Samstag, 21. Januar 2017

Was Herr Schulz noch von Sassnitz zu berichten wußte

Sassnitz. (SAS) Zeitzeugen und ihre Erlebnisberichte sind für spätere Generationen oft von ganz besonderem Interesse. Erst recht, wenn man so die Gelegenheit hat, sich in eine andere Zeit zu versetzen. Auch eine alte Reisebeschreibung von Herrn Schulz aus einer Ausgabe der "Rügenschen Heimat" (8. Jahrgang, Nr. 8) aus dem Jahre 1931 gibt dazu Anlass:
 
Ansicht des Schlosses Dwasieden von 1879 (Architektonisches Skizzenbuch)
"Ist man über die zum Schlosse führende Fahrstraße gradeaus hinüber gegangen, kommt man an den Nachtigallenweg, der einen anderen, lieblicheren Charakter aufweist aber auch Schönheiten bietet. Kommt man ans Ufer geht man entweder nach rechts auf der Mauer bis zur Treppe, die zum Schlosse führt und da herauf oder man geht den Nachtigallenweg zurück und dann auf der Fahrstraße nach dem Schlosse, dass auch innen gezeigt wird.
 
Von dem freien Platze vor dem Schlosse hat man einen sehr schönen Blick auf Sassnitz. Es empfiehlt sich, diesen Spaziergang nachmittags zu unternehmen, da die Sonne am Vormittag dort manchmal etwas blendendes hat, was nicht nur durch ihre Stellung, sondern auch durch den Einfluss der vielen Kreidebrüche hervorgerufen wird.
Alte Postkarte mit der Ansicht der Hafenstrasse
Dieselbe Erscheinung macht sich dann und je auch am Strande in Sassnitz bemerkbar. An beiden Orten ist es am Strande am Nachmittage deswegen schöner, weil die Sonne dann im Rücken steht, das Auge Ruhe hat und die ganze wundervolle Beleuchtung und Farbenpracht von Sassnitz, von der Prorer Wiek von den bewaldeten Ufern der ganzen Umgebung ungestört genießen kann.
 
Alte Postkarte vom Weg nach Stubbenkammer
Wer längere Zeit in Sassnitz wohnt, dem stehen in solchen Fällen am Vormittage zum Spazierengehen die beiden Uferwege zur Verfügung, der unten an der See und der oben auf dem Ufer, von deren der obere ganz schattig und vollständig geschützt ist, der untere zum Teil. Beide gehören zu den schönsten Spaziergängen, die es überhaupt gibt. Außerdem bietet der Wald über Sassnitz eine große Zahl schönster Wege bis herauf zu dem mit ältesten Baumriesen bestandenen Schlossberge und mit einer reichen Flora, die allein 22 Sorten Orchideen enthält.
 
Wieder etwas ganz eigenartiges bieten dabei die Wege durch den "Die Lenz" genannten Waldesteil, die von ganz dichtem unterholzartig gehaltenen jungen 2 - 3 Meter hohen Baumbestande umgeben, zu jeder Tages- und Jahreszeit entweder Schatten oder Schutz vor jedem Wind und Wetter bieten. Wenn sich nun recht Sonne und Wärme finden, bietet das frühere Piratenreich Störtebekers jedem etwas, viel.
Alte Postkarte vom Hünengrab
Im Park von Dwasieden auf der Seite nach Mukran zu liegt auch ein großes Hünengrab. Zur Besichtigung dessen gehört aber Zeit, die die Mehrzahl der Besucher wohl lieber auf Sassnitz verwenden."