Montag, 3. April 2017

Wo Mampes gute Stuben waren...

Einfach mal zu "Mampe" gehen... (Foto: Harro Schack Archiv) 
Binz. (SAS) Zu den markantesten Gebäuden an der Binzer Strandpromenade zählt sicher das Haus „Colmsee“. Seine Geschichte reicht weit über hundert Jahre zurück. Denn bereits 1901 stellte der Bergener Kaufmann Ludwig Keuschel den Bauantrag zur Errichtung des Hauses „Villa Keuschel“
bei der Grafschaft Putbus. Dann – im Jahre 1902 – konnte das Haus – in massiver Bauweise und mit einem Steildach - errichtet werden. Es verfügte damals über 26 Zimmer und einige Läden, in denen u.a. Süßwaren – feine Schokoladen aber auch Lebkuchen - verkauft wurden. Auch ein Berliner Friseur bot seine Dienste an. Daneben hatte auch die Familie des Kaufmanns ein neues Zuhause gefunden – mit Blick auf ´s Meer!
1920 wurde das Haus verkauft. Nun erhielt es den Namen der Käuferin – Haus „Colmsee“. Gemeinsam mit Frau Gisecke hatte diese bereits zuvor als Pächterin das „Hotel Seeschloß“ bewirtschaftet. Schon 1921 erfolgte der Umbau zum „Hotel Pension Colmsee“. Entstanden waren dadurch 15 Ferienzimmer, von den vier sogar beheizbar waren. Wer nun anreiste, wurde direkt von einem Gepäckträger vom Zug oder von der Landungsbrücke abgeholt. In der Binzer Sommerfrische erwartete den Gast Frühstück, Mittag und Abendbrot. Aber auch auf Kaffee und Kuchen musste – dank einer eigenen Konditorei – nicht verzichtet werden. Wie groß die zuweilen aufspielende Hauskapelle war, lässt sich heute nicht mehr sagen. Aber: Zu den beliebten Binzer Adressen zählte ganz sicher auch das Restaurant. Denn „Mampes gute Stuben“ hatten nicht nur in Berlin einen guten Ruf...
Bewerbung von Hotel-Pension und Mampes "Gute Stube"
Dabei leitet sich der Begriff „Mampe“ von einem – bis heute! – beliebten Kräuterlikör ab. Auch wenn die Berliner ihn gerne für sich beanspruchen, so liegt der Ursprung des Bitteren Tropfen doch im pommerschen Stargard, wo der Apotheker Carl Mampe einst nach einem wirksamen Mittel gegen die Cholera suchte. Später ist der gute Tropfen dann über Köslin nach Berlin gekommen, wo er seine große Bekanntheit erlangte. Die Erfindung „Mampes“ wurde dabei durch die Ausstattung von „Mampes guten Stuben“ zum Erfolg – auch in Binz an der Strandpromenade!
In Bezug auf den Optiker Ruhnke kursierte in diesem Zusammenhang ein dazu typisch Vierzeiler:

„Sind’s die Augen, geh’ zu Mampe,
gieß’ Dir einen auf die Lampe,
kannste allet doppelt sehn,
brauchste nich zu Ruhnke geh ´n.“
 
Heute wird „Mampes Halb und Halb“ in der Pension Colmsee nur noch zu besonderen Anlässen angeboten. Aber: Man pflegt die Tradition! So ist es auch keineswegs verwunderlich, dass die 1953 – im Rahmen der Aktion „Rose“ – gewaltsame enteignete Villa, 1999 durch die Familie Colmsee saniert und als „Pension Haus Colmsee“ wieder eröffnet wurde. Heute verfügt sie übrigens wieder über 15 Zimmer – so wie im Jahre 1920.