Mittwoch, 4. Januar 2017

Eine "Schwalbe" macht noch keinen Sommer...

Die "Schwalbe" auf der Breitspur von Mukran (Foto: soicrl201203-09 / Siemens)
Sassnitz. (SAS) Seit dem Beginn der Sanktionen zwischen der EU und Russland im Sommer 2014, steckt auch Mukran - Deutschlands östlichster Tiefseehafen - in einem echten Dilemma. Denn obgleich die Russen in Mecklenburg-Vorpommern für Unternehmen zu den wichtigsten Handelspartnern zählen, ist der Warenaustausch über die Fährlinie Mukran - Baltijsk (das ehemals ostpreußische Pillau - Anm. d. Red.) - Ust-Luga begrenzt. Daran hat auch das Jahr 2016 nichts geändert - von einer kurzen Belebung im Frühjahr, die in Folge der Schließung der polnischen Grenze für russische LKWs entstand, abgesehen. Und so hofft man auch auf Rügen weiterhin auf ein "Tauwetter" in den Beziehungen des Westens zu Russland. Ministerpräsident Erwin Sellering brachte es bereits beim letzten Russland-Tag in Rostock vor rund 600 Teilnehmern auch politisch auf den Punkt: "Wir warten gemeinsam ungeduldig darauf, dass die Sanktionen endlich fallen, damit wir an den früheren wirtschaftlichen Austausch wieder anknüpfen können."
 
Gute Beispiele für erfolgreiche Handelsbeziehungen lassen sich gerade am Beispiel Mukrans auf verschiedenen Ebenen verdeutlichen. Fast vergessen und doch bemerkenswert scheint so u.a. die Zeit, als der erste Regionaltriebzug vom Typ Desiro RUS - noch auf deutscher Seite - über die russische Breitspur von 1520 Millimetern in den Laderaum der Eisenbahnfähre "Petersburg" rollte und in den russischen Seehafen Ust-Luga verschifft wurde. Das war vor fast 5 Jahren. Seither haben die Züge der Baureihe von Siemens Rail Systems die Weiten Russlands technisch erobert und erfreuen sich einer hohen Beliebtheit, die sich auch durch die Bezeichnung "Schwalbe" (russisch ласточка - Anm. d. Red.) ausdrückt. Doch obgleich die Betriebsgeschwindigkeit von 160 km/h und die Einsatzmöglichkeiten zwischen + 40 Grad und - 40 Grad Celcius liegen, bleibt festzustellen: Eine "Schwalbe" macht noch keinen Sommer. Also folgte dem Einsatz in den Regionen von St. Petersburg und Sotschi nun auch die - von der Nachrichtenagentur Interfax im Dezember 2016 gemeldete - Einsatzplanung zwischen Nowosibirsk und Barnaul.
 
Derweil gibt es hoffnungsvolle Signale zum Jahresanfang aus Wien. Dort erklärte der österreichische Außenminister Sebastian Kurz: "Wir müssen den Dialog mit Russland suchen." (Wir berichteten dazu bereits) Und noch erstaunlicher sind die Aussagen von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg: "Von Russland geht keine unmittelbare Gefahr für einen Bündnispartner aus, Russland ist unser Nachbar und Russland wird unser Nachbar bleiben. Deswegen bemühen wir uns um Dialog und Deeskalation. "
 
Alles in allem: Positive Vorzeichen für das Jahr 2017 und für eine mögliche Aufwärtsbewegung beim Warenumschlag im östlichsten Tiefseehafen Deutschlands. Vor den Sanktionen - 2012 - hatte man von russischer Seite bereits angekündigt gehabt, den Seehandel bis 2030 auf 1,2 Mrd. Tonnen zu verdoppeln. Wenn die Sanktionen also - wie angekündigt - gelockert werden und an diesen Plänen festgehalten wird, dann dürfte Mukran davon direkt profitieren können.