Samstag, 4. Februar 2017

Von Wölfen auf Rügen

Seit langem wieder in der Stubnitz: Der Wolf - im Heimattiergarten Sassnitz
Sassnitz. (SAS) Bereits im 16. Jahrhundert galten Wölfe auf Rügen als "ein seltsam Ding". Dann jedoch - im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) - gab es sie auch auf der Insel wieder in größeren Rudeln - bis zum Ende des so angebrochenen Jahrhunderts. Die letzte Wolfsjagd datiert jedoch - wenn man alten Überlieferungen glauben mag - auf das Jahr 1695. Dabei nahmen die Waldungen der Stubnitz (auch "Stubbnitz") eine ganz besondere Rolle ein. Denn hier konnte man ihnen überall begegnen, so dass ein Passieren der Stubnitz nur unter Lebensgefahr möglich war. Von ihrem neuen Rückzugsort aus starteten die Wölfe damals ihre Raubzüge in die benachbarten Dörfer. Dabei rissen sie nicht nur Kleinvieh, wie Schafe und Ziegen, sondern sogar Großvieh - wie Pferde.
 
Allerdings wurden Treibjagden, um sich entsprechend zur Wehr zu setzen, vermieden. Stattdessen versuchte man den Wölfen auf einfachstem Wege beizukommen. So suchte man sie in Gruben zu fangen und unschädlich zu machen. Dazu dienten Lockmittel - wie Hühner - als Köder für den Wolf. War er den Auslegern in die ausweglose Falle gegangen, wurde er mit Steinen und Knüppeln dann zur Strecke gebracht. Aus dieser Zeit stammen auch Bezeichnungen wie die "Wolfsgrube" für eine Vertiefung bei Sassnitz.
 
In Hinterpommern konnten sich die Wölfe übrigens wesentlich länger halten. Alte Berichte sprechen sogar noch zum Anfang des 19. Jahrhunderts von einer Wolfsplage. Um dies zu verdeutlichen sei die Zahl von 198 erlegten Wölfen im Jahre 1800 genannt. 1816 / 17 sollen es noch 153 zur Strecke gebrachte Wölfe gewesen sein. Auch für das Jahr 1871 sind noch getötete Wölfe vermerkt. Um der Situation her zu werden, wurde auch noch im 19. Jahrhundert die sogenannte "Wolfssteuer" erhoben. Diese wurde eingesetzt, um "Wolfsprämien" auszusetzen. Denn wer einen Wolf unschädlich machte, erhielt aus dem Steueraufkommen eine Belohnung.
 
Heute ist der Wolf vielen nur noch durch Rotkäppchen bekannt...
Die letzten Wölfe sollen dann in einem strengen Winter über das Eis der Tromper Wiek noch einmal in die Stubnitz eingefallen sein, dann aber kannte man Wölfe nur noch aus Grimms Märchen. Erst mit dem Aufbau des Heimattiergartens in Sassnitz kamen später auch wieder Wölfe in die Stubnitz. Nun aber neben anderen Wildtieren und in einem Gehege - ungefährlich für den Menschen. Für den Erhalt und die Erweiterung des Geheges machte sich Landwirtschaftsminister Till Backhaus mehrfach stark.
 
Die Erinnerung an die Wölfe blieb aber auch noch lange Zeit nach ihrer Ausrottung im pommerschen Brauchtum verankert. So wurde der sogenannte "Wolf" tausendfach zum Osterfest ("Osterwolf"), aber auch zu Neujahr abgebacken. Das Gebäck aus Semmelteig war vor allem auf Rügen - insbesondere Jasmund, Mönchgut und Muttland - sowie an der pommerschen Küste - von Stralsund über Grimmen und Greifswald bis Wolgast - verbreitet. Äußerlich war er mit etwas Fantasie durchaus dem Wolf vergleichbar - allen Viere von sich gestreckt und oft auch mit einem angedeuteten Maul.
 
Darstellung des "Wolfes" - ein pommersches Traditionsgebäck