Mittwoch, 28. Dezember 2016

Was von den "Zwölften" überliefert ist...

Stürme & Sturmfluten begleiten die "Zwölften"
Sassnitz. (SAS) Die Zeit zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag wird als „Zwölften“ oder „Zwölfnächte“ bezeichnet. Im Zuge der winterlichen Sonnenwende glaubte man lange daran, dass sich ein Zeitfenster auftat, das für eine kurze Spanne den Blick auf die Gegenseite – die Zukunft – ermöglichte. Und so werden mit dieser Zeit viele alte Regeln verbunden.
So wurden in den Zwölften keine Löcher gegraben, da sie den Tod eines Familienmitgliedes bedeuteten. Auch darf nicht gewaschen, vor allem aber kein gewaschenes Zeug in der freien Luft auf den Zaun zum Trocknen gehängt werden. Die Regel sagt: „Er den Tuun (Zaun) bekleed´t, dat möt ok ´n Sarg bekleeden.“ Was bedeutet, das bei Missachtung im darauffolgenden Jahr ein lieber Angehöriger stirbt. An den Hauswänden darf auch nichts hängen – weder alte Lappen, Scheuertücher o.ä. – sonst erhängt sich jemand im Laufe des kommenden Jahres... Viele dieser Bräuche und überlieferten Regeln wurden durch den Rüganer und Heimatforscher Prof. Dr. Alfred Haas niedergeschrieben.
Er berichtete aber auch von seltsamen Vorgängen um Silvester. So soll über den Wreecher Tannen bei Putbus in der Silvesternacht zwischen 12 und 1 Uhr ein feuriger Wagen hinwegfahren, der mit feurigen Pferden bespannt ist. Leute, die dies beobachteten, sprechen aber von stillen und lautlosen Handlungen. Auch die Scheidegänger, Menschen die zu Lebzeiten durch einen falschen Eid die Grenze verrückt haben sollen und nun keine Ruhe finden, laufen an diesen Grenzen rastlos auf und ab. Dabei rufen sie: „Hier is de Scheed!“ In den Haushalten gehörte das „Abbacken“ zu einem festen Ritual, damit die Unterirdischen im kommenden Jahr in den Haushalten nicht mitessen. Aus Patzig ist bezeugt das ein Arbeitsmann zu seiner Frau sagte, die kein Mehl im Haus hatte: „Backen müsst du, un wenn du ok bloß Schiet und Dreck tosamenrührst!“
Weitaus angenehmer scheint der Brauch der Rügener Fischer zu sein, die ihre Boote mit Punsch bespritzten. Dies sollte im darauffolgenden Jahr Glück bringen. Allerdings haben sie wohl oftmals zu wenige Boote und Kehlen mit dem Punsch getroffen, denn: Zu den "Zwölften" und zum Jahreswechsel gab es oft gewaltige Stürme und Sturmfluten, die auf der Insel bisweilen schwere Schäden an den Häusern anrichteten, Bäume entwurzelten oder die Boote, wenn sie nicht rechtzeitig höher an Land gezogen werden konnten, fortrissen und auf See trieben.