Sonntag, 22. April 2018

Wenn Wahlen zu Gewinnspielen werden...

Liebe Rüganer,
habt Ihr die "Neuen" auch schon gesehen? Man hat sie an den Laternenmasten aufgehängt; die Plakate zur Landtagswahl. Die Kandidaten? Sie lächeln fröhlich von oben herab. Wohl dem der eine "Schokoladenseite" für ´s Foto hat...

Schon zu Ostern gab es die ersten Gewinnspiele für die Bürger: Einer der Kandidaten, der meinte, dass schon soviel Gutes, Sehens- und Liebenswertes entstanden wäre, bot sich schon mal selbst an, unseren Landkreis noch lebenswerter zu gestalten. Und damit das alles nicht wie eine der gewohnten Phrasen aussieht, gab ´s einen handfesten Abschlag  auf den "6er" Hauptgewinn auf die richtige Lösung seines Rätsels. Ostseeinsel mit sechs Buchstaben? "Ruegen!" - Aber wird Rügen nicht mit "ü" geschrieben? Nun, in einer Partei, die "C wie Zukunft" plakatiert... Nein, so einfach macht man sich diese Wahl wohl nicht...

Nur wer mitspielt, kann gewinnen!
Das zeigt sich schon in Binz. Hier sollte zeitgleich, am 27. Mai 2018, die Bürgermeisterwahl stattfinden. Doch zum Amtsinhaber fand sich wirklich kein Binzer Gegenkandidat! Nun wird es also nur noch einen Sparingspartner geben. Der kommt aus Sachsen. Und das klang zunächst vielversprechend, denn: Wenn in Deutschland irgendwas schief läuft, sind ja die Sachsen oder die Russen Schuld. Doch: Die anfangs erzeugte Neugier legte sich bereits nach wenigen Wochen. Die Frage - so ein Freund, der den Gegenkandidaten kennen lernte - lautet hier also nicht mehr: "Alles Müller? Oder was?" Für den Amtsinhaber trotzdem ein Glücksfall - Ihm bleibt ein Bürgerentscheid ("Wollen Sie, dass der Bürgermeister im Amt bleibt?") erspart.

Um das Amt und die Bürgermeisterwahl ging es auch vor 2 Jahren und 5 Monaten in Sassnitz. Immerhin gab es hier - im Gegensatz zu Binz - noch einen echten Wahlkampf. Doch nach einem Drittel der Amtszeit des "Neuen", will sich auch bei wohlwollendem Blick auf die Stadt keine Verbesserung feststellen. Es blieb bei der Benennung der Probleme. Aber lassen wir an dieser Stelle doch den Bürgermeisterkandidaten Frank Kracht (vor der Wahl am 20.09.2015) zu Wort kommen...
Der Kandidat ist im Amt - Was hat sich geändert?
"Ich möchte, dass wir das Kurgebiet Dwasieden zum Thermal- und Kreideheilbad entwickeln und Sassnitz den Titel als staatlich anerkanntes Kreideheilbad verliehen bekommt. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal für uns in Mecklenburg-Vorpommern."

"Wir brauchen dringend Maßnahmepläne für Bürgersteige, Radwege, Straßen und Beleuchtung, Sitzmöglichkeiten, Papierkörbe, Hundetoiletten und Spielplätze. Sie werden mir zustimmen: Da ist noch viel zu tun."

"Ich werde anregen in allen Ortsteilen von Altsassnitz bis Lancken Ortsteilbeiräte ins Leben zurufen, die aktiv bei der Entwicklung unserer Stadt mitwirken."

"Ich werde den bürgerfreundlichen Service im Rathaus weiter ausbauen und einen Gemeindebrief als Informationsquelle für alle Einwohnerinnen und Einwohner schaffen."

"Die Sanierung und der Ausbau unser Kindertagesstätten, Schulen und Sportanlagen ist ebenfalls wichtig. Nur so können wir die Attraktivität unserer Stadt erhöhen."

"Private Investoren möchte ich motivieren, bauliche Mißstände zu beseitigen. Sie sehen, es gibt noch viel in Sassnitz zu tun und dies ist nur ein kleiner Teil der Aufgaben, die wir in Angriff nehmen müssen. Dadurch finden hoffentlich auch junge Familien den Weg zu uns nach Sassnitz."

Heute lautet wohl für die Mehrheit seiner Wähler: Die Wahl gewonnen, das Vertrauen verspielt. Dazu kann man in Sassnitz genügend Geschichten hören. Eine von Ihnen geht so: Ein Bürger wendet sich am 10. April 2018 an den Bürgermeister, um ihn auf das Thema fehlender Hundetoiletten (Tütenspender im Verhältnis zu den vielen Hundebsitzern) und Müllbehälter im Rügener Ring aufmerksam zu machen (s. a. Punkt 2 der vom Bürgermeisterkandidaten genannten Wahlziele)...

Der Bürgermeister dazu am 17. April 2018:
"...Ihre Einschätzung im Wohngebiet Rügener Ring wären nicht ausreichend Hundetoiletten und Müllbehälter vorhanden, teile ich jedoch nicht. Die dokumentierten Verschmutzungen sind schon sehr unschön und ärgerlich. Ursächlich dafür sind aber nicht in erster Linie fehlende Entsorgungsmöglichkeiten, sondern die Verantwortungslosigkeit einiger Hundebesitzer."

Natürlich kann man der Ansicht sein, dass es ausreichend Hundetoiletten im Rügener Ring gibt. Aber die machen letztlich (Anzahl hin oder her) auch wenig Sinn, wenn sie nicht mit Tüten bestückt werden. Da geht es dann wie an diesem Sonntag wieder daneben:

Eine kleine Impression des heutigen Tages...
Und wo wir gerade dabei sind. Wer in höherem Alter im Rügener Ring wohnt und auf die Idee kommt im Lidl einzukaufen, benötigt zwei Dinge: Mut und Kondition. Mut, falls er etwas auf dem Weg dorthin wegwerfen möchte und dafür zu einem Mülleimer auf der gegenüberliegenden Straße sprinten möchte und Kondidtion, um in einem Zug die gesamte Wegstrecke zurückzulegen. Zugegeben, in Sassnitz wollte man dies für die Einwohner mit einem "Trim Dich Pfad" lösen. Nur leider haben nicht alle Bewohner des Rügener Ring das "Goldene Sportabzeichen" erworben.

Klar, meckern kann jeder. Also, vielleicht müssen wir bei den anstehenden Wählen einfach versuchen, die "Trefferquote" beim Ankreuzen zu erhöhen. Noch ist Sassnitz nicht verloren und unsere Insel Rügen auch nicht...

6 "Richtige" in fünf Wochen wünscht Ihnen
Hans Hegel

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