Sonntag, 23. April 2017

Renft ist wieder da...

Putbus. (SAS) Gestern, am 22. April 2017, gab Renft ein Konzert im Theater Putbus. Gerne erinnerten wir uns - aus Anlass des Konzertes - auch an den 21. Juni 2008 zurück. Damals trat Renft im Kreiskulturhaus (KKH) Bergen auf und wir konnten mit Thomas „Monster“ Schoppe über die legendäre Band und Rügen sprechen...
 
Eine Legende kehrt nach Rügen zurück... (Foto: Renft)
Gibt es eine besondere Bindung zwischen Renft und Rügen? Immerhin habt Ihr Euer 45-jähriges Bestehen mit einem stundenlangen Konzert im Juli 2003 auf der Insel Rügen begangen?
Thomas Schoppe: 1. hatten wir schon immer ein recht herzliches Verhältnis zu den Rüganern und darüber hinaus zu den "Fischköppen", was man sicher auch als gewisse Übereinstimmung hinsichtlich innerer Werte und Geradlinigkeit deuten kann. 2. verband sich für uns Renft'ler mit Rügen immer die Vorstellung, aus einem durchorganisierten Konzertbetrieb auszubrechen, auch wenn es nur einmal jährlich war, nämlich im Urlaub. Wild und entschlossen suchten wir damals in den 70-ern in Dranske im Lager der Karl-Marx-Universität der Stadt Leipzig "Abenteuer und Ausschweifung". Da derart unerhörtes Betragen den normalen Urlaubsbetrieb erheblich störte, handelten wir uns stets die Vorladung zur Kulturleitung nach Bergen ein. Verweis und "Rügenverbot" drohten, doch die Einsicht in Wert und Moral sozialistischen Zusammenlebens obsiegten und so schnell wie der ideologische Zusammenstoß mit den Kulturfunktionären kam, war er auch wieder weg. 2003 war die Situation anders, die alte Renft-Band bestand ja nicht mehr, die ehemaligen Bandmitglieder hatten ihre eigenen Projekte und trafen sich ausschließlich nur aus Anlass des 45-jährigen Bestehens, mit viel Würdigung und Emotionalität eben gerade ihrer Fans von der Küste, war eine tolle Darbietung aller "alten" und "neuen" Renft'ler. Das war schon eine Familie.
Mit Renft verbinden sich neben Klaus Renft und Dir auch  Namen wie Heinz Prüfer, Michael Heubach, Christan „Kuno“ Kunert oder Peter „Cäsar“ Gläser... Selbst nach Eurem Verbot 1975 habt Ihr die DDR-Musikszene in Gruppen wie  Karussell, , Lift, NO 55 oder durch Zusammenarbeiten mit Veronika Fischer, Ute Freudenberg und Nina Hagen geprägt. Wie ist rückblickend Euer Selbstverständnis?
Thomas Schoppe: Sicher beeindruckte 1974 das 2. Album von "Renft", musikalisch wie auch in der Substanz kritischer Texte, das wurde von den anderen Bands und gerade von den Renft-Fans wie Nahrung aufgesogen und hatte bestimmt Vorbildcharakter. Erst später, nach dem Verbot im Sept. 1975, musste sich jeder einzelne der Renft'ler als ein vor sich selbst verantwortlicher Musikant lernen zu begreifen, sowohl für die, die im Osten blieben, als auch besonders die, die in den Westen mehr oder weniger gehen mussten. Dabei hat der eine oder andere, jedenfalls bis zum Fall der Mauer, Musik oder Texte für die ihm bekannten Künstler geliefert, sozusagen als Auftragswerk. Von einer Prägung oder Beeinflussung würde ich aber nicht sprechen, das ginge doch zu weit.
„Unbequem wollen wir sein“ hieß ein Titel aus dem DEFA-Film „Für die Liebe noch zu mager“ von 1971. Seid Ihr heute auch noch unbequem?
Thomas Schoppe: Unbequem sein wollen ist sicher eine Frage des Standpunktes, aber ab gewissem Alter und Reife auch eine Sache des Willens und dem Setzen von Prioritäten. Politisch unbequem sein, wer ist das heutzutage schon. Wir hatten damals ein politisches System, dem wir in einem langen Prozess der Kritik nicht mehr zutrauten, die Belange und Probleme, die aus ihm wuchsen, zu beheben und für die Allgemeinheit zu bessern. Ich bin mir sicher, dass es heute genug Menschen gibt, die unbequem s i n d, es bedarf nur des Schulterschlusses aller, die Willens sind, dieses Land und seine derzeitigen Strukturen zu ändern.
Wie soll es nach Eurem Konzert auf Rügen weiter gehen?
Thomas Schoppe: In der jetzigen Besetzung mit unserem Gitarristen "Pitti" Piatkowski setzen wir auf die uns allen vertrauten, alten Renft-Songs. Dabei werden wir noch im Laufe des Jahres mit einigen alten, bisher kaum gespielten Songs unser derzeitiges Repertoire erweitern. Interessant für uns jedoch ist, das wir nicht sagen w a s wir spielen, sondern w i e wir spielen. Die Improvisation wertet die Lieder auf, macht sie wieder frisch und der Zufall ist ein guter Wegbegleiter. Ende des Jahres planen wir eine große Tour anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Renft.
Wir wünschen Euch viel Erfolg. Kommt bald wieder.
 
Rückblick in ein anderes Land... (Foto: Renft)
„RENFT“ ist eine deutsche Rockband, die in der DDR einen Kultstatus genoss. 1958 als „Klaus Renft Combo“ von Klaus Jentzsch in Leipzig gegründet, kam sie frühzeitig durch ihre politischen, teils kritischen Texte mit den DDR-Kulturbehörden in Konflikt. Folge waren mehrfach Auftrittsverbote. 1975 führten sie - nachdem die Band mit der „Rockballade vom kleinen Otto“ eine missglückte Republikflucht thematisierte - zur faktischen Auflösung von Renft. Ein Teil der Gruppe verließ freiwillig die DDR oder wurde ausgebürgert, der andere Teil blieb. Nach dem Mauerfall kam es auch zur Wiedervereinigung von Renft