Freitag, 13. April 2018

Wenn das Lyonel Feininger wüßte...

Eröffnung des Feininger-Rundgangs mit Frank Ilchmann, Bürgermeister Ribnitz-Damgarten, Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer Tourismusverband MV, Rolf Günther, 1. Vorsitzender des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten (Foto: Stadt Ribnitz-Damgarten)
Ribnitz-Damgarten (PA). Im Sommer 1905 besuchte Lyonel Feininger den Uferlauf der Recknitz. Damals - und das ist unbestritten! - lag an der westlichen Uferseite das mecklenburgische Ribnitz und an der östlichen Uferseite das pommersche Damgarten. Es war eine Zeit, in der Feiniger noch nicht zur deutschen Künstlergruppe "Berliner Secession" gestoßen war und auch noch nicht zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne zählte.

Gabi Raskop meinte dazu bereits vor fünf Jahren gegenüber einer Tageszeitung:

„Der Umfang der Ribnitz-Werke im Gesamtschaffen des Deutsch-Amerikaners ist nicht sehr groß. Dennoch stellen Ribnitz und Damgarten einen außerordentlich wichtigen Bezugspunkt im Werk des Künstlers dar. Denn die Zeichnungen, Holzschnitte, Radierungen und Aquarelle, die zu Motiven aus Ribnitz und Damgarten entstanden sind, spiegeln entscheidende Entwicklungsphasen in Feiningers künstlerischem Werk wieder.“

2013 kam es übrigens zu dem Ankauf von zwei Original-Zeichnungen des Künstlers, die so wieder an das Ufer der Recknitz, den Ursprung ihrer Entstehung, zurückkehren konnten. Nun wird - Dank der Ostdeutschen Sparkassenstiftung! - eine weitere Zeichnung mit lokalem Bezug "heimkehren"... 

Und nicht nur das: Auch ein Feininger-Rundgang soll zukünftig weitere Gäste in die Doppel-Stadt locken, die dann auf den Spuren Feiningers die ehemalige Kreisstadt Ribnitz-Damgarten entdecken, die 1950 gegen den Willen der beiden damaligen Stadtvertretungen zusammengelegt wurde. Dazu sind zehn Stelen in den für den Bauhausstil typischen Farben (rot, blau und gelb) errichtet worden, die mittels eines rechteckigen Ausschnitts den Blick des Künstlers auf seine damaligen Motive rahmen. 

Der Rundgang führt dann vom Klosterhof über das mittelalterliche Stadttor und den Hafen bis in die Stadt. Wer dafür einen praktischen Begleiter sucht, findet ihn - wie zu erfahren war - in einer informativen Broschüre, die nicht nur die Blickwinkel des Künstlers dokumentiert, sondern auch Feiningers Schaffen bebildert und Anekdoten zur Stadtgeschichte zum Besten gibt. Sie ist in der Galerie im Kloster und in der Tourist-Information mehrsprachig und kostenfrei erhältlich. Anhänger der Kunst Lyonel Feiningers können zudem eine sehenswerte Dauerausstellung in der Galerie im Kloster besuchen.

Das man heute so an den bedeutenden Künstler erinnert, dürfte selbst Lyonel Feininger überraschen, wenn er es noch erlebt hätte. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, das er die pommersche Küste liebte. Feininger zog es auch nach Rügen, Usedom oder Deep. In dem zuletzt genannten Fischerdorf weilte er in dem warmen Sommermonaten sogar über mehrere Jahre und so ist es nicht verwunderlich, dass hier Arbeiten wie "Yachtrennen" (1925), "Kutterklasse" (1929) oder die "Schwarze Welle" (1937) entstanden.

Da aber eine lokale Tageszeitung dieser Tage fälschlicherweise berichtete, dass Feininger 1905 in Ribnitz-Damgarten gewesen wäre, sei eines abschließend versichert: Nur weil Deep heute auf polnisch Mrzeżyno oder Hoff nun Trzęsacz heißt, hat Feininger dennoch nie ein polnisches Fischerdorf besucht. Dies mag eine bittere Erkenntnis für die heutige Vermarktung sein, aber: Die Bilder Lyonel Feiningers sind die Reflektion einer Kulturlandschaft, die es heute so nicht mehr gibt...