Dienstag, 31. Januar 2017

Sassnitzer Heilkreide (1)


Der pommersche Naturwissenschaftler Friedrich v. Hagenow
Von Kathrin Stein

Viele würden uns beneiden, wenn sie denn über annähernde Bedingungen verfügen würden: Ein natürlicher Rohstoff mit günstiger Heilwirkung, eine direkte Lage am Meer und eine Vorgeschichte als einziges Kreideheilbad der Welt. Dazu ein Exportschlager die Sassnitzer
Kreideheil- oder auch Kreideschlammbäder. Ein Schatz den uns die Insel Rügen geschenkt hat. Gute Gründe um an einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte zu arbeiten. 
Friedrich von Hagenow und die Sassnitzer Kreide

Sassnitz und Kreide sind zwei Begriffe, die zusammengehören. Denn die Kreide prägt bis zum heutigen Tage unsere Stadt. Sichtbare Ausläufer - die Ablagerungen eines Kreidemeeres - betten sie bis heute ein. Und ihre Anwendung im Gesundheistbereich? Sie sorgte einst für den Ruf als welteit einziges Kreideheilbad. 

Längst vergessen scheint dabei, dass vor 220 Jahren - am 19. Januar 1797 - der Naturwissenschaftler Friedrich von Hagenow geboren wurde. Bereits als junger Mann lernte er Rügen kennen. Da er als einer der besten Geologen seiner Zeit galt und auch unternehmerischen Drang verspürte, ist es keineswegs verwunderlich, dass er sämtliche Kreidebrüche auf Rügen pachtete und so den Grundstein für den Abbau der Kreide auf Rügen legte. 

Die erste topografisch genaue Rügen-Karte von F. v. Hagenow (1835)
Der Rohstoff Kreide wurde dazu damals von Jasmund aus nach Greifswald verschifft und dort aufgeschlämmt. Die dafür genutzten Maschinen entstammten im Wesentlichen den eigenen Vorstellungen Friedrich von Hagenows um die sehr feinkörnige Kreide von ungewünschten Bestandtteilen wie Fossilien oder Feuersteinen zu trennen. Jasmund, dessen großartige Kreideküste sich von Lohme nach Sassnitz hinzieht, entwickelte sich so schon bald zum Zentrum einer ganzen Branche. Allerdings machten sich die vielen Kreidegruben gegenseitig starke Konkurrenz - einer der Gründe, weshalb von Hagenow schließlich auch seine Aktivitäten einstellte. Diese wurde erst zum Ende des 19. Jahrhunderts durch ein Kartell, welches sowohl die Preise als auch die Fördermengen absprach, beendet. Zu eben jenem Zeitpunkt begann man darüber nachzudenken, wie der Naturstoff Kreide, eine optimale Verwertung erfahren könnte. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass zu jener Zeit die Idee für Kreideheilbäder sich Raum brach.
 
 (Fortsetzung folgt)


Postkarte einer Sassnitzer Kreideschlemmerei

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Weiterführende Links zu "Sassnitzer Heilkreide":
1) Friedrich v. Hagenow und die Sassnitzer Kreide 2) Die Sassnitzer Heilkreide und ihre Zusammensetzung 3) Anwendungsmöglichkeiten der Sassnitzer Heilkreide 4) Aus alten Prospekten / 5. Der Plan zur Errichtung eines Kreideheilbades in Sassnitz 6.) Die Kreideheilbad-Gesellschaft

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