Dienstag, 13. Dezember 2016

Spur der Steine (52): Das Franzosendenkmal

Bergen. (SAS) Zu den geschichtsträchtigsten Orten der Insel zählt sicher der Rugard. Obgleich er heute eher einer Erlebnislandschaft mit einem Kletterwald, einer Rodelbahn oder Freilichtbühne zugeordnet wird, spiegelt er daneben doch die Geschichte auf seine ihm eigene Weise. So war die Erhebung der Insel auch immer Teil kollektiver Erinnerung, die sich in einer Denkmallandschaft dokumentiert.
Am Rugard: Das Franzosendenkmal
Zu ihr zählen / zählten der Ernst-Moritz-Arndt-Turm, das Mallon-Ehrenmal, die Denkmalanlage für die Opfer des Faschismus, das Ehrenmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges oder die Friedenseiche. Nicht zu vergessen: Das Franzosendenkmal. Dieses führt uns über 200 Jahre zurück - in die Zeit der napoleonischen Eroberungskriege und der damit verbundenen Fremdherrschaft. Die Chronik der Stadt Bergen aus dem Jahre 1835 lässt dazu einen Zeitzeugen – den Rektor der Stadtschule Carl Friedrich Michael Droysen – zu Wort kommen. Er berichtet – bezogen auf das Jahr 1813: „Anfang November wurden mehrere kriegsgefangene Franzosen in Bergen in Quartier gelegt.“ Zur Todesursache fährt er fort: „Von den Franken raffte ein bösartiges Nervenfieber viele hin. Sie wurden auf einen Platz in der Nähe des Rugards, hart am Stedarschen Weg beerdigt.“ 
 
Die Inschrift am Denkmal
Wenn man seinen Aussagen folgt, wurde durch den Bergener Kommandanten, Major v. Zansen, diesen Toten zunächst ein hölzernes Denkmal gesetzt. Die Wahl des Materials lässt bereits auf eine vorübergehende Situation schließen, wie sie vielfach im Zuge von Kriegen und den damit verbundenen Mangeln an beständigem Material anzutreffen war. Allerdings war – wenn man weiteren Berichten Glauben schenken mag – auch ein späterer Ersatz des Denkmals aus dem Jahre 1858 nicht von Dauer.
Das heute erhaltene Franzosendenkmal datiert mit seiner Einweihung auf den 18. Oktober 1913 und erinnert an das 100. Jubiläum der Freiheitskriege, die von 1813 bis 1815 dauerten. Allerdings erinnert es – wie der Name vermuten ließe – nicht nur an die auf Rügen verstorbenen Franzosen, sondern auch an die ebenfalls in Diensten der französischen Armee stehenden Deutschen und Italiener, so wie die hier ebenfalls im Bergener Militär-Lazarett verstorbenen Schweden. Heute liegen ihre Gebeine geradezu friedlich nebeneinander in der Erde des Rugard, vom Laub verdeckt. Vielleicht lassen sie den Gast oder Wanderer, der den seitlichen Weg – weg vom Ernst-Moritz-Arndt-Turm – einschlägt, dennoch kurz innehalten und die Sinnfrage von Kriegen stellen. Die Zeiten sind mehr als dafür geeignet.