Freitag, 30. März 2018

Ein "Panda" lädt sich ein...


Liebe Rüganer,
als ich kürzlich mit einem Sassnitzer in einer Gaststätte am Hafen saß, erzählte er mir eine unglaubliche Geschichte. Und die ging so...

An einem Montagabend klingelte ein "Panda" an seiner Tür. Dieser fragte zunächst nur, wie er am besten zum Königsstuhl käme. Der Sassnitzer, der ihn auf den Küstenwanderweg verwies, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es sich um eine folgenschwere Begegnung handeln sollte.

Nur kurze Zeit später, klingelte es erneut an der Tür. Der "Panda" erklärte kurz und knapp, dass er angesichts der Anstrengungen unmöglich diesen Weg noch an diesem Tage auf sich nehmen könne, schob den staunenden Sassnitzer beiseite, und machte es sich bereits auf dessen heimischen Sofa bequem. Für die Kinder des Rüganers war der sympatisch wirkende "Panda" jedoch eine echte Freude. Und so ließ sich auch die Ehefrau nicht lumpen, machte ein paar Schnittchen und lud den "Panda" zum Bleiben ein.
 
Immer wieder tauchen Pandas in der Stubnitz auf. Sind sie echt oder falsch? (Foto: Archiv)
Sichtlich gerührt von der ihm entgegengebrachten Gastfreundschaft, ließ dieser sich nicht lange bitten. Er, der "Panda", saß nun also mittig auf dem Sofa, links und rechts die Kinder, die ihn kraulten und streichelten, in Bewegung der Sassnitzer und seine Frau, die für sein leibliche Wohl sorgten. Nur als die Familie zu Bett gehen wollte, hatten sie ihre Rechnung ohne den späten Gast gemacht. Dieser schaltete den Fernseher an und begann sich das Nachtprogramm anzusehen; kommentierte es durch lautes Lachen und Brüllen,  je nach Gemütslage. Am darauffolgenden Tag staunte die Familie nicht schlecht: Der Kühlschrank war wie "leergefegt" und auf dem Küchentisch lag eine Einkaufsliste, die der "Panda" nach seinem Dafürhalten angefertigt hatte. Orangen, Zuchtlachs - alles vom Discounter...

Natürlich wollte der Hausherr den Gast des Vorabends zur Rede stellen, doch dieser schlummerte in schönen Träumen und ließ keinen Zweifel daran, dass er kein liebes Kuscheltier sein würde, was man einfach vor die Tür setzen könne. Nach einer Woche beliefen sich die aufgelaufenen Unkosten bereits auf 700,00 EUR. Und da man sich den Gast auf Dauer nicht hätte leisten konnte, bot man ihm weitere 700,00 EUR an, wenn er nun weiter zöge. Dieser lachte, nahm das Geld und verschwand.
 
Dieser Panda schaffte sogar ein "Selfie" mit der Bundeskanzlerin, einem Minister und dem Sassnitzer Bürgermeister
Allerdings war der Sassnitzer nicht der einzige Geschädigte. Es wurde angenommen, dass es auf Jasmund wohl tausende Familien gäbe, die betroffen gewesen sein könnten. Die gute Nachricht? Auch der falsche "Panda" (oder besser der, der sich als solcher verkleidete) erhielt am Ende seine gerechte Strafe. Was ihn zu seinem Handeln motivierte? Er meinte, dass er ursprünglich gar nicht vorgehabt hätte, die Gutgläubigkeit seiner Gastgeber auszunutzen, stattdessen hätte er sogar einen Teil des Geldes für den Schutz der Natur einsetzen wollen. Darauf meinte ein Gerichtsreporter: "...hätte sich der falsche Panda ein Großprojekt in diesem Sinne ausgedacht, hätten er wohl die 7 Millionen auch ganz legal von den Bürgern erhalten; auch ohne deren Zustimmung. Wie? In Form von Fördermitteln! Vielleicht wäre ihm sogar das Bundesverdienstkreuz sicher gewesen..."

Es mag sein, dass der Sassnitzer an einigen Stellen der Geschichte übertrieben oder gar geflunkert hat. Nachdenklich wurde ich aber trotzdem. Ich erinnerte mich an die vielen Besuche am Königsstuhl. Die Bilder mit einem Panda habe ich noch gut im Kopf. Heute frage ich mich: War der echt oder falsch? Bei etwa 1.600 in freier Wildbahn lebenden Pandas wäre es allerdings ein Wunder, wenn man ausgerechnet in der Stubnitz auf ein echten Panda treffen würde. Außerdem: Man hatte uns Rüganern einfach zu oft ein "faules" Ei ins Nest gelegt...
 
Frohes Fest!
 
Hannes Hegel

Auch die Aktivisten von "Rügen - Rette Deine Insel wurden vom Balkon durch einen Panda beobachtet
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