Samstag, 10. Dezember 2016

"Heute komme ich fast monatlich in meine alte Heimat"

Helmut Morsbach, ehemaliger Vorstand der DEFA-Stiftung, und Brigitte Miesen,
Studio Hamburg Enterprises, die ebenfalls auch nach Sassnitz kommt. / Foto: privat
Sassnitz. (SAS) Zu den neuen Veranstaltungsreihen auf der Insel Rügen zählt "Treffpunkt Sassnitz". Vorgestellt werden Filmstreifen und Persönlichkeiten mit einem Bezug zur Insel Rügen. So kamen wir auch mit dem Gast der nächsten Veranstaltung, Helmut Morsbach - ehemaliger Vorstand der DEFA-Stiftung, die sich um die Bewahrung des DEFA-Filmmaterials bemüht und sie als Teil des nationalen Kulturerbes für die Öffentlichkeit nutzbar macht, ins Gespräch.
Herr Morsbach, was verbinden Sie mit der Insel Rügen?

Helmut Morsbach: Sehr viel. Ich bin in Greifswald geboren, zur Schule gegangen und habe dort auch einen Beruf erlernt. Als Historiker und Filmarchivar habe ich mich viel mit Vorpommern beschäftigt. Heute komme ich fast monatlich einmal in meine alte Heimat und habe Zeit, Natur, Geschichte und Kultur wahrzunehmen.
Nun sind Sie Gast der zweiten Veranstaltung "Effi Briest auf Rügen" der neuen Veranstaltungsreihe "Treffpunkt Sassnitz". Was verbinden Sie mit Effi Briest bzw. mit ihrem literarischen Schöpfer Theodor Fontane?
Helmut Morsbach: Ich lebe heute im Land Brandenburg, da ist einem Theodor Fontane mit seinen Wanderungen durch die Mark vertraut. Schließlich ist es ein Stück deutsche- und Weltliteratur. In einer evangelischen Kirche meines Wohnortes wurde vor drei Jahrzehnten auch Weltliteratur verfilmt: Gerhart Hauptmanns bekannte Novelle "Bahnwärter Thiel". Dankenswerterweise hat Studio Hamburg Enterprises auch diesen Film wieder zugänglich gemacht. So konnte ich ihn mit meinem örtlichen KinoKultur-Verein zeigen. Einwohner, die damals als Kleindarsteller mitwirkten, erzählten ganz begeistert von diesen Drehtagen mit bekannten Schauspielern. Und jetzt folgt schon die nächste große Verfilmung - Effi Briest. Ich freue mich gerade auch wegen der regionalen Bezüge auf die Veranstaltung in Sassnitz.
Der angesprochene Film "Effi Briest" ist eine von sieben Produktionen, die bei Studio Hamburg Enterprises im Rahmen der DVD-Edition "Frauenbilder - Theodor Fontane: Leben - Liebe - Schicksale" in diesem Jahr veröffentlicht wurden. Eine Verfilmung des Fernsehen der DDR, die seinerzeit im DEFA-Studio für Spielfilme hergestellt und vom Deutschen Rundfunk Archiv digitalisiert wurde. Heute stehen wir vor der DVD-Premierenvorführung von "Effi Briest" in Sassnitz, wo Theodor Fontane einst Anregungen für seinen Roman sammeln konnte. Wie wichtig sind diese Filme für das nationale Kulturerbe?
Helmut Morsbach: Es ist einmalig in der Filmgeschichte, dass alle Film- und Fernsehproduktionen der DDR nahezu vollständig in den Archiven überliefert sind. Schon die Lagerung und Klimatisierung dieser Dokumente ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Umso mehr bin ich dankbar, dass ich als ehemaliger Vorstand der DEFA-Stiftung einen Teil dieser Filme konservieren, restaurieren und digitalisieren konnte. Gleiches hat das Deutsche Rundfunkarchiv mit seinen Fernsehproduktionen getan. Wenn heute dieser wertvolle Filmschatz dann auch noch auf DVD oder anderen Medien nutzbar gemacht wird, sind die hohen Restaurierungs- und Digitalisierungskosten gut angelegt.
Wir danken Ihnen für das kurze Gespräch.