Dienstag, 9. Mai 2017

Sagard - eine Zeitreise.

Postkarte: Manchmal lohnt es sich einen Blick zurück zu werfen
Sagard. (SAS) Dran vorbei oder einfach nur hindurch? - So oder so ähnlich würde man als Sassnitzer vielleicht das eine oder andere Mal seine Beziehung zu Sagard beschreiben wollen. Eigentlich schade! Denn schon der Name - 1250 Zagarde, 1318 Sagharde, 1380 Zagharde - offenbart: Hier ist
ein interessanter Flecken bezeichnet, der sich "neben der Burg" befand.

Das mag aus heutiger Sicht geradezu irritieren. Eine Burg? Bei Sagard? Ja, kaum zu glauben. Der Burgwall - eingeebnet und damit flacher als ursprünglich - ist aber noch ansatzweise zu "Capelle" erkennbar. Er diente - wenn man den alten Überlieferungen von Prof. Dr. Haas glauben mag - als Tempelburg, Kultstätte des slawischen Gottes Pizamar und zur Verwaltung des Gardvogteibezirkes Jasmund. Vielleicht trug er sogar den Namen "Jasmund" wie es die Knytlinga Saga vermuten ließe. Der spätere Name "Capelle" bezog sich dabei wahrscheinlich auf eine aus Holz bestehende Kapelle, die nach der Zerstörung des Tempels den Flecken geziert haben soll.
 
Mit dem Einzug des Christentums ab 1168 kam es aber auch zu einem verstärkten Zuzug deutscher Kolonisten. Die einst errichtete Kapelle verlor so wohl zwangsläufig weiter an Bedeutung, da man in Sagard längst eine eigene Kirche errichtet hatte, die dem heiligen Michael geweiht war. Schließlich wurde die alte Kapelle sogar abgebrochen, worauf sich nicht nur das kirchliche sondern auch das wirtschaftliche Leben von "Gard" (Burg) nach "Sagard" verschob.
 
Die damalige Bedeutung Sagards ist nicht zu unterschätzen. Schließlich befand sich der Ort an der großen Landstraße von Vitte - Altenkirchen - Schaabe - Ruschvitz - Sagard - Schmale Heide - Bergen - Rothenkirchen - Altefähr (Handelsweg für Heringe von Vitte, dem Handelsplatz, nach Stralsund). Ein Grund dafür, dass auch der Krug von Sagard - "Taberna Zagard" - erhebliche Nachfrage erfuhr. Er fand ebenso um 1300 Erwähnung, wie die Mühle - die als "Novum Molendinum" bezeichnet wurde. Ob es wirklich eine Wassermühle war, kann dagegen heute nur vermutet werden.
 
In Sagard lebte man zu dieser Zeit weitgehend vom Ackerbau. Aber auch das Handwerk gewann schon bald einen hohen Stellenwert. Neben den Schuhmachern, seien dabei die Töpfer, die Brauer und die Bäcker erwähnt. Letztere fuhren, vergleichbar vielleicht mit heute, auch auf Märkte, um einen zusätzlichen Absatz zu erzielen. Äußerlich hatte sich der Ort in Bescheidenheit geübt. Strohgedeckte Häuser, unregelmäßig gepflasterte Gassen - so jedenfalls beschrieb Johann Jacob Grümbke den Ort. 1804 hatte schließlich der Sagarder Bach seine Brücke erhalten und 1819 zählte man schon 106 Wohnhäuser (Feuerstellen).
 
Zu seiner wesentlichen Bekanntheit trug allerdings der Pastor von Willich bei, der mit Hilfe seines Bruders Dr. Moritz von Willich 1794 den "Sagarder Gesundbrunnen" - das erste Bad der Insel - eröffnete. Leider bereitete die Besetzung durch die Franzosen 1807 der vielversprechenden  Entwicklung als Mineralbad ein Ende.
 
Mit dem Aufschütten eines Dammes bei der "Meerenge" von Lietzow und der darauf gebauten Eisenbahnlinie konnte auch Sagard den Anschluss an die sich entwickelnde neue Infrastruktur halten. Die damit einhergehenden Veränderungen zogen auch die spätere Erschließung durch den Straßenbau nach sich.
 
Vielleicht sind die Zeilen auch eine kleine Anregung für einen Halt in Sagard, um sich noch tiefer auf die Sagarder Geschichte einzulassen.