Donnerstag, 16. März 2017

Was haben Sanierungsgebiete mit Denkmalschutz zu tun?

Bürgermeister Frank Kracht und Bauamtsleiterin Claudia Klemens 
Sassnitz. (SAS) Knapp 40 Bürger fanden heute um 16.30 Uhr den Weg in das Rathaus. Anlass: Die Bürgerinitiative "Ein Herz für die Altstadt" regt den Status eines Flächendenkmals für die Altstadt von Sassnitz an. Darüber wollte die Stadt mit den interessierten Bürgern diskutieren. Einen Schönheitsfehler musste Bürgermeister Frank Kracht jedoch bereits zur Begrüßung einräumen. Herr Dr. Sommer-Scheffler von der Unteren Denkmalschutzbehörde konnte als eingeladener Gast nicht teilnehmen.
 
Hat ein Flächendenkmal Vorteile?
Schade für die interessierten Bürger, denn die Frage, welche Vorteile ein Flächendenkmal gegenüber dem jetzigen Status des Sanierungsgebietes mit seinen Rahmenrichtlinien hat, konnte nicht klar herausgearbeitet werden. Um aus der Not eine Tugend zu machen, schlug Bürgermeister Frank Kracht zunächst vor, dass sich die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen noch einmal vorstellt.
 
Warum kam es zur Gründung der Bürgerinitiative?
So wurde zunächst beschrieben, wie es zur Gründung der Bürgerinitiative kam. Dabei kam dem Bauvorhaben der Abacus-Gruppe in der Altstadt die Rolle zu, dass sich die Bürger der Altstadt zum Handeln gefordert sahen. Ihr Ziel sollte dabei der Schutz der Altstadt gegen Neubebauungen sein, die den Charakter des historischen Gewachsenen gefährden könnten. Deshalb legte man von Seiten der Bürger ein Augenmerk auf die Festschreibung fester Rahmenbedingungen zum Schutz, wie Herr Piecha, einer der Mitglieder der Bürgerinitiative, betonte.  
 
Wie ist der gegenwärtige Stand?
Anschließend gab Frau Claudia Klemens, die Bauamtsleiterin von Sassnitz, Auskunft zum gegenwärtigen Stand der Dinge. Sie betonte, dass das Städtebausanierungsgebiet mit seiner Satzung die Unterstützung bei der Sanierung des Bestandes ermögliche. Allerding stehe das Städtebausanierungsgebiet bereits vor dem Abschluss der Gesamtsanierung,  Dennoch liegen - bedingt durch den bisherigen Status noch alle Entscheidungen zur Umsetzung von Baumaßnahmen bei der Stadt sowie bei der Baubehörde des Landkreises. Auch eine Sicherheit gegen "Wildwuchs" sieht sie als gegeben, da die Erhaltungs- und Gestaltungssatzung - unabhängig von der Dauer des Bestandes eines Städtebausanierungsgebietes - als Rahmenvorgabe fortbestehen können.
 
Ist ein Flächendenkmal oder ein B-Plan - aus Sicht der Stadt - sinnvoll?
Das bereits angesprochene und von der Bürgerinitiative angestrebte Flächendenkmal würde dabei nicht nur eine Wirkung für Neubebauungen sondern auch Einfluss auf Arbeiten an den Bestandsbauten haben. Ob dies als Instrument sinnvoll ist, sei dabei gut abzuwägen. Ein B-Plan, wie er auch bereits ins Gespräch eingebracht wurde, diene lediglich als Bauleitplanung und gelte zudem für Neubauten. Auch dieses Instrument ist aus Sicht von Frau Claudia Klemens nicht zielführend, da sie eine Regelung im Sanierungsgebiet bereits durch die Gestaltungs- und die Erhaltungssatzung gegeben sieht.

Gibt es also Handlungsbedarf?
Bürgermeister Frank Kracht fragte danach, ob auch die Höhe der Kosten bekannt wäre. Ja, entgegnete man aus dem Publikum, allerdings wäre der Antragsteller ja die Stadt Sassnitz. Und so brachte der Bürgermeister die Antwort zu den Kosten von 15.000 EUR gleich selbst ins Gespräch. Allerdings, so viel durfte angenommen werden, gab es bereits einen Schriftwechsel zwischen Herrn Dr. Sommer-Scheffler und dem Landesamt für Denkmalschutz, welches das Ensemble der Altstadt von Sassnitz für schützenswert hält.
 
Gewachsenes Misstrauen?
Auf der Seite der Bürgerinitiative durfte dieses vermutet werden. Schließlich berichtete ein Mitglied der Initiative, dass nach einer Vor-Ort-Begehung die Erkenntnis wuchs, dass trotz der vorgenannten Satzungen und Bestimmungen, die bestehen, nicht alles in diesem Sinne umgesetzt wurde. Ein Grund weswegen nun auch ein Flächendenkmal als Instrument favorisiert wurde, um Alt-Sassnitz auch als Lebensraum und Gesamtensemble zu erhalten. Dem schloss sich auch Herr Grunau, selbst Mitglied der Bürgerinitiative und des Bauauschusses an. Neue Dinge, so Herr Grunau, sollten sich dem Bestehenden unterordnen. Allerdings, räumte er ein, dass es auch Fehlentscheidungen gab, die - und das machte sicher auch im Publikum nachdenklich - im Gremium des Ausschusses einstimmig fielen. Vielleicht, so Herr Piecha, ließe sich dies durch eine Flankierung mittels Denkmalschutz vermeiden?
 
Wie geht es in Zukunft weiter?
Herr Kracht erklärte, dass die Entwicklung der Stadt klar und streng definiert ist. Sassnitz ist - so Kracht - dabei gut aufgestellt, allerdings wären zusätzliche Instrumente notwendig.
 
Fazit:
Wie diese zusätzlichen Instrumente aussehen können? Ob ein Flächendenkmal dafür vielleicht doch ein Mittel sein könnte? Welche Sicherheit dadurch gegen "Wildwuchs" gegeben ist? - All diese Fragen hätten heute einer starker Argumentation bedurft, die ein Herr Dr. Sommer-Scheffler sicher hätte geben können. Einem Irrglauben sollte man jedoch in Sassnitz nicht aufsitzen, dass Städtebausanierung immer etwas mit Denkmalschutz zu tun haben muss. Denn für unhistorische Sanierungen in Sanierungsgebieten lassen sich genügend Beispiele in Sassnitz und auf der Insel finden.

Weiterführende Links zu "Einwohnerversammlungen in Sassnitz":