Samstag, 7. April 2018

Schon gelesen? (33) Die neue Zeitschrift "POMMERN"

Ein Gemälde Wilhelm Titels auf der 1. Seite zeigt Kirche und Pfarrhofes Boltenhagen (seit 1951: Neu Boltenhagen)
Gestern hatten wir die neue Ausgabe der Zeitschrift "POMMERN" im Briefkasten. Der Pommersche Greif e.V. setzt damit deren Herausgabe um eine weiteren Ausgabe fort. Vorab soviel: Auch diese Zeitschrift hat es inhaltlich wieder geschafft, zu überraschen...

Da deutsche Rüstungsgeschäfte auch weiterhin Teil der politischen Auseinandersetzung sind und die  Gemüter bewegen, hat die Zeitschrift gleich in ihrem ersten Beitrag ein Achtungszeichen gesetzt, denn:  "Panzerschiffe für China" ist einen interessanten Rückblick auf ein weitgehend unbekanntes Kapitel deutscher Geschichte. Jan Berg, der Autor, schafft es dabei nach einer kurzen Einführung in die politische Großwetterlage des 19. Jahrhunderts (die schon durch die Schlagworte "Protektionismus" und "Handelsbeschränkung" recht aktuelle Bezüge hat!) ein Bild der Stettiner Vulcan-Werft zu zeichnen, dass - trotz des damit im Zusammenhang stehenden ersten deutschen Waffenxportes - durchaus Bewunderung für die sich entwickelnde Werftindustrie in Stettin hervorruft. Grund dafür ist, dass sich die Stettiner Vulcan-Werft in Konkurrenz mit Sir W.G. Armstrong-Whitworth & Co., Ltd., einem bedeutenden britischen Unternehmen, befand und sich in dieser Phase der noch jungen Industrialisierung zu behaupten verstand. 

Interessant in seinem Beitrag zum Stettiner Vulcan durch Wort und Bild!
Im Kontrast dazu macht Volker Rösing einen Ausflug über die Insel Rügen, der sich mit den authentischen Zeitzeugen der Vergangenheit beschäftigt. Da die Insel zweifellos als "steinreich" zu bezeichnen ist, findet sich der Autor auf einer "Spur der Steine" wieder, die ihn letztlich zu den Opfersteinen führt. Der Sinn der Vertiefungen auf deren Oberfläche ist bis heute ungeklar und hat sogar zu einer Furcht unter den Rüganern geführt, die sie um diese Zeitzeugen besser einen Bogen machen ließ. Einer der bekanntesten Steine ist dabei ohne Frage ein Findling unweit der eingegangenen Ortschaft Quotlitz, dem "Ort der Kulota". Schon Friedrich von Hagenow bezeichnete ihn in seiner berühmten Karte von 1829 als "Opferstein", wobei sicher auch ihm nicht die schauerlichen Geschichten der Rüganer entgangen sein dürften...

Die "Spur der Steine" von Volker Rösing führt den Leser auf die "steinreiche" Insel Rügen
Karl-Christian Boenke widmet sich dagegen einem nicht weniger interessanten Thema: Geld. Das ein von Behörden herausgegebenes Tauschmittel auch künstlerischen Ansprüchen gerecht werden kann, beweist der dazu verwendete Scherenschnitt. Dessen Reiz, der in den erzeugten Umrissen liegt, beflügelt bis heute die Fantasie des Betrachters und zieht ihn in seinen Bann. Uns kam dabei unweigerlich die Erinnerung an einen Scherenschnitt, der noch  in Stralsund aufbewahrt wird und die letzte dort stattgefundene Hinrichtung zeigt. Boenkes Betrachtung richtet sich indes auf die noch kunstfertigere Ausführung von Scherenschnitten für lokale Geldscheine in der Hansestadt Gollnow, 20 Kilometer nördlich von Stettin. In seiner Betrachtung bezieht der Autor dabei -  neben dem künstlerischen Aspekt - auch die Gründe für das Aufkommen des Notgeldes, der während des ersten Weltkrieges im Entzug von Gold- und Silbermünzen aus dem Zahlungsverkehr lag, ein. 

Philipp Otto Runge: Mit der musealen Begegnungstätte im Geburtshaus bleibt er Teil des erlebbaren Kulturerbes
Auch der Mittelteil der aktuellen Ausgabe verschreibt sich mit Beiträgen der künstlerischen Darstellung: Da ist zum einen ein Beitrag über das Bild "Maria Loisa, Königin von Etrurien und ihre Kinder" des pommerschen Malers Wilhelm Titel erwähnenswert, zum anderen aber auch eine Betrachtung schmuckreicher Kartuschen, in diesem Falle Zierrahmen für Titelbeschreibungen, auf alten pommerschen Karten. Sportlich wird es dann ab Seite 36. Wie in ganz Deutschland machte die Turnbewegung im 19. Jahrhundert auch um das pommersche Festland keinen Bogen. Und so rückt Karl-Heinz Schroeder die sportliche Entwicklung von Stolp in den Blickpunkt. Auch wenn diese kriegsbedingt im Jahre 1945 endet, so hat er doch mit dem Logo des Fußballklubs von Słupsk, wie die pommersche Stadt seit 1945 heißt, durchaus Parallelen zum Stolper S.V. Victoria 09 ausmachen können. Anlehnend daran widmet sich Klaus Raatz dem Thema Flucht, dass die pommersche Diaspora auslöste, und schildert dabei eindrucksvoll das eigene Erleben dieses einschneidenden Ereignisses. Seinen Abschluß findet die Zeitschrift "POMMERN" dieses Mal in einem hoffnungsvollen Beitrag zur Neugestaltung des Rungehauses in Wolgast, in welchem der pommerche Künstler Philipp Otto Runge 1777 das Licht der Welt erblickte. Es ist heute eine museale Begegnungsstätte von Wolgast.

Die Zeitschrift "POMMERN" wird, seit dem Frühjahr diesen Jahres vom Pommerschen Greif e.V. - dem Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte herausgegeben. Sie ist unter der ISSN 0032 4167 registriert. Die Redaktion liegt bei Dr. Jana Olschewski aus Katzow und Dipl.-Nordist Heiko Wartenberg aus Greifswald. Wir können die Zeitschrift, die vier Mal im Jahr erscheint, für alle an der pommerschen Kultur und Geschichte Interessierten empfehlen. 

Zur aktuellen Internetseite der Zeitschrift "POMMERN" mit Bestellmöglichkeit

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