Mittwoch, 30. Mai 2018

Heimatkunde: Unsere Tracht

Historische Mönchguter Tracht getragen von K. Berndt (Foto: Wiesenberg / PA)
Ein Beitrag von Torsten Seegert

Über die Entstehung von Trachten streiten sich die Geister. Das es sie schon seit längerer Zeit gibt, steht dagegen außer Zweifel. Präsent ist bei uns vor allem der Gedanke an die Mönchguter Tracht. Sie findet bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Erwähnung, ihre Beschreibung erfolgt aber erst an der Schwelle zum 19. Jahrhundert. 

Es kann dabei kein Zufall sein, dass sie in ähnlicher Form auch auf den pommerschen Inseln Ummanz, Hiddensee und Usedom oder auf der Halbinsel Darß Verbreitung fand. Das Bewußtsein und Interesse an Trachten bildete sich jedoch erst im Zuge der Heimatbewegung aus, als man - im späten 19. Jahrhundert - sich auf die regionalen Besonderheiten besann und mit ihnen eine gewisse Romantik verband.

Dennoch war eine Verdrängung der Mönchguter Tracht zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufzuhalten. Wie rasant diese im Zeitalter des wachsenden Fremdenverkehrs auf der Halbinsel Mönchgut stattfand, geben zwei Erhebeungen wieder. Wenn man ihnen glauben mag, sollen zu Beginn des ersten Weltkrieges noch etwa 10% der Bevölkerung eine Tracht angelegt haben, 1930 waren es gerade noch etwas über vier Dutzend der Bewohner der Halbinsel. Dies legt zumindest nahe, dass sich die Mönchguter Tracht selbst als Tradition nicht den Einflüssen von außen entziehen konnte. Allerdings muss man dazu auch erwähnen, dass bereits die Mönchguter Tracht unter dem Einfluß der Mode stand, anders ist beispielsweise das Tragen eines Zylinders nicht erklärbar. Schließlich wird er der Zeit der Napoleonischen Kriege am Anfang des 19. Jahrhunderts zugeordnet und wird auch zu dieser Zeit Bestandteil der Berufstrachten. Daneben wurden auch Strohhüte bei Frauen und Schirmmützen bei Männern beliebt.

Sonntagstrachten von Mönchgut (Foto/Repro: Stralsundisches Heimatmuseum/PA)
Die Mönchguter Tracht war in ihrer Art einfach und zweckmäßig. Sie war in weiten Teilen selbst hergestellt und symbolisierte auch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Das sie, wie beispielsweise in den Göhrener Heimatmuseen noch erhalten blieb, ist bis heute Menschen zu verdanken, die um den Wert dieser Dinge wussten. Zu Recht findet dabei immer wieder Ruth Bahls Erwähnung, die mit ihrer Sorgfalt, die Trachtenteile zusammenstellte und sie über das bereits erwähnte Museum wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte. Damit machte sie die Mönchguter Tracht auch ein Stück weit lebendiger als andere pommersche Trachten, wie die Jamunder, die Treptower oder die der Kaschubei. Auch bedingt durch ethnischen Vertreibungen jenseits der Oder ist deren Tradition weitgehend abgerissen und tritt so leider nur noch in einigen wenigen Kreisen der Diaspora auf, deren Ende absehbar ist.  

Gestrickte "Pottmütze" für Männer auf Mönchgut (Foto/Repro: Stralsundisches Heimatmuseum/PA)
Nach Fritz Adler hatten das Auftreten der pommerschen Trachten zum Zeitpunkt seiner Untersuchungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu der Annahme geführt, dass diese Gebiete untereinander in keinem direkten Zusammenhang gestanden haben. Jedoch nimmt auch er das pommersche Küstengebiet – zwischen der Halbinsel Darß und dem Lieper Winkel bewußt aus. Die Gemeinsamkeiten bestehen u.a. in den weiten weißen bzw. schwarzen Fischerhosen der Männer, die praktisch waren, wenn es zum Aufschlagen des Wassers kam. Außerdem weckten die Kegelmützen sein nachhaltiges Interesse. Er setzte sie sogar in Bezug zu einer Bauerntracht aus dem Land Barth, welche auf einem alten Kupferstich (um 1600) erkennbar gewesen sein soll. Allerdings wurden diese Kegelmützen Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch von Mädchen im Alter zwischen 10 und 14 jahren getragen, die Frauen trugen da bereits eine Mütze, die sich durch mehrere Steppstiche über den Scheitel neigte.

Traditionelle Mönchguter Weste (Foto/Repro: Stralsundisches Heimatmuseum/PA)
Als Werbeträger wurde die Mönchguter Tracht bereits in den 30er Jahren für die Halbinsel Mönchgut durch Tom Beyer eingesetzt. Diese Symbolik für diesen charakteristischen Landstrich Rügens setzte sich auch in der Zeit der DDR fort. Hier wurde ihr sogar eine Briefmarke gewidmet. Auch heute wird die Bedeutung der Mönchguter Tracht wieder als Mittel der Identifikation eingesetzt. Es ist dabei keineswegs ein Zufall, dass die Mönchguter Trachtengruppe oder die Jasmunder Plattdänzer auf dieses kulturelle Erbe der Insel Rügen Bezug nehmen.