Dienstag, 29. Mai 2018

Landratswahl: Ulrich auf Rügen ein Sieger...


Liebe Rüganer!
"...nach der Wahl ist vor der Wahl." Diese geradezu abgedroschene Phrase hätte eigentlich bei der Kommentierung dieser letzten Landratswahl noch einmal durch die Medien benutzt werden müssen, denn bei der vergangenen Landratswahl hat es einen Ulrich-Faktor gegeben! Der lässt sich nur schwer bei der Analyse wegdiskutieren und er bleibt für die verbliebenen Kandidaten zur Stichwahl am 10. Juni 2018 ein "großer Unbekannter"...

Beide Kandidaten für die Stichwahl - Andreas Kuhn (CDU) und Dr. Stefan Kerth (SPD) - könnten bei aller Feierlaune am Sonntag, am darauffolgenden Montag bereits einen ganz schönen Kater gehabt haben. Denn der parteiunabhängige Rüganer Steffen Ulrich war nicht nur "überraschend stark" (wie eine Tageszeitung schrieb) sondern er hat die Wahlen auf der Insel weitestgehend für sich entscheiden können.

Beispiel Bergen: Hier konnte man dem Landratskandidaten Steffen Ulrich nicht annähernd das Wasser reichen. Er erhielt mit 956 Stimmen soviel Stimmen wie die Kandidaten von CDU und SPD zusammen. Beispiel Binz: Hier führten Kuhn (CDU) und der Rüganer gemeinsam das Feld an. Beispiel  Garz: Auch hier führte Ulrich. Beispiel Gingst: Auch hier lag Ulrich unangefochten vorn. Beispiel Lohme: Auch hier war Ulrich der Spitzenplatz nicht zu nehmen. Beispiel Putbus: Ulrich war unschlagbar. Gleiches ist aus Sellin, von Mönchgut oder aus Sassnitz zu vermelden. Seine alte Heimatstadt Sasnitz gab ihm mit 793 Stimmen sogar einen deutlichen Rückwind, um die beiden Festland-Kandidaten mit Parteibuch deutlich zu deklassieren.
(Quelle: Kreiswahlleiter Vorpommern-Rügen)
Wird noch mal für die Stichwahl gebraucht: Die Wahlbenachrichtigung. Nur wen wählen?
Fragt sich nur, warum sich Vincent Kockert (CDU) dann zu dieser Einschätzung hinreißen ließ:

"Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern ist im Aufwind, die Menschen trauen uns zu, dass wir die Probleme in unserem Land nicht nur bestaunen, sondern auch lösen können."

Dahinter darf man auf Rügen ein großes Fragezeichen setzen. Vielleicht, vielleicht hatte er zu diesem Zeitpunkt aber auch noch keine Zahlen zur Landratswahl auf der Insel Rügen vorliegen. Eines dürfte vielen Parteistrategen nun jedoch klar sein: Nichts ist mehr sicher. Weder für die CDU noch für die SPD oder andere Parteien. Die Wähler erreichen diese Parteien immer weniger, Materialschlacht dank Wahlkampfrückerstattung durch den Steuerzahler zum Trotz. Und: Die Parteien und ihre Kandidaten sind längst nicht mehr unschlagbar. Die schleichende Erosion geht weiter... 

Auf Rügen wäre Steffen Ulrich also "unser Landrat" geworden und hier hätte er aus den Parteien nicht mal einen ernsthaften Gegenkandidaten gehabt. Wen hätten CDU und SPD auch noch aufstellen sollen? Nun fragt sich nur, wie die beiden Parteigänger mit dem Ulrich-Faktor umgehen wollen? Wenn sie auf Rügen keine Probelem sehen, dann dürfte es sich wenigstens um Herausforderungen handeln. Dazu zählt auch die Unfähigkeit die Bürger zur Wahl zu mobilisieren, denn diese Wahlbeteiligung war einfach nur erschreckend. Denen, die ihre Stimme nicht einfach abgaben sonden sie klug gewichteten, kann man nur gratulieren. So wie Steffen Ulrich, der den Mut hatte, seinen Hut in den Ring zu werfen und vielen Rüganern eine Wahl wert war.


Hans Hegel

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