Samstag, 17. Februar 2018

"Wir brauchen keine Lügen mehr!"

Liebe Rüganer,
wer eine Wanderung durch den Nationalpark Jasmund macht, kann bisweilen wundersame Dinge erleben. So ging es auch mir. Denn unweit der "Waldhalle" - die im Juni des letzten Jahres als "Otto-Haus" eröffnet wurde - legte ich eine kurze Rast ein. Schon nach kurzer Zeit  wurde ich hier von einem Unterirdischen angesprochen. Wer die Sagenwelt der Insel kennt, weiß, dass man in solchen Fällen auf der Hut sein sollte, da sie mit uns Menschen manchen Schabernack treiben können und auch nicht allen wohlgesinnt sein sollen...

Für mich war es die erste Begegnung dieser Art, die mich zudem sehr unvorbereitet traf; ich hatte zudem auch nichts zur Abwehr dieser Kobolde dabei gehabt. Ohnehin verwunderte mich die offene Art mit der Selbiger den Kontakt zu mir suchte. Nachdem er mich zunächst als Fremder begrüßt hatte, kam er sogleich zum Punkt indem er mich fragte, ob denn nun die Zeit der drei Könige angebrochen wäre. Spätestens an dieser Stelle begann ich mich zu kneifen, um sicher stellen zu können, dass ich nicht in einem Tagtraum weilte. Was mich verwunderte?  Die drei Könige beschrieb er mir in seiner leichten Aufregung so, dass ich zunächst an die Olsenbande denken musste. Ihm schien es jedoch absolut Ernst zu sein.


2017: Landwirtschaftsminister Till Backhaus, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Bürgermeister Frank Kracht 
Wie er mir erzählte, drohe den Unterirdischen nach einer alten Legende in der Zeit der drei Könige größte Gefahr. Wie, um alles in der Welt, so fragte ich ihn, wären denn diese drei Könige zu erkennen? Darauf begann er ausführlicher zu werden: Der große König soll nichts hören, d.h. er hört nur die Dinge, die ihm zum Gefallen sind. Der zweite König, er ist ein kleiner untersetzter Mann, kann nichts sehen; außer die Dinge, die er gerne sehen möchte. Und der dritte König (hier ist die Beschreibung der Gestalt zweifelhaft und lässt bisweilen den Schluss zu, dass es sich nicht unbedingt um einen Mann handeln müsse) kann nichts sagen; oder wenn doch, dann bliebe er unverstanden. Sie alle würde ihre Macht der Täuschung verdanken, so der Unterirdische. Um ehrlich zu sein, passte diese Beschreibung sicher auf viele unserer heutigen Zeitgenossen. Nur deren Kombination und gemeinsames Handeln liessen Unvoreingenommene nachdenklich werden und Schlimmes befürchten...
Einwohnerversammlung im Dezember 2016: Buchen faulen durch Feuchtigkeit bereits an der Wurzel
Eigentlich täte er mir leid, sagte ich ihm. Einerseits, weil ich ihm die Angst vor den drei Königen nicht nehmen könne, zumal sie heute ohne ihre Kronen noch schwerer erkennbar wären, andererseits weil für den kleinen Wicht ja schon bald wieder unruhige Zeiten anbrechen würden. Schließlich hätte man nun schon bald innerhalb kürzester Zeit etwa 500 Bäume im Nationalpark niedergestreckt. Und auch seine Frage, warum dies alles geschehe und wie das in einem angeblich geschützten Wald möglich sei, konnte ich ihm nicht wirklich beantworten. Man erzähle sich, sagte ich ihm, dass man in Schwerin Geld brauche und deswegen die Fällungen unter dem Vorwand der Verkehrssicherung niedergestreckt würden, aber ob dies stimme? Schließlich gäbe es auch andere Aussagen, wonach die Standsicherheit der Buchen in einigen Fällen wegen Fäule nicht gegeben sei. Nun, meinte der Unterirdische, dass Letzteres ihn nicht verwundern würde, denn auch er hätte kürzlich nasse Füße bekommen. Seit die Entwässerung der Stubnitz nicht mehr vollzogen werde, gebe es nun mal einen Wasserüberschuss in der Stubnitz. Dass dies unzählige Bäume schädigen könne, sei jedenfalls nicht auszuschliessen. Und wenn, ließe es sich nur schwer ausmachen, wie groß der bereist entstandene Schaden sei. 
4-5 Millionen EUR kostet das Schweriner Schloß jährlich (seit 1990), nur für den Abstieg am Königsstuhl ist kein Geld
Nun begann auch ich zu klagen. Denn eigentlich wollte ich heute so, wie früher, am Königstuhl den Abstieg wagen, aber: Auch dies sei nicht mehr möglich. Sowohl der Bürgermeister der Stadt Sassnitz als auch der Landwirtschaftsminister seien sich einig, dass die Reparatur des Abstiegs, der nun schon länger gesperrt ist, oder auch eine Umverlegung nicht möglich sei, weil dies zu teuer wäre. Da nütze wohl auch kaum, dass sich bereits über 3000 Menschen dafür ausgesprochen hätten. Ich äußerte dabei meine Verwunderung darüber, denn ich wusste, dass der Nationalpark doch so wichtig sei, dass sogar die Kanzlerin, also die mächtigste Frau des Landes 2017 im Nationalpark Jasmund weilte. Nun kratzte sich auch der Unterirdische den Kopf, strich zwei Mal über seinen Bart und sagte: "Ich muss leider gehen! Deine Informationen haben mir sehr geholfen. Ich weiß, dass wir Unterirdischen nicht immer mit den Rüganern im Frieden lebten und Euch manchen bösen Streich spielten... Dafür kann ich mich heute nur entschuldigen." 

Ich war irritiert. Der plötzliche Aufbruch und die Entschuldigung liessen darauf schließen, dass die Zeit der drei Könige angebrochen war. Und deshalb fragte ich ihn, ob es in seiner Überlieferung der Legende nicht auch etwas gebe, was Hoffnung machen könne. Er drehte sich um und sagte: "Wenn ihr, die Menschen, das Dickicht von Täuschung und Lüge lichtet und seht, dass genug Geld da ist, um Eure und unsere kleinen Probleme zu lösen, werdet ihr verstehen, dass es an der Zeit ist, den drei Königen entgegen zu treten. Wir brauchen keine Lügen mehr!"

Hans Hegel

---
Lesen Sie auch:  
"Wenn Wahlen zu Gewinnspielen werden... (22. April 2018) / "Alles tanzt nach meiner Pfeife" (14. April 2018) / "Was ich heute Till Backhaus schrieb..." (6. April 2018) / "Ein "Panda" lädt sich ein..." (30. März 2018) / "Angela Merkel - Rügens letzte Rache?" (18. März 2018) / "Rügen schafft sich ab!" (10. März 2018) / "Der König und sein Stuhlgang" (2. März 2018) / "Von Chaos, Clowns und Helden" (24. Februar 2018) / "Wir brauchen keine Lügen mehr!" (17. Februar 2018) /  Vergesst mich nicht!" (9. Februar 1918) / "Make Sassnitz great again!" (4. Februar 2018) / "Was haben Rügen + Sizilien gemeinsam?" (26. Januar 2018) / "Wer den Bock zum Gärtner macht" (15. Januar 2018) / "Vermisst! - Wo ist mein Kind?" (12. Januar 2018) / "Alle Jahre wieder..." (7. Januar 2018) /  "Oh Du Fröhliche..." (26. Dezember 2017) oder "Der Zauber von Schnee" (18. Dezember 2017)

(Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte, Leserbriefe und Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder)