Freitag, 2. März 2018

Der König und sein "Stuhlgang"


Liebe Rüganer,
wer den Stuhl eines Königs mit einer "Klobrille" versieht, braucht sich über Spott und Häme, die sich anschließen, nicht zu wundern. Erst recht nicht, wenn im Ergebnis dieses nun geplanten "Stuhlgangs" es zu weitere Abholzungen von Bäumen im Nationalpark, einem weiteren Handanlegen an das Wahrzeichen der Insel und die Ausgabe von Millionen-Beträgen aus den von uns erbrachten Steuergeldern kommen soll. Warum?

Der Königsstuhl soll eine "Schwebebrücke" ins "Nichts" erhalten.

Die Frage, die sich dabei stellt: Wann hatten Politiker je mehr Verachtung für ihre Bürger und Steuerzahler auf Rügen als heute? Gerade noch hatte man einer Initiative, die sich für die Erneuerung des Abstiegs am Königsstuhl einsetzt, eine klare Absage erteilt (aus Kostengründen!) Und nun, nur wenige Tage später, sehen sie die Idee eines neuen "Monstrums" für machbar an. Dabei soll auf den etwa 118 Meter hohen Königsstuhl (dem Wahrzeichen der Insel!) ein 40 Meter hoher Pylon aufgepflanzt werden. Dieser muss dann die sogenannte "Brille" (einen 2,50 Meter bis 3,50 Meter breiten ovalen Rundweg, der auf etwa 120 Metern tief ausläuft und über dem Naturdenkmal auskragt) an Stahlseilen halten.  Wobei auch der Pylon noch landseitig zweier zusätzlicher Verankerungen mit Fundamenten bedarf...

Wie kommt man auf die Idee einen 40 Meter hohen "Phallus" an dieser sensiblen Stelle Rügens aufzupflanzen?
Es scheint, als handle es sich dabei um eine Schnapsidee: Jedenfalls kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die 3.000 Unterzeichner, die sich für einen Abstieg einsetzen, nicht ernst genommen werden (sie sollen wohl veralbert werden?) und zudem auch noch den "Wiedergänger" einer verrückten Idee an dieser Stelle zu neuem Leben erwecken will.

Rückblende: Getreu dem Motto "Wer seine Heimat liebt, versiegelt sie" quälte man Mutter Natur schon 1993 am Königsstuhl. Enstehen sollte damals das sogenannte "Monster vom Königsstuhl"; eine Holzbrücke, für die bereits ein Fundament in das Naturdenkmal getrieben wurde. Nachdem sich die teure Brücke dann doch als untauglich entpuppte, wurde sie Monate später weggeschafft. Zurück blieb das Fundament. Heute ist es wohl zu dem weltweit teuersten Sitzplatz einer Aussichtsplattform geworden. Wo die Brücke selbst landete? In Dwasieden. Dort fristet sie seither ihr stilles Dasein; ein Denkmal für die Verschwendung von Steuergeldern durch Politiker auf der Insel Rügen.

Verschwendung: Das Wegwerfen von Steuergeld hat Vorbilder in Sassnitz
Um es klar zu sagen: Niemand bezweifelt die Fachkompetenz von Professor M. Schlaich, der mit der Fußgängerbrücke in den Sassnitzer Hafen etwas Besonderes geschaffen hat. Sie fügt sich dort harmonisch in das Ensemble ein und schuf die städtebaulich dringende Verbindung zwischen zwei elementaren Stadtteilen. Die Planung für den Königsstuhl ist jedoch ein planerische Fehlgriff. Wer oder was auch immer dazu motivierte: Sie ist überdimensioniert, fügt sich nicht in das natürliche Umfeld ein und ist im Übrigen an diesem sensibelsten Punkt der Insel so überflüssig, wie ein Kropf. Ganz nebenbei sollte man das Geld (immerhin spricht man von 7 Millonen Euro an Steuergeldern für das im Vergleich zu 1993 noch monströsere Bauwerk!) besser für den Abstiegs eingesetzen, ggf. auch für eine Verlegung des Weges wenn dies nötig sein sollte. Nun, wo wir wissen, dass ja eigentlich genug Geld da ist, sollten wir es für einen naturnahes Erleben des Nationalparks ausgeben; das entspricht auch dem, was einst auf buntem Papier als Ziel des Nationalparks angedacht war.

Gibt es noch offene Fragen? Ja! Zum Beispiel, warum Politikern, die sich wie "Könige" geben, nicht lange Nase wachsen, wenn sie ihre Bürger belügen, um anschließend auf "Königswegen" wandeln zu können? Und was hat es mit dem "Stuhlgang" (einer der Bürger meinte bei der Betrachtung der Animation: "So eine Sch..!") und seiner Entstehung auf sich?

Ob wir dieser neuen Idee aus Sassnitz auch etwas Positives abgewinnen können? Durchaus. Sollte es zu dem Bau wirklich kommen und es wird später wieder einmal an den Geldern zum Erhalt des Bauwerkes oder für den TÜV fehlen, dann braucht man (wie bei dem Seesteg) nur eine Seite der Brücke mit rot-weißem Band zu sperren. Und das allein macht ja heute schon eine steuerfinanzierte Planung nachhaltig, oder?

Hans Hegel

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