Montag, 23. Januar 2017

Einfach abreißen? - Die Angst vor dem Verlust

Das Molenfeuer von Sassnitz - Symbol für die Heimatstadt
Sassnitz. (SAS) Das Molenfeuer Sassnitz: Bei Wind und Wetter trotzt sein Stahlturm den Naturgewalten und gerade bei Sturm schlägt so manche Welle hoch über ihn herein. Dennoch strahlt das Molenfeuer unbeirrt tief in die Nacht, gibt Orientierung. Doch nicht nur an der 1.450 m langen Mole nagt die ungebändigte Kraft der Natur und erinnert uns an deren Vergänglichkeit - wie im Winter 1978/79. Doch was sind wir bereit für den Erhalt zu opfern?
Geht es doch auch um den Erhalt eines Wahrzeichens für die Stadt, das sogar seinen Eingang in das Stadtwappen gefunden hat, unzählige Male als Postkartenmotiv diente und Millionen an Briefmarken zierte...
Rügener Badejunge aus Thüringen? - Heute scheint nichts unmöglich.
Es geht um die Angst vorm Verlust. Und die Fliehkräfte scheinen immer größer zu werden. Dinge, die wir als Teil von uns und unserer Heimat definieren, scheinen jederzeit über Bord gehen zu können. Erst zum Ende des letzten Jahres schockte die Erwägung einer Produktionsverlegung des "Rügener Badejungen" nach Thüringen die Insel. Heute scheint nichts unmöglich. Sicher, die Markenrechte bei einem Dortmunder Unternehmen, aber was bedeutet ein Verlust für unser Identität?
2007 erinnerte ein Buch der Arndt-Gesellschaft an die Geschichte des Landkreises Rügen
Die leidet bereits durch den Verlust des Insellandkreises für Rügen. Der überstand Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, DDR und sogar nach der Wende die Kreisgebietsreform von 1994. Doch mit der Einführung der Großkreise war es auch mit der jahrhundertealten Struktur vorbei. Alles was blieb sind die Nummernschilder für Kraftfahrzeuge und die anhaltende Frage, was denn nun eigentlich der neue Landkreis und Kreistag Vorpommern-Rügen an Vorteilen für seine Bürger gebracht hat, wo doch auch die Überschüsse des Landes nicht in den notleidenden Gemeinden landen und sie stattdessen immer mehr leisten sollen?
Ankündigung (Screenshot) der Universität Greifswald den Namen von Ernst Moritz Arndt abzulegen
Und als ob dies alles nicht schon genug für den Verlust von Identität bedeuten würde, erreichte uns nun auch noch die Nachricht von der Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt durch die Universität Greifswald.
Um es vorweg zu nehmen: Der berühmteste Sohn der Insel war schon zu Lebzeiten streitbar und er eignet sich bestimmt auch noch für die kommenden Generationen als optimale Reibefläche für Meinungsunterschiede. Doch der Name der Universität hatte auch etwas mit regionalem Bewusstsein zu tun, auch hier geht es wieder um Verlust von Bindung - auch von Rügen in Richtung Greifswald.

Und was meinte Ernst Moritz Arndt dazu?
 
"Heilig soll dem Menschen die Stätte sein, wo er geboren wurde, und ehrwürdig bleiben das, woran seine Kindheit erwuchs.
Denn das Land ist wohl bestellt und steht fest auf seinen Bürgern, wo jeden zuerst sein Haus und der Garten und die Bäume um sein Haus, dann seine Nachbarn und die Felder seiner Nachbarn, dann die nächste Stadt und ihr Kreis das Liebste und das Beste dünken in der Welt.
Siehe, ein solcher hat reiche Liebe, wovon er viel abgeben kann, und er wird auch das größere Vaterland von ganzen Herzen lieb haben und beschützen helfen.
Nimmst Du ihm aber alles weg, und verlachst ihm seine Liebe zum Wahn, dann steht er wie ein Baum in der Luft, dem unten die Wurzeln abgehauen sind, und der erste Wind wird ihn fällen."