Montag, 30. Januar 2017

Geopolitisches Gerangel vor Rügen (7): "Gorbi" & die Hoffnung auf "Peacemaker"

 "Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren..."
Sassnitz. (SAS) Am 11. Januar 2017 hatten wir bereits auf die Gefährdung des Friedens in Europa aufmerksam gemacht. Die derzeitige Gesamtsituation hat dabei auch eine direkte Auswirkung auf das Projekt "Nordstream 2", ein zweite geplante Unterwasserpipeline in der Ostsee, die ab 2019
russisches Gas nach Deutschland transportieren soll. Zur aktuellen politischen Lage meldete sich nun auch Michael Gorbatschow ("Gorbi"), ehemaliger sowjetischer Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger, in einem viel beachteten Gastbeitrag "Es sieht so aus, als ob sich die Welt auf einen Krieg vorbereitet" für das "Time" Magazin  am 26. Januar 2017 zu Wort. Wir versuchen diesen inhaltlich nachfolgend mit den Schwerpunktthemen wiederzugeben.

Der Beitrag zur aktuellen Situation
Darin beklagt er gleich zu Beginn Gefährdung des Friedens auf mehreren Ebenen: Während Soldaten und militärisches Gerät nach Europa gebracht wurden und sich in gegenseitige Schussweite befinden (wir berichteten bereits über die Situation), stimmen auch Politiker in den "kriegerischen Chor" ein, unterstützt von Kommentatoren und Medienvertretern.
Nach Ansicht Gorbatschows hätte dies nicht so sein müssen, denn schließlich hatte man auf Seiten der Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion in den 80er Jahren eine Entspannungspolitik eingeleitet, die dazu führte, dass 80% der Atomwaffen zerstört wurden. Getragen wurde dies durch eine gemeinsame Überzeugung: "Der Atomkrieg kann nicht gewonnen werden und darf niemals gekämpft werden."
Heute, so Gorbatschow, scheint allerdings die nukleare Bedrohung wieder real zu sein. Deshalb sei es notwendig, aus diesem Teufelskreis auszubrechen und wieder in den politischen Dialog einzutreten, um das gemeinsame Handeln abzustimmen. Themen dazu gäbe es genug, denn es ginge nicht nur um die Verhinderung des Krieges, sondern auch um die Bekämpfung des Terrorismus. Und: Durch Krieg könnten weder Armut, Umwelt, Bevölkerungswanderung und -wachstum oder Ressourcenmangel gelöst werden.
Nun, so Gorbatschow, würde es endlich notwendig sein, zu handeln. Einerseits von Seiten der UNO, die eine Resolution verabschieden muss, die einen Atomkrieg unmöglich machen könnte. Und andererseits von Seiten der Vereinigten Staaten und Russlands von der dafür die Initiative ausgehen kann, da sie gemeinsam 90% der weltweiten Nukleararsenale halten.

Hoffnung auf "Peacemaker" ("Friedensstifter")
Nur zwei Tage später gibt es hoffnungsvolle Signale: Ein erstes Telefonat zwischen dem Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem russischen Präsidenten, Vladimir Putin. Laut dem britischen Zeitung " The Daily Telegraph" gab es dabei Übereinkunft Ort und Zeit für ein persönliches Treffen zu vereinbaren. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte außerdem, dass der erste persönliche Kontakt ein wichtiger Schritt wäre, "um die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, die reparaturbedürftig sind, zu verbessern."
Das Thema der Wirtschaftssanktionen gegen Russland - von dem auch Projekte wie "Nordstream 2" betroffen sein könnte - wurden offensichtlich noch ausgeklammert. Die britische Tageszeitung bemerkte dazu allerding, dass es hier auch Differenzen zwischen britischen und der amerikanischen Außenpolitik geben könnte: Während Theresa May am Freitag bei ihrem Besuch Donald Trumps für die Verlängerung der Sanktionen gegen Russland eintrat, ließ der amerikanische Präsident eine endgültige Positionierung bisher offen.
Wird es also das prognostizierten "Tauwetter" zwischen den Vereinigten Staaten und Russland nun geben? Wird eine weitere friedliche Phase für Europa gestiftet? Nicht ohne Grund sollte man sich auch an ein eine weitere Aussage Gorbatschows vom 6. Oktober 1989 - anlässlich des 40. Geburtstags der DDR - in Berlin erinnern:

"Я думаю, опасности только подстерегают тех, кто не реагирует на жизнь."
 
...was der Dolmetscher dann so direkt in die Mikrofone übersetzte:

„Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren. Und wer die vom Leben ausgehenden Impulse – die von der Gesellschaft ausgehenden Impulse aufgreift und dementsprechend seine Politik gestaltet, der dürfte keine Schwierigkeiten haben, das ist eine normale Erscheinung."