Sonntag, 29. April 2018

Sassnitzer Heilkreide (5)

Diese Postkarte zeigt die vorhandene Schlemmkreide-Fabrikations-Anlagen
 Von Kathrin Stein

Viele würden uns beneiden, wenn sie denn über annähernde Bedingungen verfügen würden: Ein natürlicher Rohstoff mit günstiger Heilwirkung, eine direkte Lage am Meer und eine Vorgeschichte als einziges Kreideheilbad der Welt. Dazu ein Exportschlager die Sassnitzer
Kreideheil- oder auch Kreideschlammbäder. Ein Schatz den uns die Insel Rügen geschenkt hat. Gute Gründe um an einer Fortsetzung der Erfolgsgeschichte zu arbeiten. 

Der Plan zur Errichtung eines Kreideheilbades in Sassnitz

Hatte das Rathaus, welches durch den Berliner Architekten Gustav Bähr entworfen wurde, zunächst nicht nur als Gemeindehaus sondern auch als Warmbad gedient, so gab es bereits in den 30er Jahren Überlegungen der Bewerbung von Sassnitz als Kreideheilbad auch eine bauliche Entsprechung zu geben.

Am 9. März 1935 wandte sich dazu der Sassnitzer Gemeindeschulze an den Rügener Landrat mit der Bitte um Unterstützung von Plänen zur Errichtung eines Kreideheilbades beim Preußischen Staatsministerium. Ein glücklicher Umstand wollte es, dass das dem Anschreiben dazu beiliegende Programm Teil jener Akten war, die am 29. April 1971 an das damalige Staatsarchiv Greifswald übergeben wurden und zwischenzeitlich wieder in das Stadtarchiv Sassnitz zurückgekehrt sind.

Für den Bau eines Kreideheilbades wurden demnach damals zwei Standorte favorisiert: Das Gelände des ehemaligen Sassnitzer Kreidewerkes und das westliche Siedlungsgelände der Gemeinde an der Weddingstraße.

Für das Gelände des Kreidewerkes sah man zu diesem Zeitpunkt den Vorteil, dass es in einem Tal liegen würde und vom Steinbach durchflossen wird. Im Osten und Westen war es zudem gegen scharfe Winde geschützt. Im Norden grenzte das Gebiet direkt an die Stubnitz, was die Möglichkeit der Anlegung eines Kurparks durch die Anpflanzung von Baumgruppen greifbar werden ließ. Hier bot sich - so die Idee - ggf. auch eine Verlegung des Bachlaufes an.

Das Badehaus für den Badebetrieb sollte mit seinen Nebengebäuden an der Ostseite des Geländes errichtet werden, wobei die rückliegenden bewaldeten Höhen gegen die scharfen Nord- und Nordoststürme geschützt hätten. Für die Frontseite war eine Ausrichtung nach Süden und Westen vorgesehen. Dies hätte den Vorteil gehabt, dass diese dauerhaft an der Sonnenseite gelegen hätten. Auch Liegewiesen waren schon Teil der ersten Ideenskizze.

Zwar wäre dafür grundsätzlich der Abriß der zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Schlemmkreide-Fabrikationsanlagen notwendig gewesen, jedoch sah man die geringe Entfernung zur Strandpromenade und zur Ostsee als sehr vorteilhaft an.

Das zweite für das Bauvorhaben vorgesehene Gelände an der Weddingstraße hatte den Vorteil, dass es unmittelbar an das Hochufer der Strandpromenade mit der Ostsee gegrenzt hätte. Auch hier war ein natürlicher Schutz durch die Staatliche Forst gegen scharfe Winde gegeben gewesen. Allerdings befand sich dieses Gelände damals überwiegend in Privatbesitz und hätte käuflich erworben werden müssen. Die auf den Grundstücken befindlichen Gebäude - so die damalige Vorstellung - sollten jedoch gleich für die Badeanlagen zur Unterbringung von Ärzten und Personal genutzt werden.

In beiden Fällen war man auch von einer ergänzenden Anlegeung diverser Freizeitanlagen - wie Tennis- oder Klein-Golf-Plätzen - ausgegangen.

Bereits einen guten Monat darauf erfolgte am 12. April 1935 die Gründung der Rügenschen Kreideheilbad G.m.b.H. Dieser Unternehmung widmen wir uns inhaltlich in unserem nächsten Teil.

Serienstempel für den Briefverkehr des Kreideheilbades Saßnitz

Für diesen Teil unterstützte mich Torsten Seegert bei der Recherche im Stadtarchiv Sassnitz. Bei ihm und dem Stadtarchiv Sassnitz möchte ich mich dafür bedanken, dass nun die Reihe chronologisch fortgeführt werden kann.

(Fortsetzung folgt)

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Weiterführende Links zu "Sassnitzer Heilkreide":
1) Friedrich v. Hagenow und die Sassnitzer Kreide 2) Die Sassnitzer Heilkreide und ihre Zusammensetzung 3) Anwendungsmöglichkeiten der Sassnitzer Heilkreide 4) Aus alten Prospekten / 5. Der Plan zur Errichtung eines Kreideheilbades in Sassnitz 6.) Die Kreideheilbad-Gesellschaft

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