Dienstag, 2. Mai 2017

+++ RÜGEN RADIO AKTUELL +++

Das neue Wahrzeichen von Lohme: Der 5. Mobilfunkmast
Ein Gastbeitrag von Kurt und Susanne Monz
 
Das neue Wahrzeichen von Lohme, der zur Zeit noch fünfte Mobilfunkmast, steht weithin sichtbar neben den alten bekannten Funkmasten des Rügen-Radio. Lohme ist damit der letzte Ort in Deutschland, wo ein Mobilfunkmast mitten in die Wohnbebauung gestellt werden kann.
Klar probiert es die Telekom, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, aber deutschlandweit standen die allein zuständigen Bürgermeister für ihre Bürger ein und fanden für beide Seiten akzeptable Lösungen, nämlich einen so weit als möglich von den Häusern entfernten Standort, der dennoch den technischen Anforderungen der Telekom entsprach. Es geht darum, dass man Dinge besser machen sollte, wenn man sie schon neu macht! Auch ohne übervorsichtig in Bezug auf gesundheitliche Auswirkungen der Dauerbestrahlung zu sein, schon gar nicht in meinem Alter, so ist es ein Thema, das junge Menschen sehr wohl interessiert, denn es ist bekannt, dass Deutschland europaweit die höchsten Belastungswerte zulässt und als noch unbedenklich einstuft – Mobilfunktürme wie dieser hier dürfen zum Beispiel in der Schweiz seit Jahren nicht mehr gebaut werden! Die International Agency for Research on Cancer, welche die Weltgesundheitsorganisation berät, musste die Mobilfunkstrahlung aufgrund der Flut vorhandener Fakten widerwillig 'als mögliches Karzinogen' der Klasse 2B einstufen – immerhin dieselbe Gefahrenstufe wie das weltweit fast überall verbotene Pestizid DDT.
 
Hier wird ein Mobilfunkmast errichtet...
Man fragt sich, warum hier in Lohme so ein Risiko eingegangen wird, wo es doch genügt hätte, den am weitesten von aller bestehenden Bebauung entfernten alten Masten mit allem notwendigen technischen Equipment zu bestücken. Alle jene, welche die "alten, rostigen" Masten weghaben wollen und nicht müde wurden, uns zu versichern, der neue Mast werde "deutlich niedriger" als die bestehenden Rügen Radio Funkmasten und "wird kaum zu sehen sein" lade ich herzlich ein, sich das neue, deutlich weithin sichtbare Ergebnis anzusehen - wolltet ihr das wirklich?
 
...der sich Stück für Stück in den Himmel reckt.
Von den Telekom-Planern wird dieser neue Betonturm ja als Wahrzeichen des geplanten Kurparks gefeiert, auch das geplante „Medical Wellness“ Hotel nimmt die runde Form des Mastes auf und wird (zumindest auf den uns bisher  bekannten Entwürfen) ebenfalls rund gebaut. Die zukünftigen, gesundheitsbewussten Gäste sehen nun bei der Anreise als allerersten Eindruck von Lohme einen hässlichen Beton-Mobilfunkmast, neben dem sie dann ihre Wellness pflegen werden. Nun, Hotelgäste müssen nicht wiederkommen, nachdem sie dieses Kuriosum von einem Wellnesshotel ein Mal besichtigt haben, aber unglaublich zornig macht es mich, dass den jungen Lohmer Familien genau jene Grundstücke als Bauplatz für ihre Einfamilienhäuser angeboten werden, die in zwei Reihen direkt an diesen Mobilfunkmast anschließen, mit Blick auf den Betonturm. Hier sollen dann die Kinder, die Zukunft Lohmes, für die laut Gemeindevertretung dies alles gemacht wird, aufwachsen, unter  Dauerbestrahlung. Aber wen wundert das – auch in Glowe wurden den Einwohnern die kleinsten Randgrundstücke angeboten, die besten Plätze aber wurden den Investoren zur Vermarktung überlassen.
 
Die vier alten Masten und das neue Mobilfunkmast
Gerade habe ich wieder die Telekom-Magenta Werbung gesehen, „wir stehen für Kultur und die Menschen, wir verbinden Menschen“ – nun dies gilt vielleicht für die beauftragte Werbefirma, aber ganz sicher nicht für die Telekom-Corpus-Sireo, die als Tochter des Schweizer Weltkonzerns Swiss Life ihren Sitz in Luxemburg hat, Glowe, Lohme usw. nur von den Einheits-Rasterplanungen kennt: ein mittiger Kurpark, dicht umschlossen von Ferienhäuschen und Ferienvillen, in Lohme dazu noch ein Hotel und Appartementhäuser. Corpus Sireo, bereits vor der Übernahme durch Swiss Life 2014 der größte Asset Management Dienstleister Deutschlands, sieht hier ausschliesslich das Investitionspotential: Ferienimmobilien werden zur Zeit als absolut sichere Anlage zwecks Altersvorsorge angepriesen und auch so verkauft, mit traumhaften Auslastungszahlen (280 – 300 Tage pro Jahr!), wodurch sich die günstigen Hypotheken „wie von alleine zurückzahlen“. Wenn die neuen Eigentümer später bemerken, dass die Belegungstage auch auf Rügen absolut nicht den versprochenen Zahlen entsprechen, dann ist das nicht mehr das Problem der Telekom.
 
...weithin sichtbar für Einheimische und Gäste
Es ist eine Schande, wie hier mit der Geschichte des Rügen Radio und der Seefahrt umgegangen wird. Es ist eine Schande, dass dieses Wahrzeichen von Lohme nicht längst unter Denkmalschutz gestellt wurde! Geld ist nicht alles! Diese Masten sind ein wichtiges Industriedenkmal, aber sie stören die Pläne der Mega-Bebauung, deshalb werden sie durch einen der bekannt hässlichen Betonmasten ersetzt. Ob diese Hässlichkeit den Verkaufswert der geplanten Ferienhäuser, Golfvillen usw. die um diesen Mobilfunkmasten herum angeordnet werden sollen, tatsächlich fördert, darf bezweifelt werden. Leider ist es dann für die alten Masten zu spät, sie sind unwiderruflich verloren.

Wir danken den Autoren für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels & der Fotos.
Kurt und Susanne Monz sind Mitglieder der Bürgerinitiative "Lohme bewahren". Susanne Monz war zuvor von 1991 bis 2001 Abgeordnete des Wiener Landtages und Gemeinderätin. Als solche war sie auch Mitglied der Ausschüsse für Planung und Zukunft, Kultur und Wohnbau. In diese Zeit fallen nicht nur verschiedene Wiener Großbauvorhaben sondern auch die umfassende Novellierung der Wiener Bauordnung.
Wir sind bemüht der Meinungsvielfalt durch Gastbeiträge Ausdruck zu verleihen, machen aber darauf aufmerksam, dass diese nicht die  Sichtweise der Redaktion widerspiegeln müssen.
 
Auf Augenhöhe mit dem alten Mast...