Dienstag, 7. Februar 2017

Sassnitzer Heilkreide (2)

Abbildung zur Sassnitzer Heilkreide für den deutschlandweiten Versand
Von Kathrin Stein

Viele würden uns beneiden, wenn sie denn über annähernde Bedingungen verfügen würden: Ein natürlicher Rohstoff mit günstiger Heilwirkung, eine direkte Lage am Meer und eine Vorgeschichte als einziges Kreideheilbad der Welt. Dazu ein Exportschlager die Sassnitzer
Kreideheil- oder auch Kreideschlammbäder. Ein Schatz den uns die Insel Rügen geschenkt hat. Gute Gründe um an einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte zu arbeiten. 

Die Sassnitzer Heilkreide und ihre Zusammensetzung
Doch bevor damals die praktischen Versuche zur Anwendung der Sassnitzer Kreideheilbäder begonnen haben, wurde am chemischen Institut der Universität Breslau in Schlesien eine Analyse der Bestandteile der Sassnitzer Heilkreide von Peyer vorgenommen:

CaCo3                     =  98,55 %
SiO2                        =   0,68 %
FeO + Al 2 O 3       =   0,67%
H2O                        =   0,10 %

Daneben wurde das thermische Verhalten unserer Heilkreide untersucht. Im Gegensatz zum Fangoschlammbad gab das Kreideheilbad bei 45 bis 35 Grad seine Wärme langsamer an eine niedrigere Außenthemperatur ab. Dabei hält es die Wärme bei der zuvor beschriebenen Temperatur bis zu 15 Minuten länger.

Bezüglich der Anwendung von Kreideheilbädern ergeben sich weitere Vorzüge: seine Geruchlosigkeit und seine Hygiene. 1937 wurden in einer weiteren Untersuchung durch Dr. Benade von der Preußisch Geologischen Landesanstalt weitere Vorteile herausgestellt: Die unerschöpfliche Menge des Naturstoffes und seine Unabhängigkeit in Bezug auf den Import.

So ist es keineswegs verwunderlich, dass bereits ab 1934 mit den praktischen Anwendungen der Kreideheilbäder auf Rügen begonnen wurde. Zunächst in Bergen, später auch im Kreideheilbad Sassnitz. Übrigens konnten bereits damals die besten Ergebnisse bei wässrigen Kreideaufschwemmungen von 1 bis 2% erreicht werden. Stärkere Konzentrationen waren in ihren Reaktionen der Zielstellung abträglich.

Damals befand man 15 bis 20 Minuten als optimale Einwirkungszeit für die Haut. Bei Herderkrankungen, wie Kniegelenkentzündungen, bevorzugte man schon früher Packungen. Dabei wurde der Schlamm auf 50 Grad erhitzt und dann direkt auf die Haut als 3 bis 4 cm dicke Schicht aufgetragen. Anschließend dichtete wasserdichter Stoff oder  Gummi die Kreideschlammoberfläche luftdicht ab. Kreideheilbäder wurden sogar gebrauchsfertig (siehe Darstellung) für Hausbadkuren vertrieben. Beworben wurde dabei die Anwendung bei Ischias, Rheuma, Gicht oder die bereits besagte Gelekentzündung. Die Generalvertretung zum Vertrieb war in der Drakestraße 31, Berlin.  

(Fortsetzung folgt)

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Weiterführende Links zu "Sassnitzer Heilkreide":
1) Friedrich v. Hagenow und die Sassnitzer Kreide 2) Die Sassnitzer Heilkreide und ihre Zusammensetzung 3) Anwendungsmöglichkeiten der Sassnitzer Heilkreide 4) Aus alten Prospekten / 5. Der Plan zur Errichtung eines Kreideheilbades in Sassnitz 6.) Die Kreideheilbad-Gesellschaft

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