Montag, 19. Dezember 2016

Geopolitisches Gerangel vor Rügen (4): Alternative gesucht

Bornholm wird zur Alternative für Nordstream 2
Sassnitz. (SAS) Das geopolitische Gerangel vor Rügen geht weiter. Selten hat ein wirtschaftliches Projekt - wie Nordstream 2 - eine solche außenpolitische Wirkung entfaltet. So berichteten wir bereits kürzlich in diesem Zusammenhang über die Bedenken der schwedischen Regierung in Bezug auf die
Aktivitäten rund um die neue Gas-Pipeline, die nach ihrer Fertigstellung - gemeinsam mit der bereits bestehenden ersten Nordstream-Leitung - etwa 55 Mrd. m3 Gas nach Lubmin transportieren soll. Beide Pipelines könnten dann 40% des Gasbedarfs der EU decken und Deutschland zur Drehscheibe des europäischen Gashandels werden lassen. Die aktuellen Entwicklungen könnten auch für Mukran Veränderungen bringen.
 
Schweden: Treffen der Regierung mit Vertretern der Kommunen
Bei einem Treffen von Vertretern der schwedischen Regierung und Vertretern aus dem südschwedischen Karlshamn und dem gotländischem Slite kam es nun noch einmal zu einem Meinungsaustausch über Nordstream 2. Die Grundfrage, die auch die Debatte darüber in den Medien bestimmt, lautet: Haben wirtschaftliche Interessen Vorrang vor sicherheitspolitischen Interessen Schwedens? Dabei geht es vor allem für die Kommunen um viel Geld, denn: Für die Lagerung der Pipeline-Röhren und den Bau der zweiten Nordstream-Leitung erhoffte sich Gotland - nach Medienberichten - etwa 6 Mio. Euro und Karlshamn sogar etwa 10 Mio. Euro. Und obgleich die schwedische Regierung - wir berichten dies bereits - keinen Einfluss auf lokale Behörden und Entscheidungen nehmen wird, scheint sich das Blatt in Schweden gewendet zu haben. Wie ein Sprecher von Nordstream 2 bekannt gegeben haben soll, hat das Treffen mit zwei Ministern die Haltung zum Nordstream 2 Projekt wohl völlig verändert. Schon ist von einer Absage an Nordstream 2 in verschiedenen Medien die Rede. So war u.a. zu lesen: "Diese Woche zog die schwedische Regierung die Notbremse..." Dies würde erklären, warum bereits die Suche nach Alternativen für die zwei - auch strategisch wichtigen - Häfen, Karlshamn und Slite, erfolgt.
 
Ist Bornholm die Alternative?
Die Nähe zum deutschen Heimathafen Mukran spricht für eine wichtige Rolle, die Rønne auf Bornholm für das Nordstream 2 - Projekt zukünftig spielen könnte. Bereits bei der ersten Nordstream-Pipeline (2010-2011) hatte Rønne eine untergeordnete Funktion gehabt. Diese Möglichkeiten sehen wohl auch der sozialdemokratische Bürgermeister, Winni Grosbøll, und der Hafendirektor, Thomas Bendtsen, wenn man TV2 / Bornholm glauben mag.
Allerdings gibt es auch hier Befindlichkeiten gegenüber russischer Aktivitäten. Und diese sind historisch: Am 6. Mai 1945 erhielt der Kapitän zur See, Gerhardt von Kamptz eine Kapitulationsaufforderung vom sowjetischen Befehlshaber in Vorpommern. Dieser wies sie zurück. Noch am 7. Mai 1945 wurden sowjetische Aufklärungsflugzeuge beschossen. Daraufhin wurden Rønne und Nexø bombardiert. Die Übergabe Bornholms erfolgte am 9. Mai 1945 an die sowjetische Besatzung. Sie blieb bis 4. April 1946.
So werden bereits gedanklich Parallelen gezogen und auch hier gibt es eine emotionale Debatte zu Nordstream 2. So ist u.a. in einem Leser-Kommentar von "Blutgeld" die Rede, dass von Schweden abgelehnt wurde.
 
Zwischen-Fazit:
Die Gegner des Nordstream 2 - Projektes werden sich angesichts der jüngsten Entwicklungen und dieses unverhofften (?) Widerstandes freuen. Währenddessen dürften deutsche Beobachter sich schon manches Mal wundern. Die Frage die sich bei ihnen stellt: Wie war es bloß möglich die erste Nordstream-Pipeline zu bauen, wo sie den exakt gleichen Verlauf zwischen Wyborg und Lubmin hat?

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