mittelpunkt. Die deutsche Gruppe der Pioniere reist ins Gebirge – die Hohe Tatra – und die tschechoslowakische Pioniergruppe ans Meer – auf die Insel Rügen.
Badefreuden an der Ostsee (Foto: DEFA / Repro: Rügener Filmarchiv)
Nach einer Ankunft bei Nacht, gibt es am kommenden Morgen für alle viel in dem für sie fremden Land  zu entdecken. Während die deutschen Kinder über die Flora und Fauna sowie das slowakische Hochgebirge staunen, welches 1935 sogar Austragungsort der Norddeutschen Skiweltmeisterschaft war, geht es für die tschechischen Jugendlichen erstmals ins kühle Wasser der Ostsee. Das Meer und ein Tag am Strand sind dabei der beste Einstieg in erholsame Tage. Bei Ausflügen geht es bis zur Nordspitze der DDR – dem Kap Arkona, die Kinder selbst sind sichtlich beeindruckt von der pommerschen Küstenlandschaft. Höhepunkt ist aber ein Törn auf dem DDR-Segelschulschiff „Wilhelm Pieck“ mit dem Boddenlandschaft erkundet wird. Natürlich darf auch ein Seenot-Manöver dazu nicht fehlen.
Ein Blick in die Slowakische Tatra bei Stary Smokovec (Altschmecks) zeigt: Auch hier ist keine lange Weile angesagt. Es geht auf die hohen Berge und man da darf mitten im Sommer schon mal auf dem Hosenboden den verschneiten Hang herunterrutschen. Höher hinauf geht es dann nur noch mit der Seilbahn. Unvergessliche Tage für die Kinder, die heute - 60 Jahre später - im besten Rentenalter sein dürften...
Kaum zu glauben: Für die Schauspielerin Annekathrin Bürger ist „Gebirge und Meer“ der erste Film, obgleich wir sie in dem Streifen nicht erkannten. Noch eine Personalie ist zu beachten! Im Drehteam ist auch Helmut Bergmann. Der „kleine Bergmann“, Bruder von Werner Bergmann, fängt in diesem Film eindrucksvolle Landschaften mit seiner Kamera ein. Auch er ein souveräner Handwerker und profunder Geschichtenerzähler, der mit Schlichtheit zu überzeugen weiß. Alles in allem: Ein gelungener Farbfilm – obgleich auch diese Dokumentation einem politischen Auftrag folgt. Dieser tritt allerdings hinter die Unbefangenheit der Kinder zurück. Und der Grundbotschaft der Völkerfreundschaft möchte man sich auch heute anschließen.