Dienstag, 21. Februar 2017

Sassnitzer Heilkreide (4)


Anwendung im Kreideheilbad Sassnitz auf der Insel Rügen
Von Kathrin Stein

Viele würden uns beneiden, wenn sie denn über annähernde Bedingungen verfügen würden: Ein natürlicher Rohstoff mit günstiger Heilwirkung, eine direkte Lage am Meer und eine Vorgeschichte als einziges Kreideheilbad der Welt. Dazu ein Exportschlager die Sassnitzer
Kreideheil- oder auch Kreideschlammbäder. Ein Schatz den uns die Insel Rügen geschenkt hat. Gute Gründe um an einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte zu arbeiten. 

Aus alten Prospekten

Ein Blick in alte Prospekten von Sassnitz lohnt: Denn auch hier wird vor allem der soziale Faktor in den Vordergrund gerückt. Bedingt dadurch, dass Kreide als billiges Mineral die Grundlage für die in Sassnitz angebotenen Kuren bildet, war es jedem - unabhängig vom Einkommen - möglich, eine solche Kur in Anspruch zu nehmen.

Der Kurbetrieb gewichtete sich auch als bedeutender Wirtschaftsfaktor und Einnahmequelle für die Gemeindekasse: Schließlich wurden die Pauschalkuren damals mit einer Dauer von 3, 4 oder sogar 5 Wochen angeboten. Der Nebeneffekt? Hotels und Pensionen erhielten längere und vor allem saisonunabhängige Auslastungen. Außerdem floß auch eine Kurtaxe - vor Kurantritt - in die Gemeindekasse.

Die Preise für Kreidebäder und -packungen staffelten sich nach den Mengen. So kostete ein Kreideheilbad damals beispielsweise 3,50 Mark, während 10 Anwendungen nur noch 27,50 Mark kosteten.

Ähnlich verhielt es sich mit den Pauschalkuren. Diese wurden in der Hauptsaison - vom 1. Juni bis 31. August - in 4 verschiedenen Gruppen angeboten. Die Aufenthaltsdauer lag damals zwischen 21 Tagen für 155,- RM (RM = Reichsmark - Anm. d. Red.) und 36 Tagen für 240,. RM.

In diesen Preisen inbegriffen waren Kurtaxe, Heilbäder, Unterkunft (bei freier Auswahl des Gästehauses), Verpflegung (Vollpension) und das Arzthonorar. Mit letzterem wurde eine Erstuntersuchung, die Kurverordnung und ein wöchentlicher Besuch abgegolten.

Um die Abläufe unkompliziert zu gestalten, erhielt der Kurgast nach Überweisung der Kosten einer Pauschalkur die Bestätigung des Geldeingangs. Mit dem Kurantritt in Sassnitz wurde ihm gegen Vorlage dann ein Gutscheinheft ausgehändigt. So ließen sich so alle darin aufgeführten Leistungen der Kur im Sassnitzer Heilkreidebad  einfach bei Unterkunft, Kuranwendung oder Arzt einzulösen. 

(Fortsetzung folgt)

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Weiterführende Links zu "Sassnitzer Heilkreide":
1) Friedrich v. Hagenow und die Sassnitzer Kreide 2) Die Sassnitzer Heilkreide und ihre Zusammensetzung 3) Anwendungsmöglichkeiten der Sassnitzer Heilkreide 4) Aus alten Prospekten / 5. Der Plan zur Errichtung eines Kreideheilbades in Sassnitz 6.) Die Kreideheilbad-Gesellschaft

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