Dienstag, 26. Dezember 2017

Oh Du Fröhliche...


Ein Beitrag von Hans Hegel
Wer einmal das Lied "Oh du fröhliche..." auf einem Cello vorgetragen bekam, weiß, dass auch diese aufmunternd gemeinte Weise durchaus traurig klingen kann. Dennoch klingt es so immer noch besser als in der blechernen Dauerschleife an einem Bratwurst- oder Glühweinstand. Denn dort wäre es vielleicht ein besseres Spottlied für all jene, die sich durch die nahen Konsumtempel quälten und sich dem Weihnachtsstress beim Geschenkekauf hingaben...

Blick in ein Stralsunder Einkaufszentrum vor Weihnachten
OMG!* möchte man sagen. Was hast Du Dir bloß dabei gedacht? Da schickst Du uns Deinen Sohn, der auch noch das Kunststück vollbringt, viele gute Ideen mit anfänglich nur 12 Followern in die Welt zu tragen und dann endet dies alljährlich so! Die Tagesschau kommentiert diesen Heiligabend 2017 gar mit den Worten: "Das Kind aus Bethlehem erteilt einen politischen Auftrag..." - das klingt schon fast wie beim Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Und obgleich der Weihnachtsmann auch nur ein Heide ist, möchte man sich von ihm wünschen, dass einem dieser grobe - durch unsere Gebühren finanzierte - Unfug erspart bleiben möge... Anderseits: Wir wissen natürlich, dass es ihn nicht gibt, den Weihnachtsmann. Und wenn doch, spielen wir ihn lieber selbst, erfüllen uns so diese Wünsche. Er ist eben Tradition, wie unser Weihnachtsbaum. Und auch hier scheiden sich die Geister: künstlich aus Fernost oder natürlich aus dem Wald.
Über Generationen im Einsatz beim Beschenken
Und da wir schon bei Traditionen sind: Es gibt durchaus schöne Traditionen! Am Weihnachtsabend in die Kirche zum Krippenspiel zu gehen, finde ich, gehört dazu. Noch schöner ist eigentlich nur der Quempas, wo u.a. in allen vier Ecken der Kirche die Chöre wechselseitig singen - was für ein Erlebnis (leider nur noch auf dem pommerschen Festland - in Rummelsburg)! Daneben erfreuen sich alte Inseltraditionen, wie Lüttenweihnachten, wieder wachsender Beliebtheit. Und wer mal Weihnachten ganz anders feiern mag, der kann zur Anregung "Julklapp" bei "Google" eingeben und diese Rügensche bzw. skandinavische Tradition wiederbeleben. Vielleicht wäre es bei manchem Familienfest eine echte Alternative zum großen Geschenkerausch und würde auch den Vorweihnachtsstress mildern, dem sich viele heute ausgesetzt sehen. Wer dann trotzdem keine Entspannung hätte, dem sei gesagt: "Unter jedem Dach, ein Weh und Ach!"

Die St. Jakobs-Kirche in Kasnevitz
Ich habe heute beispielsweise an eine junge Frau denken müssen, die am 24. Dezember noch bis 14.00 Uhr in einer Rügener Bäckereifiliale arbeiten musste. Sie hatte nur den 1. Feiertag frei und heute muss sie wieder zum Dienst. Sie ist nicht allein: Altenpfleger, Polizisten oder Ärzte... Und ausgerechnet an den Feiertagen passieren dabei die unglaublichsten Geschichten. Heute früh nun erzählte mir eine sehr gute Freundin ein Witz. Ich begann laut zu lachen und meinte schließlich grinsend: "Oh Du Fröhliche..." Dann überlegte ich kurz und sagte: "Nicht ernst gemeint..."

*) Oh mein Gott!

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