Sonntag, 6. Mai 2018

Gojko Mitic in Sassnitz

Der lange Ritt nach Rügen: Die Begrüßung? ...mit tosendem Applaus!
Sassnitz (SAS). Wer kennt ihn nicht? Gojko Mitić. Er war nicht nur einer der populärsten DEFA-Schauspieler, sondern auch einer der Erfolgreichsten. Schon sein erster Streifen für die Babelsberger Filmschmiede, die "Söhne der großen Bärin" , zog 1966 über 40 Millionen Besucher in die Kinos. Nun war er also da, endlich in Sassnitz.

Eingeladen wurde er zu der Veranstaltungsreihe "Treffpunkt Sassnitz", die schon einige prominente Gäste begrüßen konnte. Gojko Mitić ist dabei - gemessen an seinem Publikumserfolg - natürlich etwas Besonderes. Dies lässt der DEFA-Schauspieler allerdings nicht aufkommen. Er wirkt in sich ruhend, bisweilen selbstironisch und dennoch klar und unmissverständlich, wenn er seine Sicht auf die Dinge umreisst.

Wir sind noch vor dem offiziellen Einlass gekommen und sprechen in der Broiler-Bar des Rügen-Hotels über den bevorstehenden Nachmittag. Mit dabei: Brigitte Miesen vom Studio Hamburg Enterprises. Sie hat - gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins Kreideheilbad Sassnitz und dem Team des Rügen-Hotels einen großen Anteil am Gelingen der Sassnitzer Veranstaltungsreihe. Heute hat sie dafür nicht nur einen "Ritt" (auf einigen Pferdestärken) mit Gojko Mitić nach Rügen auf sich genommen.

Erinnerungen an große Kinoerfolge gab es über die Leinwand
Gojko Mitić, der nicht nur unser Idol der Kinder- und Jugendjahre ist, wird auch vom Publikum des heutigen Nachmittags mit einem tosenden Applaus begrüßt. An die 80 Gäste haben dabei ihren Weg ins Rügen-Hotel gefunden.
Norbert startet mit den ersten Fragen an Gojko Mitic
Hier dreht sich natürlich alles erst einmal darum, wie Gojko Mitić zum Film kam, wie sehr er sich auch mit den Rollen der Häuptlinge identifizierte, die er spielte, und warum er Probleme hatte, eine Friedenspfeife zu rauchen. Daneben werden Episoden erzählt und manchmal auch mit vorgeschnittenen Szenen zu Filmen unterlegt, die eine erklärende Kommentierung erhalten. Schnell ist man wieder miiten drin - in diesem Gefühl von damals:

Eindrucksvoll erzählte Gojko Mitic von seinen Stunts, die er alle selbst machte
Gojko reitet, springt und paddelt. Er ist der unschlagbare Held, dem die Zuschauer schon damals für seine Sportlichkeit und körperliche Fittness, seine Ausstrahlung und die hehren Ziele, die er mit seinen Rollen verkörpert, bewunderten. Eigentlich kein Wunder, dass er selbst in den Vereinigten Staaten mit offenen Armen von den Indianern aufgenommen wurde und von nun "Wolf" genannt wird. Schließlich gab er ihnen mit seinen Filmen auch ein Stück weit ihrer Würde zurück.

Wie alle Gäste der Veranstalsungsreihe erhielt auch Gojko Mitic seinen Hünergott als Glücksbringer
Indianer zu sein, war in den DEFA-Filmen eben etwas anderes als in den Hollywood-Streifen. Zudem waren die ostdeutschen Indianerfilme stark an die Realität angelehnt, im Gegensatz zu den Winnetou-Verfilmungen. Dennoch, dass betont auch Gojko Mitić, war Karl May zweifellos der Vorreiter für die positive Aufnahme der Indianer in Deutschland und Europa.

Da staunte auch der "Häuptling" nicht schlecht: Autogrammkarten aus mehreren Jahrzehnten
Daneben, und das war wohl vielen bis heute weniger bekannt, spielte Gojko Mitić aber auch ganz anderen Rollen. Neben Agnes Kraus und Rolf Hoppe und später sogar einmal als Bösewicht. Darüber sollte jedoch nicht seine Regiearbeit bei der populären Serie von "Jan und Tini auf Reisen" im DDR-Kinderferien vergessen werden.

Wer jedoch einen ganz harmonischen Nachmittag erwartet hatte, wurde auch hier überrascht, denn: Der Jugoslawienkrieg (1991-2001) wurde ebenso kritisch betrachtet, wie die Vernichtung unserer Natur - nicht nur auf Rügen. Die Kritik an dem Umgang mit der "Mutter Erde" gestaltete Gojko Mitić auch durch Zitate von Indianern sehr authentisch und am Ende des Nachmittags verlieh er seiner Kritik am Raubbau an Mutter Erde auch musikalisch Ausdruck. Beide Themen trafen dabei auch den Nerv der Anwesenden, die ihm für seine klaren und kritischen Worte Respekt zollten.

So zitierte er u.a. Tatanga Mani (1871 - 1967), vom Volk der Stoney mit den Worten:
"Vieles ist töricht an Eurer sogenannten Zivilisation. Wie Verrückte lauft ihr weißen Menschen dem Geld nach, bis ihr soviel habt, daß ihr gar nicht lang genug leben könnt, um es auszugeben. Ihr plündert die Wälder, den Boden, ihr verschwendet die natürlichen Brennstoffe, als käme nach Euch keine Generation mehr, die all dies ebenfalls braucht. Die ganze Zeit redet ihr von einer besseren Welt, während ihr immer größere Bomben baut, um jene Welt, die ihr jetzt habt, zu zerstören..."


Es ist zweifellos einer der bewegensten Veranstaltungen von "Treffpunkt Sassnitz" gewesen, auch weil Gojko Mitic es verstand, diese Inhaltlich so unterhaltend wie kurzweilig zu gestalten, dass man am Ende verdutzt zur Uhr schaute und sich wunderte, wo die Zeit geblieben wäre. Der DEFA-Schaupieler nahm sich dabei für die zahllosen Autogramm-Wünsche die Zeit und hatte auch weit nach der Veranstaltung alle Hände voll zu tun. Eine der wohl schönsten Episoden dieses Nachmittags war ein weiblicher Fan, der eine ganze Galerie an Karten mit Autogrammen über Jahrzehnte hinweg gesammelt hatte. Das soviel Treue am Ende mit einem gemeinsamen Foto belohnt wurde, war für Gojko keine Frage.
Das Organisationsteam von "Treffpunkt Sassnitz" mit Gojko Mitic
Der Dank der Gäste ging am Ende an den Gast Gojko Mitic und das Organisationsteam vom "Treffpunkt Sassnitz", dass neben Brigitte Miesen vom Studio Hamburg Enterprises, von den Mitgliedern des Vereins Kreideheilbad Sassnitz und vom Team des Rügen-Hotels gestellt wird.