Donnerstag, 19. April 2018

Gedächtnisprotokoll: Treffen "Treppe am Königsstuhl"

Darum ging es: Abstieg am Königstuhl
Am 9. April 2018 kam es zu einem Gespräch zur Problematik ABSTIEG AM KÖNIGSSTUHL in der ehemaligen Waldhalle, die jetzt "Welterbeforum / Michael Otto Haus" heisst.

An dem Gespräch nahmen Vertreter 
- des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt
- des geologischen Dienstes MV
- des Nationalparkamtes
- des Nationalparkzentrums
- die Bürgermeister der Stadt Sassnitz und der Gemeinde Lohme
- die Touristik Lohme GmbH
- das Amt Nord-Rügen
- Vertreter der BI „Bewahrt Lohme"
teil .

Dieses Gespräch erfolgte im Nachgang zu einem Gespräch mit Minister Herrn Dr. Backhaus am 12.02.2018 in Schwerin.

Eröffnet wurde die Gesprächsrunde mit den Worten
„EINEN ABSTIEG AM KÖNIGSSTUHL WIRD ES NICHT MEHR GEBEN.“

Herr Dr. Stodian stellte dann sehr eindrucksvoll und psychologisch geschickt die Entwicklung der Steilküste im Bereich Stubnitz dar, mit dem Resümee, dass es unverantwortlich wäre, in diesem verbliebenen  schmalen Strandbereich Menschen laufen zu lassen. Die Gefahr durch Rutschungen und Abbrüche wäre zu gross und die Menschen können die Gefahr nicht einschätzen .

Herr Burwitz von der BI verwies darauf, dass es den letzten tödlichen Unfall in diesem Bereich durch Rutschungen vor 82 Jahren ( also 1936 ) gegeben hat. Es sei auch ein Stück weit scheinheilig, durch ein zufälliges Ereignis im Jahr 2016 (ein umgestürzter Baum auf dem unteren Teil der Treppe) plötzlich als ein zu hohes Gefahrenpotential für Strandwanderer darzustellen .

Sehr viele Menschen hatten und haben das Bedürfnis, diese einmalige Natur direkt zu erleben, unter anderem durch eine Strandwanderung. Dieses können sie nach wie vor von Lohme aus, von Sassnitz aus oder am Kieler Bach. Nur sind die Entfernungen zwischen diesen Strandzugängen einfach zu groß.

Es wurde darauf verwiesen, dass zum Beispiel auch der Vormann des Seenotrettungskreuzers in Sassnitz sich für einen Abstieg am Königsstuhl ausgesprochen hat, da ab einer gewissen Windstärke eine Hilfestellung für Verletzte / Kranke von See aus nicht mehr möglich wäre. Ebenso wurde der Wehrführer der Sassnitzer Feuerwehr zitiert, der einen Abstieg aus dem Grund befürwortet hat , dass verletzte Personen besser abtransportiert werden können. 

Vom Sassnitzer Bürgermeister, Herrn Kracht, wurde dies vehement bestritten. Die Vertreter der Bürgerinitiative machten deutlich, dass sie in den vergangenen Wochen und Monaten immer für einen vernünftigen Kompromiss eingetreten sind. Herr Rahn von der BI hat sich mit der Situation vor Ort besonders vertraut gemacht und den Anwesenden einen Alternativvorschlag unterbreitet . 

Ausgehend von der Erkenntnis, dass eine Reparatur bzw. eine Umverlegung des unteren Treppenbereiches langfristig nicht den gewünschten Erfolg bringen würde, hat er sich nach anderen Abstiegsmöglichkeiten umgesehen. Östlich der Viktoriasicht , ungefähr 10 Gehminuten entfernt, befindet sich der sogenannte Mönchssteig. Dort könnte man mit relativ geringem Aufwand einen Abstieg zum Strand herstellen. Die Anwesenden nahmen diese Anregung sehr interessiert auf . 

Der Bürgermeister von Lohme, Herr Ogilvie, bedankte sich in überschwenglicher Weise beim Ministerium über die in Aussicht gestellte Möglichkeit einen Lehrpfad zu erstellen bzw. Untersuchungen durchführen zu lassen, in wie weit eine Hafenerweiterung in Lohme mit Fahrgastanleger und damit Ausflugsschifffahrt zur Kreideküste, durchführbar wäre. Er bat dann auch noch zu prüfen, ob der von Herrn Rahn dargestellte Alternativvorschlag umsetzbar sei.

Wir hatten den Eindruck, dass durch diese Abschweifungen vom Hauptthema, dass bis dahin konstruktive Gespräch von den Ministeriellen genutzt wurde, um gedanklich Argumente gegen den Alternativvorschlag zu sammeln .

Als Ergebnis dieser Beratung wurde zusammengefasst :

- das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt leistet Unterstützung bei der Erstellung einer Machbarkeitsstudie für das Anlegen eines Naturlehrpfades bzw. der Hafenerweiterung Lohme für die Ausflugsschifffahrt

- wenn der Naturlehrpfad aber mehrere tausend Euro kosten würde, müsste er beim Wirtschaftsministerium angesiedelt werden 

- den bisherigen Abstieg am Königsstuhl wird es zukünftig nicht mehr geben

- der aufgezeigte Alternativvorschlag – Mönchssteig – wurde als sehr problematisch dargestellt, weil es dadurch zu einer „Begehungserlaubnis" in der Kernzone des Nationalparks kommen würde (die anderen Bereiche sind auch alle Kernzone!) 

- diese Gesprächsrunde sollte sich Mitte September wieder zusammenfinden, d.h. es ist nicht
vorgesehen, dass bis dahin etwas passiert

Das Ergebnis dieser Beratung hat uns nicht zufriedengestellt. Es werden weiterhin alle Argumente bemüht, die die Gefährdung der Menschen  und den Haftungswahn betreffen, um von der eigentlichen Zielstellung abzulenken. Die Menschen sollen soweit wie möglich aus dem Nationalpark heraus gehalten werden und lediglich das Zentrum bzw. Forum besuchen. Dagegen werden wir auch weiterhin mit allen zur Verfügung stehenden demokratischen Mitteln vorgehen.

Diese Gesprächsnotiz wurde von Lohmer Bürgern angefertigt, die am Gespräch teilnahmen

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