Sonntag, 16. April 2017

Osterbräuche auf Rügen & dem pommerschen Festland

Historisches Ostermotiv einer Postkarte
Sassnitz. (SAS) Oster ist jedes Mal anders. Das hat verschiedene Ursachen. Zum Beispiel das Wetter! Deshalb wollen wir diesen Beitrag auch mit einer Wettermeldung beginnen - besser von einer alten Bauernregel zu Ostern berichten...

„Weihnachten im Schnee — Ostern im Klee
  Weihnachten im Klee — Ostern im Schnee"
 ...Sie fand einmal mehr zu diesem Osterfest Zitierfähigkeit, da ein nasskalter Graupelschauer uns einen eher unwirtlichen Ostersonntag beschert(e). Jedenfalls ist dies keine gute Lage für eine
"Osterwaterkur" (Osterwasserkur)

 Denn: Auch bei uns glaubte man seit langer Zeit an die reinigende  und gesundheitserhaltene Kraft des Osterwassers. Als Quelle diente alles was an fließenden Wässern zu finden war. Zur Anwendung schrieb einst Fritz Dittmer:

"Jung Deerns mi enen unreinen "Teint" möten sik mit Osterwater waschen, un se warden glatt un schier as de Engel. Glatzköpp möten sik den Kop mit Osterwater waschen, un de Haar scheeten wedder in de Saat! Ok in Hartensangelegenheiten sall dat Osterwater goot ween. Wenn een jung Deern eeren Levsten Osterwater to drinken gifft, denn is meist noch vör Pfingsten Hochtied..."

Damit würden Osterwasser also gleich mehren bekannten Produkten Konkurrenz machen: Schlechte Zeiten für Clerasil (zur Bekämpfung von unreinem "Teint"), Alpecin (für den Haarwuchs) und Parship (Die Partner-Vermittler). Dazu ist das Osterwasser noch kostenfrei. Einziger Preis: Das frühe Aufstehen! Und das war auch durch die "bösen Buben" notwendig, die nie so recht an das alte Versprechen glauben wollten. Denn wenn jemand wortlos (das war die Bedingung, um die Kraft des Osterwassers zu erhalten) sein Osterwasser holte, lauerten sie ihm auf und grüßten ihn beispielsweise mit einem plötzlichen "Guten Morgen!" Der Angesprochene war in der Regel so irritiert, dass er zurück grüßte. Mit schlimmer Folge: Aus seinem Osterwasser war ein wertloses "Plapperwasser" geworden...

Das "Stiepen"

Nicht jedem wollte das Frühe aufstehen gelingen. Einigen aber schon. Sie machten sich auf den Weg, um nicht nur das Osterwasser zu holen, sondern auch eine "Stiep-Rute". Dieser - bereits mit Knospen besetze - Haselnuss-, Birken- oder Weidenzweig wurde also zum "Stiepen" der Langschläfer genutzt. Dazu wurde die Decke weckgezogen und mit der "Stiep-Rute" gefoppt...

 "Stiep, stiep Osterei!
  Gibst Du mir kein Osterei,
  Stiep ich Dir Dein Hemd entzwei..."

Eine der also recht praktischen Methoden, um sich die ersten Marzipaneier der Eltern zu erheischen...

Vom "Eierbicken" und "Eiertrudeln"

Diese Geschichte kennen einige vielleicht auch noch von Wandertagen: Die Jungs hauten mit Vorliebe die hartgekochten Eier gegeneinander. Wessen Ei heil blieb, der erhielt das Ei der Kontrahenten.
Abseits der pommerschen Küste kannte man auch das "Eiertrudeln" und "-kullern". An der Uecker und der Oder ließen die Kinder die hartgekochten Eier herunter trudeln. Wurde es dabei beschädigt, wurde es umgehend verspeist. Dagegen war beim Kullern wohl auch das Ziel die Eier der anderen Kinder zu treffen, um sie anzuschlagen und sie so aus dem Rennen zu werfen. Denn das getroffene Ei stand dem treffenden Kind zu.

Die "Osterwölfe"

Abschließend sei noch einmal an die Osterwölfe erinnert - jener auf Rügen und an der pommerschen Küste verbreitete Brauch des Abbackens von aus Teig vereinfacht geformter Wölfe. Diese weit über 500 Jahre alte Tradition - die auch auf Rügen fast vollständig in Vergessenheit geraten ist - sucht in Deutschland zweifellos ihresgleichen. Sicher ein Grund auch diese wieder zu entdecken.