Samstag, 11. Februar 2017

Als Saßnitz noch ein Fischerdorf war...


Festgehalten für die Nachwelt: Saßnitz - wie es war
Sassnitz. (SAS) Der Ursprung unserer Heimatstadt liegt in der Uferschlucht des Steinbachs. Hier befand sich einst das Fischerdorf Saßnitz. Alte Akten geben uns sogar über deren Bewohner Auskunft: So wohnten hier neben dem Schulzen Böttcher die Fischer Seegert, Heinrich Borgwardt (sen.), Heinrich Borgwardt (jun.), Niclas Borgwardt, Falk, Hahlbeck, Stubbe, Mathias Kruse, Johann Kruse, Hauer, Rothiptak, Koch, Rogge, Käning.
Zu jedem der Fischergehöfte sollen damals etwa 2 Morgen Acker gehört haben. Außerdem hatte das Fischerdorf Saßnitz das Hütungsrecht über etwa 20 Rinder. Daneben hatten die Saßnitzer nach altem Recht (Observanz) 7 Klaster Buchenscheite in der Stubnitz (auch "Stubbnitz") für das Kloster Bergen bzw. den Landrat zu schlagen. Über "Wilde Bäume", also Wald, verfügte das Dorf jedoch nicht. Stattdessen gab es Buschwerk am Strande. Noch etwas sollte Erwähnung finden: Saßnitz hatte das Recht bei Strandungen zwischen der Brisnitzer Beek bis Crampas (auch "Krampas") die Bergung, Wache und Aufsicht zu führen.
 
Auch die Crampasser fischten
Übrigens fischten seit 1817 auch die Crampasser im Saßnitzer Bereich. Wie Hans Sund in den 30ern des letzten Jahrhunderts zu berichten weiß, gingen diese auf Lachsfang von Saßnitz bis Tippen. Zum Heringsfang im Frühling fischten sie zwischen dem Kollicker Ort und Zarnitz während sie diesen im Herbst zwischen dem Kollicker und dem Oskaner Ort betrieben.
 
Was wir von der Wassermühle erfahren haben
Eingängig äußert sich Hans Sund auch zur Wassermühle in Saßnitz. Die am Steinbach gelegene Mühle soll eine von 5 auf der Insel gewesen sein. Nach alten Überlieferungen soll Christoffer Cummerow 1741 sie errichtet haben. Dadurch wurden jedoch die andere Kleinmühlen - von Christian Hagen, Clas Kruse, Thies Seger, Carsten Ellerholz und Hans Borgwardt - überflüssig. Auch geriet er mit den Crampasser Bauern in einen Grenzstreit, schließlich gab er bereits 1749 wieder auf. Ihm folgt als Pächter Carl Flemming. Allerdings will Cummerow - nach Aktenlage - schon 1854 die Mühle wieder übernehmen, da diese durch den letzten Betreiber schlecht und baufällig geworden sei. Allerdings nur, wenn ihm die Anlegung eines Mühlenteiches von den Krampasser Bauern gestattet werde. Zudem würde er auch gerne Bewuchs von Bäumen roden, um sich einen Acker anlegen zu können. Außerdem wolle er die Zustimmung von den Saßnitzern erhalten, um an der Mündung des Baches Aalreusen auszusetzen. Dass er ferner auch die Verpflichtung erzielen will, dass die Einwohner der Orte Saßnitz, Hagen, Crampas, Rusewase und Promoisel "Zwangsmahlgäste" werden, lässt doch auf eine starke Position von Cummerow zu dieser Zeit schließen. 1807 ist die Mühle schließlich im Besitz einer Witwe Randhahn. Das Gebäude ist als ihr Eigentum ausgewiesen. Dazu gehört auch 1 Garten und 1 pommerscher Morgen Acker. Zudem können auf der Krampasser Weide Schweine und Gänse gehütet werden. All dies ist Gegenstand eines Pachtvertrages, den die französische Besatzungsmacht auf 30 Jahre (!) mit der Witwe schließt.
 
Der pommersche Schiffer und Kaufmann Wallis
1814 - als die Zeit der schwedischen Schutzmacht für Rügen endet - erhält der Oberst - und spätere Generalmajor - G. A. Peyron als Belohnung für seine besonderen Verdienste das Fischerdorf Saßnitz samt Mühle. Doch dieser veräußert seine Dotation in Stockholm bereits 1815 - wahrscheinlich im Zuge des Übergangs der Insel Rügen an Preußen - an den gebürtigen Stralsunder Kaufmann Albrecht Batzer Wallis. Schließlich erwirbt am 23. Mai 1815 (!) dessen Schwiegervater, der pommersche Schiffer und Kaufmann C. B. Wallis die Dotation. Dieser wohnte zu jener Zeit in der Langen Straße von Stralsund und verteidigte seine Grundgerechtigkeit über Saßnitz zäh gegen die neue preußischen Regierung. Erst nach seinem Tode hat dessen Witwe die Grundherrschaft über Saßnitz an den Staat verkauft. Wallis selbst kam in der Stralsu
nder Jakobikirche zur letzten Ruhe. Hans Sund beschreibt eine von ihm erhalten gebliebene Zeichnung in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts so: Die Zeichnung "zeigt ihn als älteren Mann von gedrungener Gestalt mit bartlosem Gesicht, rundem Kopf, leidenschaftslosem Mund und lebhaften klugen Augen."

Beschließen wollen wir die Beschreibung von Saßnitz als Fischerdorf mit einer Schilderung aus dem Jahre 1857, als der Ort bereits einen Gasthof besaß, von Ernst Boll. Er zeichnet Saßnitz mit den folgenden Worten nach: "...Die Häuser mit ihren Ställen und Dunghöfen liegen daher sehr zusammengedrängt, wodurch die Frische der Luft sehr beeinträchtigt wird, die überdies auch noch durch den Rauch, worin die Bücklinge, Flickheringe, Spickflundern und Spickaale bereitet werden, keine angenehme Zugabe erhält..."