Samstag, 28. April 2018

Rügen wird vermüllt, laut und miefig!


Liebe Rüganer,
wer als Gast auf die Insel kommt, träumt wahrscheinlich von einer frischen Meeresbriese bei einem Strandspaziergang auf Rügen. Und bisher hat schon so manche Welle auch einen kleinen Schatz im Sand versteckt: Muscheln, Donnerkeile oder Hühnergötter...

Doch damit scheint jetzt Schluß zu sein, seit ein "Touristiker" mit Mut, Ausdauer und Engagement eine grandiose Idee hatte: Er befüllte Kunststoffrohre der Firma Ostendorf mit Kunststoffkappen und sprengte diese über dem Großen Jasmunder Bodden in die Luft, um den Strand etwas bunter zu machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nun werden regelmäßig die Reste dieses "Feuerwerks" an den Strand gespült und verwandeln langweilige Naturstrände in einen bunten "Lego-Teppich". Das ist Aktionskunst! - Zweifellos.

Bunte "Lego-Teppische" statt langweiliger Naturstrände...
Dummerweise habe ich dies für eine Umweltverschmutzung gehalten und begonnen an einem Tag ganze drei Säcke des "Strandgutes" einzusammeln. Gott weiß, wieviel Kunststoffmüll da draußen noch im Bodden schwimmen würde, dachte ich. Und was deren Entsorgung den "Touristiker" gekostet hätte. Und nun? Neben dem  Ärger den mir meine Aktion bei einigen Inselexperten einbringt (die wohl so noch mehr Gäste anlocken wollten), ziehe ich mir wohl auch den der Umweltbehörde zu. Warum? Weil unsere Strände so belassen bleiben sollen, wie sie sind. Naja, beruhigend ist, dass sicher schon bald die nächsten Plastik-Wellen den Strand des Großen Jasmunder Boddens erreichen und alles wieder "schick" machen. Vielleicht  bekommt der "Touristiker" ja sogar schon bald sein Fischfilet mit bunten Plastik-Murmeln. - "Bon Appetit!" Das wäre dann wenigstens Kreislaufwirtschaft...

Mindestens genauso innovativ ist ein anderes "Touristiker"-Projekt. Der Titel? "Klopfzeichen vor Mukran." Rythmische Beats halten dabei derzeit nicht nur die Sassnitzer, sondern auch ihre Gäste in Atem. Die Teilnehmer des Dancecups werden dies zu schätzen wissen. Schließlich können sie dank des neuen Taktgebers noch einmal die Choreographie ihrer Tanzvorführungen im Schlaf durchgehen.

Dekoration aus den drei Säcken, die ich gerne an den Touristiker mit Mut, Ausdauer und Engagement zurückgebe
Und wenn es stimmt - was man heute so hörte - sparen die Gäste, die diesen neuen Klang-Trends folgen, zudem sogar noch die Kurtaxe. Verzichten würde die Stadt Sassnitz alleine an diesem Wochenende auf einen vierstelligen Betrag.  Nobel! Nobel! Das Ganze nennt man wohl Zielgruppenmanagement.

In das neue Konzept fügt sich übrigens auch der Ausbau der Pendelverbindungen mit Retro-Bussen auf Rügen nahtlos ein. Getreu dem Motto: "Zurück in die Zukunft!" setzen wir auf Mief-Busse und drängen die E-Mobilität aus Ortsmitten und Naturschutzgebieten. Bravo! Von Rügen lernen, heißt siegen! Und wie immer am Besten mit dem "Kopf durch die Wand"...

Warum diese neuen Akzente gesetzt werden? 
Um das alte Motto wiederzubeleben: "Rügen - Zeit für uns!"
Dank dieser Akzente dürften wir dem Ziel wieder etwas näher gerückt sein.

Hans Hegel

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