Sonntag, 30. April 2017

Was kostet uns die "Energiewende" vor Rügen?

Die Anbindung an das Stromnetz vom Adlergrund aus
Sassnitz. (SAS) Mit 18,4 Cent für jede Kilowattstunde wird derzeit der Strom gefördert, der durch Windräder auf der Nord- und Ostsee entsteht. Die Abkehr von traditionellen Energiequellen, kurz "Energiewende", wird direkt durch jeden Stromverbraucher bezahlt. Mit jeder Kilowattstunde die im
privaten Haushalt verbraucht werden, gehen auch etwa 7 Cent - rund einem Viertel des zu zahlenden Strompreises - als Umlage direkt an die Erzeuger der erneuerbaren Energien. Festgelegt wurde dies im Erneuerbaren-Energien-Gesetz - kurz "EEG". Es garantiert sowohl die bevorzugte Einspeisung von Energien, die beispielsweise aus Sonne oder Wind gewonnen werden, als auch fest vereinbarte Einspeisungsvergütungen für die Erzeuger.
Transportbereit zum Adlergrund
Die Windparks vor Rügen
Auch vor der Insel Rügen hat dies zu Plänen geführt, die auf die Erzeugung erneuerbarer Energien durch Windkraft auf dem Wasser - kurz "offshore" - setzen. Begonnen hatte alles mit dem Windpark "Baltic 2", der 2015 an das Netz ging. Damals investierte Deutschlands zweitgrößtes Energieunternehmen EnBW nach eigenen Angaben 1,4 Milliarden Euro, um etwa 30 Kilometer vor Rügen 138 Meter hohe Windmühlen zu errichten, die an die 340.000 Haushalte mit Windstrom versorgen sollen. Im Februar 2017 konnte nun auch Iberdrola, die Aufstellung des ersten von 70 Windrädern vermelden. Sie investieren nach eigenen Angaben ebenfalls 1,4 Milliarden in den Aufbau des Windparks "Winkinger". Die Vormontage für den Windpark findet derzeit im Hafen von Sassnitz-Mukran statt. Anschließend erfolgt der Transport von je drei Anlagen mit dem Installationsschiff zum Windpark im Adlergrund. Für die Installation vor Ort wird ein Zeitbedarf von etwa einer Woche angesetzt, dann sollen sich die Rotorblätter, die bereits einen Durchmesser von 135 Metern haben, im Wind drehen können. Die Gesamtleistung des Windpark wird mit einer Gesamtleistung von 135 Megawatt Energie angegeben. Genug, um weitere 350.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Der Bau eines  dritten Windparks wurde im Frühjahr 2016 durch Eon und die norwegische Statoil AS spätestens für 2017 angekündigt.
 
Die Rotorblätter sind etwa 20 Meter größer als der Königsstuhl
NABU sieht den Naturraum Ostsee gefährdet
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gehört heute zu einer der Umweltverbände, die den Ausbau der Windenergie auf der Ostsee stoppen wollen. Im April 2017 veröffentlichte der Verband sogar ein Positionspapier, welches für die Zukunft eine stärkere Umweltverträglichkeit von Planungen zur Erzeugung von Windenergie fordert. So sei der Naturraum Ostsee gefährdet. Beispielhaft wird nicht nur der Vogelzug zwischen Schonen und der Insel Rügen genannt. Auch die Geräuschbelastung für Meerestiere wird kritisch bewertet. Deshalb wird durch den NABU die Windenergieerzeugung auf dem Land favorisiert.
 
Bundestagsabgeordneter kritisiert NABU
Der Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell (Bündnis 90 / Grüne) kritisiert die Überlegungen des NABU. Aus seiner Sicht hätte Windenergie keine negative Auswirkung auf die Natur. Windenergie sei, im Gegensatz zu anderen Formen der Energieerzeugung nicht nicht für die Zerstörung von Naturräumen verantwortlich. Auch sehe er keine Gefährdung für die angesprochenen Populationen des roten Milan oder Seeadlers, die angesprochen wurden.
50 Arbeitskräfte werden einmal für jeden Windpark zum Betrieb notwendig sein
Auswirkungen auf die Insel
Nach der Faustformel, dass jeder Windpark etwa 50 Arbeitsplätze auf der Insel schaffen würde, können mit den drei Windparks etwa 150 Arbeitsplätze entstehen. Sie sind am ende genauso sichtbar wie die Auswirkungen für den Naturraum der pommerschen Küste. Davon konnte man sich bereits am "Tag der erneuerbaren Energien" ein Bild machen. Auch wenn die Ausfahrt auf Abstand zu den Windmühlen blieb: Die Ostsee vor Rügen wird zunehmend verspargelt. Auch die Rüganer zahlen dafür einen stetig steigenden Strompreis von etwa 30 Cent pro Kilowattstunde - Tendenz stetig steigend. Vielleicht liegt der eigentliche Preis jedoch weit höher. Die Fragen: Was kostet uns die Entfremdung der Insel durch die massiven Eingriffe in das Landschaftsbild? Wieviel Arbeitsplätze werden dadurch gefährdet? Gefährden Windparks den Naturraum Ostsee? Steht die Politik der "Energiewende" vor Rügen im Verhältnis zu den Folgewirkungen? Dafür gibt es keine Faustformeln.
 

3 Windparks sollen insgesamt war Rügen Strom für Hunderttausende Haushalte liefern.