Sonntag, 18. März 2018

Angela Merkel - Rügens letzte Rache?


Liebe Rüganer,
gerade bin ich aus der  Hauptstadt auf die Insel zurückgekehrt. Nein, ich war nicht irgendwo, sondern im Prenzlauer Berg ("Prenzlberg" wie der Berliner sagt). Hier ist die gefühlte Politikerdichte am höchsten und so ist es nicht verwunderlich, dass es zu einer nachhaltigen Zufallsbegegnung kam...

Das ich überhaupt mit einem Teil des "Berliner Politikbetriebs" in Berührung kam, verdankte ich jedoch einer kaputten Kaffeemaschine. Nachdem ich meine Bestellung in einen "Kaffee türkisch" abgewandelt hatte, zog dies die Nachfrage meines Gegenübers nach sich, ob ich denn aus "dem Osten" käme? Schelmisch antwortete ich, dass ich nicht wisse, wie er den Osten definiere, aber sicherheitshalber wäre meine Antwort: "Südschweden. Also: Rügen." Sein Gesicht erhellte sich darauf merklich, woraus ich schloss, dass er die größte Insel Deutschlands nicht mit Sylt verwechseln würde. Und er bestätigte es durch seine  spitzbübische Nachfrage, ob die Wahl Angela Merkels denn nun die letzte Rache der Rüganer wäre? Nun gab ich ihm zu bedenken, dass die Rüganer nach 850 Jahren Fremdbestimmung sicher ein gutes Recht dazu hätten, die ganze Welt mit Frau Merkel zu foppen, ich dies aber nicht als Rache verstehen würde. Und außerdem: Längst hätten sich die Deutschen an die langweiligsten aller "politischen Aschermittwoche" gewöhnt und dies wäre auch kein Zufall... 

Steile Karriere: Die ehemalige FDJ-Sekräterin ist seit 2005 Bundeskanzlerin, hier mit Famile Backhaus (2017)
 Das machte meinen Gegenüber neugierig und so erzählte ich ihm eine Geschichte, die auch mir einst ein Bekannter erzählte:

Sie ist aus dem Jahre 1990. Damals fuhr ein  Mitglied des Demokratischen Aufbruchs (DA) (diese Partei trat einst gemeinsam mit der DSU und der Ost-CDU im Wahlbündnis der "Allianz für Deutschland" an) mit einem der von der West-CDU bereitgestellten Wahlkampffahrzeuge (natürlich keine Wahlkampfbeeinflußung!) nach Berlin, um diesen nach der Wahlkampfschlappe zu den ersten freien Volkskammerwahlen der DDR wieder samt Zündschlüssel abzugeben. Der Demokratische Aufbruch hatte ganze 0,9% (was 4 Mandaten entsprach) errungen und residierte im "Haus der Demokratie".  Hier lief der Rüganer nun direkt in die Arme des Parteivorsitzenden Rainer Eppelmann. Allerdings erkannte er auch eine kleine, schmächtig wirkende Frau (er nannte sie später eine "graue Maus"), die hier offensichtlich als Bürokraft zu arbeiten schien. Auf die Frage, wer denn das sei, eröffnete Reiner Eppelmann ihm: "Dies ist unsere Frau Merkel. Sie ist die Einzige, die den Computer bedienen kann." Worauf der Rüganer geantwortet haben soll, dass sie dann ja zu Höherem (dem Bundeskanzleramt!) berufen sei.

Dass er mit dieser Einschätzung nicht falsch lag, zeigte sich ihm schon kurze Zeit darauf; im Vorfeld des Wahlkampfes zur Bundestagswahl 1990:

Der Demokratische Aufbruch (DA) hatte sich - nach der Enttarnung von Angela Merkels Entdecker und Förderer Wolfgang Schnur als Informeller Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) - gerade noch rechtzeitig (einen Tag vor der Wiedervereinigung, am 2. Oktober 1990) mit einer großen Volkspartei vereinigt. Und so "rutschte" also die Einzige, die einen Computer bedienen konnte, in eine Partei, wo ganz viele einen Computer bedienen konnten - die CDU. Diese wiederum musste für die anstehende Bundestagswahl (am 2. Dezember 1990) noch einen Kandidaten für das Direktmandat des Wahlkreises Stralsund-Rügen-Grimmen küren und hier trat nun Angela Merkel (dank der ehemaligen Parteikollegen des Demokratischen Aufbruchs) zu ihrer ersten Bundestagswahl an und errang das Direktmandat, dass sie bis heute nicht wieder abgegeben musste. Und das, obgleich die heutige CDU-Frontfrau bei ihrem letzten Wahlkampf (2017) nur zwei Mal (!) auf der Insel weilte und der Besuch mehr mit Toten (ein Termin bei der Fürstengruft in Vilmnitz und ein Besuch beim Kriegerdenkmal in Putbus) als mit Lebendigen zu tun hatte.

Bundestagswahlkampf: Nach der Fürstengruft in Vilmnitz ist das Kriegerdenkmal in Putbus dran (2017)
"Also doch...!" sagte mein Gegenüber und grinste übers ganze Gesicht. "Und was halten Sie von den Gerüchten, die es immer wieder um Ihre Vergangenheit gibt..." Das sollte man, wie ich meinte, nicht überbewerten. Schließlich würde ich als gelernter DDR-Bürger (bis 1989) keine Pfarrerstochter kennengelernt haben, die FDJ-Sekretärin geworden ist oder auch noch Naturwissenschaften studieren konnte. Erst recht wäre mir damals kein Fall bekannt gewesen, wo eine kinderlose Frau nach einer Scheidung in den Westen fahren konnte. Und wenn es so etwas wirklich gegeben hätte und sie heute wirklich zu Höherem berufen wäre, dann wäre es keine Rache der Rüganer, sondern der DDR.

Hans Hegel


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