Mittwoch, 26. April 2017

Hermann Andreas Pistorius: Ich bin ein Rüganer!

Hermann Andreas Pistorius - Zweifellos: ein kluger Mann!
Bergen. (SAS) Zu Lebzeiten galt er als „gelehrtester Mann“ der Insel: Hermann Andreas Pistorius. Obgleich er seinen Vater sehr früh verlor, hatte er das Glück, dass sein Stiefvater – der Superintendent Gebhardi – sich sehr um die Förderung des jungen Pistorius bemühte.
Nachdem er mehrere Jahre das Gymnasium besucht hatte, setzte er seine Bildung im Braunschweiger Carolinum fort. Seine akademische Laufbahn begann er jedoch in der pommerschen Universitätsstadt Greifswald und beendete sie in Göttingen.
Bereits in der sich anschließenden Zeit als Privatgelehrter – in Hamburg und Altona – beschäftigte er sich mit der Übersetzung von Werken des schottischen Philosophen und Ökonomen Davis Humes, welche 1754 gedruckt wurden. Sein Weg führte ihn anschließend wieder zurück in seine Geburtsstadt Bergen auf Rügen. 1757 trat er dann eine Stelle als Prediger in Schaprode an. Dann ging er als Präpositus und Pastor nach Poseritz.
1764 besuchte er seinen Schwager Spalding in Berlin und wurde in der Folge auch für die allgemeine deutsche Bibliothek tätig. Dies kam auch seinem Interesse an philosophischen Studien entgegen. Allerdings galt er zu seiner Zeit bereits als Skeptiker. Seine Unabhängigkeit wahrend, ließ er sich keinem philosophischen Lager zuordnen. Und obgleich er beispielsweise den Tiefsinn des Königsberger Philosophen Immanuel Kant schätzte, so galt er doch als einer seiner scharfsinnigsten Kritiker, der allerdings gründlich in der Sache argumentierte und aufrichtig im Urteil war. Kant selbst zollte ihm dafür nicht nur Anerkennung. Wie aus neueren Untersuchungen hervorgeht, ging er sogar teilweise auf die von Pistorius geäußerte Kritik ein und suchte die von Pistorius aufgezeigten Widersprüche zu beheben.
Beachtung verdient daneben auch die deutsche Übersetzung von Hartleys „Betrachtungen über den Menschen“. Diese reicherte Pistorius um Anmerkungen und Zusätze so an, dass sie wiederum selbst für englische Gelehrte als übernehmenswert galten. So erschien eine englische Neuauflage mit einem entsprechenden Supplementband.
Er pflegte neben seinen vielen Tätigkeiten zahlreiche Kontakte – u.a. zu Ernst Moritz Arndt. Auch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass er 1790 Doktor der Theologie (Universität Greifswald) wurde. 1798 starb er an einer Lungenentzündung in seiner Heimatstadt Bergen.