Montag, 1. Mai 2017

Was bedeutet der 1. Mai für Sassnitz?

Historische Darstellung des Stettiner Raddampfers "Freia"
Sassnitz. (SAS) Der 1. Mai ist für uns sicher aus verschiedenen Gründen von Bedeutung. Das Aufstellen eines Maibaums - am Vorabend des 1. Mai - symbolisiert beispielsweise auch das Einläuten einer wärmeren Jahreszeit. Und in der Tat: Auch als Kind fragten sich einige, ob sie nun an
diesem Tag die langen oder kurzen Hosen für die Maidemonstration zu DDR-Zeiten tragen sollten. Doch gerade für Sassnitz verbindet sich mit dem 1. Mai auch die planmäßige Verbindung der Postdampferlinie zwischen Sassnitz und Trelleborg.
 
Zugegeben: Die Grundlagen dafür wurden weit früher gelegt. So erfolgte zwischen 1887 und 1896 auf Betreiben Adolph von Hansemanns die Anlegung des Sassnitzer Hafens. 1891 - also noch während der Bauphase - absolvierte der Dampfer "Freia" von der Stettiner Dampfschiffahrts-Gesellschaft Braeunlich eine erfolgreiche Probefahrt. Und eigentlich begann die Einrichtung der Postdampferlinie bereits zum 29. April - also ein paar Tage vor dem offiziellen Termin. Aber: Vor 120 Jahren - am 1. Mai 1897 - wurde eben der eigentliche Startschuss zur Königsline (schwedisch "Kungslinjen") zwischen Sassnitz und Trelleborg gegeben.

Heute wissen wir, dass die Königslinie zu einer Erfolgsgeschichte wurde. Denn schon bald nahm das Verkehrsaufkommen so zu, dass die Postfähre in eine Bahnfähre umgewandelt werden musste, deren Grundlage der Vertrag vom 15. November 1907 zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Schweden war. Zum Einsatz kamen so beispielsweise auf deutscher Seite die beim Stettiner Vulcan vom Stapel gelaufenen Schiffe "Preußen" und ihr Schwesterschiff "Deutschland". Förderlich war zudem auch der Bau des Rügendamms 1936, der den Fährtransport zwischen Stralsund und Rügen  und damit 1 Stunde sparte.

Auch wenn es im Zweiten Weltkrieg zur Einstellung des Fährverkehrs kam, so konnte ab 1948 doch eine neue Phase der Königslinie begründet werden, die ab 1958 in die Zeit der Eisenbahnfähren mit Autotransport über die Ostsee mündete. Nach dem Umbruch 1989 kam es dann zu einer  Konzentration des Fährverkehrs in dem Hafen von Sassnitz-Mukran. Seither ist die Bedeutung der Königslinie und des Hafens leider gesunken. Dennoch wäre es zu wünschen, wenn sowohl der Fährverkehr nach Schweden als auch nach Russland wieder an Fahrt gewinnen würden.