Freitag, 7. April 2017

Filmszene: Rottenknechte


Seit über hundert Jahren werden auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund Filme gedreht. Wir stellen heute eine politisch viel diskutierte deutsche Fernseh-Serie vor.
 
Filmszene aus dem 5-teiligen Serie "Rottenknechte" (Foto: Johann Wioland / DEFA / DFF)
Dranske. (SAS) Das die Serie „Rottenknechte“ vor Rügen gedreht wurde, erfuhren wir erstmals in einem Interview mit dem DEFA-Schauspieler Jaecky Schwarz. Gemeinsam mit anderen bekannten Darstellern – wie Klaus-Peter Thiele, Dieter Mann oder Dietmar Richter-Reinick wirkte er in dem Mehrteiler unter der Regie von Frank Beyer mit. Viel diskutiert wurde das darin behandelte Thema bereits vor der Erstausstrahlung am 8. Januar 1971 - und das in Ost und West. Denn es ging um die Erschießung von Matrosen noch am Tage der Kapitulation im Mai 1945 und deren juristische Aufarbeitung. So titelte beispielsweise der „Stern“ mit der Überschrift „Totgeschossen – totgeschwiegen“ (Nr. 47 / 1967) und eine ganze Serie dazu wurde von der Tageszeitung „Jungen Welt“ (Nr. 52 ff. 1967) veröffentlicht.
Die sich nun über 5 Teile erstreckende Serie hat bis heute nicht an ihrer Attraktivität durch die Form der Aufbereitung verloren. Denn Regisseur Frank Beyer lässt Dokumentationsmaterial und Spielszenen in schwarz-weiß miteinander verschmelzen, was für eine hohe Glaubwürdigkeit beim Zuschauer sorgt. Der Erzählstrang ist – beginnend im Mai 1945 - die chronologische Verknüpfung der Ereignisse und der handelnden Personen. Diese – Matrosen und Offiziere – werden über das Kriegsende hinaus verfolgt.     
Irritierend ist sicher heute der Begriff „Rottenknechte. Doch Beyer erklärte dies so: „Das merkwürdige Wort »Rottenknechte« war ein Fachbegriff aus der deutschen Kriegsmarine. Zwei Schnellboote bildeten eine Rotte, der Kommandant des ersten Bootes war der Rottenführer, der des zweiten der Rottenknecht.“
Mit umgebauten Booten der Volksmarine unterwegs (Foto: Johann Wioland / DEFA / DFF)
Um eine möglichst authentische Darstellung der deutschen Kriegsmarine zu erzielen, bediente man sich übrigens der 6. Flottille, die auf dem Bug – der lange nicht begehbaren Halbinsel Rügens - stationiert war. So kam es, dass extra für die Serie die Schnellboote umgebaut werden mussten. Diese wurden dann auch von einem Offizier der Volksmarine als Kommandant des Bootes geführt. Mit dem 5-teiligen Filmdrama von 330 Minuten – das übrigens auch auf DVD veröffentlicht wurde und im freien Handel erhältlich ist – kehrte Frank Beyer nach dem Verbot des Filmes „Spur der Steine“ zum Medium Film zurück. Die digitalisierte Fassung der „Rottennechte“ soll noch in diesem Jahr im Rahmen der Reihe „Treffpunkt Sassnitz“ präsentiert werden.