Dienstag, 18. April 2017

Vergessen? 1907 starb Fürst Wilhelm zu Putbus

Nach Foto von Josef van Aaken, vorm. G. Linde, Putbus
Pegli. (SAS) Wer die Straße SS1, die "Via Aurelia" von Genua nach Nizza befährt, erreicht schon nach etwa 16 Kilometern den antiken Hafenort Pegli, der sich an der Küste des Mittelmeeres erstreckt. Noch heute künden die mit vornehme Villen bebauten Hänge von dem einst gern besuchten Ferienort. Er wurde vor allem wegen seines milden Klimas geschätzt. Auch vom Fürsten Wilhelm zu Putbus, dem Enkel des Ortsgründers der gleichnamigen Residenz auf der Insel Rügen. 
 
Als er vor 100 Jahren - am 18. April 1907 - hier verstarb, schloss sich sein Lebenskreis wiederum in Italien. Denn er wurde am 16. April 1833 in Neapel geboren. Er war der zweite Sohn des Grafen Friedrich von Wylich und Lottum, Wirklichen Geheimen Rats und Majoratsherrn auf Deutsch-Lissa, der hier als preußischer Gesandter tätig war und wurde von Klothilde, Gräfin und Herrin zu Putbus geboren.
 
Die französische Sprache erlernte er auf dem Gymnasium im Schweizer Neuenburg (Neuchâtel) und besuchte anschließend - von 1846 bis 1853 - das Königliche Friedrichs-Gymnasium in Breslau (Schlesien). Nach dem zu Ostern 1854 bestandenen Examen in Neu-Ruppin, schrieb er sich zwar zunächst zum Studium der Rechte an Universität von Berlin ein, jedoch gab er dann einer militärischen Laufbahn im Winter 1854 den Vorzug. So kam er zunächst zum 10. Husaren-Regiment und wurde im Juni 1855 zum 12. Husaren-Regiment versetzt.


Da sein Vater bereits 1847 verstorben war, hatte ihn sein Großvater, Fürst Malte zu Putbus, nach Ableben der Nutznießerin Luise zu Putbus zum Nachfolger des Familienfideikomiss (lateinisch fidei commissum, „zu treuen Händen belassen“) bestimmt. 1857 heiratete er seine Cousine, Freia Wanda
von Veltheim-Bartensleben. Ein Jahr vor dem Tod von Fürstin Luise schied Wilhelm, zu dieser Zeit noch Graf von Lottum, aus dem aktiven Militärdienst aus. Dann - 1860 - nach dem Ableben seiner Großmutter ging das Fideikommiss - gem. Bestimmung des Großvaters - auf ihn über und er nahm den Titel eines Fürsten und Herrn zu Putbus an. Der preußische König verlieh ihm zudem den Titel Durchlaucht und die Würde eines Erbmarschalls von Rügen und der Lande Barth. Damit Verband sich der Vorsitz im Neuvorpommerschen Kommunal-Landtag. Später - 1863 - sollte er auch in das preußische Herrenhaus eintreten und 1969 sogar deren Vize-Präsident (bis 1873) werden. Zum 50jährigen Jubiläum der Zugehörigkeit von Neuvorpommern und Rügen zu Preußen wurde ihm auch der Charakter eines Majors verliehen.
 
Dann folgten einige Schicksalsschläge: 1865 brannte das Schloss zu Putbus mit einer Vielzahl an Kunstschätzen nieder und 1867 starb die Gattin des Fürsten Wilhelm zu Putbus. Die junge Frau, die noch keine 30 Jahre war, hatte Wilhelm zu Putbus 5 kleine Töchter geboren, deren Erziehung er sich nun widmete.

Parallel dazu nahm er an den Kriegen 1866 - im Hauptquartier der Elbarmee als Delegierter des Johanniterordens - und 1870/71 - als Vertreter des Militär-Inspekteurs der freiwilligen Krankenpflege - teil. Als solcher erlebte er zahlreiche Schlachten und wurde zum Stab des Kommandos von Paris kommandiert. Als einziger deutscher Offizier betrat er zu diesem Zeitpunkt im dienstlichen Auftrag das Innere von Paris. Zeitlebens wurde er in seinem Rang mehrfach befördert - letztlich am 17. Januar 1889 zum Generalleutnant. Zudem wurde ihm am 18. Oktober 1904 die Verleihung des Charakters eines Generals der Kavallerie durch Kaiser Wilhelm II. zu teil.

Wie berichtet wird, war Fürst Wilhelm zu Putbus kunst- und natursinniger Mensch, dem die Verschönerung Rügens genauso am Herzen lag, wie der Anschluss an den Fortschritt. Diesen verkörperte damals die Dampfmaschine. Mit ihr wurden Züge bewegt und so setzte sich Wilhelm zu Putbus - auch als Hauptaktionär - für die Erschließung des Inselsüdens durch die Kleinbahn ein.
Beispielhaft für sein Wirken auf Rügen sei die Förderung der Entwicklung von Binz zum Seebad und damit die Einleitung der 2. Phase der Pommerschen Bäderarchitektur erwähnt. So ließ er u.a. die Strand-Allee (heute "Putbuser Straße") - als Verbindung zwischen dem ursprünglichen Dorf und dem Strand - anlegen, pflastern und mit Bäumen bepflanzen. Die Grundstücke an der Allee wurden parzelliert und an neue Eigentümer zum Zwecke der Errichtung von Pensionen veräußert. Auch als die "Aktiengesellschaft Ostseebad Binz" 1891 in den Konkurs ging griff Fürst Wilhelm zu Putbus wieder fördernd ein und begünstigte den weiteren Ausbau des Seebades. Grund genug sich auch heute noch - 100 Jahre nach seinem Ableben - sich an Fürst Wilhelm zu Putbus zu erinnern.