Samstag, 28. April 2018

150. Geburtstag von Hermann Lietz

Hermann Lietz (* 28. 04. 1868 Dumgenevitz - † 12. Juni 1919 Haubinda)
Dumgenevitz (PA). Man darf sicher gespannt sein, wer sich im Jahre 2018 - nach 150 Jahren - noch an den Rüganer Hermann Lietz erinnern wird. Heute, am 28. April 1868 erblickte er in Dumgenevitz bei Kasnevitz das Licht der Welt. 

An seinem   Geburtsort   erinnert heute nichts an den Gründer der Landerziehungsheime. Ja, selbst   ein Eingangsschild für den Ort fehlt! Und so könnten Wanderer,   die   auf   den   Spuren   jenes   bedeutenden deutschen Reformpädagogen - zwischen Lanschvitz und Karnitz - pilgern, den Ort   selbst   mit   seinen wenigen Bebauungen gar nicht als solchen wahrnehmen.

Lietz war der Sohn eines Landwirts, der Umgang mit Tieren und Natur haben ihn Zeit seines Lebens tief geprägt. Und was würde er wohl sagen, wenn er heute sehen würde, wie mittlerweile Tausende Bäume auf der Insel in   den   letzten Jahren gefällt wurden? Auch unweit seines Heimatdorfes   liegen   die   nackten Stämme sauber aufgeschichtet...
Hier nur unweit von Kasnevitz begann also sein Werdegang: Als zweitjüngstes Kind – von neun Kinder – wurde Hermann Lietz in Dumgenevitz bei Kasnevitz geboren. Sein Vater, Gottfried, war Gutsbesitzer und galt als offen, vertrauenswürdig und belesen. Seine Mutter, Emilie Elgeti, stammte   aus   einer   Garzer Schneiderfamilie. Schon als Kind wurde Hermann Lietz von den Abläufen der Bewirtschaftung des Gutes, der   Natur,   aber   auch   von   Sparsamkeit   und   Entbehrungen   im   Elternhaus   nachhaltig   geprägt.   Nach   der Unterrichtung durch einen Hauslehrer, besuchte er ab 1877 das Gymnasium in Greifswald. 

Jedoch führten schlechte schulische Leistungen zunächst zu einer halbjährigen Unterbrechung   des Schulbesuches und schließlich zu einem Wechsel nach Stralsund, wo er am 9. März 1888 die Reifeprüfung ablegen konnte. Auch diese Erlebnisse, überalterte Lehrer und ein Paukunterricht mit Prügelstrafe, wirkten tiefgreifend in Lietz nach.

Da seine Neigung sowohl der Landwirtschaft, Gärtnerei als auch Bildhauerei galten, aber ebenso Interesse an   sozialer  Arbeit, sowie Lebens- und Glaubensdingen bestand, wandte   er   sich  nach dem  Abitur   der Theologie   zu,   hörte   daneben   aber   auch   Vorlesungen   in   Philosophie, Geschichte und Germanistik. Anschließend legte er die Oberlehrerprüfung ab und erhielt eine Lehrbefähigung für Philosophie, Deutsch, Religion   und   Hebräisch.   

Als   Lebensstation   folgte   auf   Jena   die   Rückkehr   nach   Putbus,   wo   er   am Königlichen Pädagogium in Putbus ein Probejahr absolvierte und zwischenzeitlich auf dem elterlichen Gut half. Sich anschließende Lehrtätigkeiten - wieder - in Jena, Kötschenbroda und vor allem der englischen Grafschaft   Derbyshire   bestärkten   ihn   in   seinem   Ansinnen   ein   eigenes   Schulmodell   von der „Unterrichtsschule“ zur „Erziehungsschule“ zu entwickeln. Die dafür notwendigen Grundlagen fand er bei namhaften Vordenkern: Luther, Comenius, Pestalozzi, „Turnvater“ Jahn, Fröbel, Arndt und Fichte. 

So trat der   wissenschaftliche   Unterricht   in   seiner   Idee   einer   Reformpädagogik   in   den   Hintergrund, der Lehrer wurde zum Erzieher und Partner des Schülers und eine hygienische Lebensweise zum Grundsatz. Um diese Idee aber auch in die Tat umzusetzen zu können, strebte er die Gründung eines Landerziehungsheimes in einem natürlichen Umfeld an. Dieses fand er schließlich in der „Alten Pulvermühle“ bei Isenburg im Harz vor, wo er an seinem 30. Geburtstag – den 28. April 1898 – das erste Landerziehungsheim in Deutschland gründete. Weitere Eröffnungen – 1901 in Haubinda bei Hildburgshausen und 1904 in Schloss Biberstein in der Rhön - folgten.   

1911   heiratete   Hermann   Lietz   Jutta   von   Petersenn,   die   Tochter   der   Leiterin   eines Landerziehungsheimes   für   Mädchen   am   Bodensee.  Aus   der  Verbindung   gingen   zwei Mädchen und ein Junge hervor.

1914 kam es noch zur Gründung eines Landwaisenheimes. Dann begann der 1. Weltkrieg an dem Lietz als Freiwilliger teilnahm. Allerdings musste er in der Folge einer Erkrankung seinen Dienst quittieren. Am 12. Juni 1919 starb der Rüganer Hermann Lietz in Haubinda und wurde auf dem Kirschberg begraben.

Obgleich zu Lebzeiten nicht immer verstanden, greift seine Idee Kindern und Jugendlichen eine optimale Förderung nach ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten zu geben, bis heute zunehmend an Raum.