Samstag, 19. Mai 2018

Stadtbild von Sassnitz in Gefahr!


Weiße Stadt am Meer oder doch Berin-Marzahn?

Ein Gastbeitrag vom  "Sprecherrat der WEG Am Lenzberg"

In den vergangenen Jahrzehnten wurden in Sassnitz städtebaulich einige wichtige Weichen gestellt. Es wurde darauf geachtet, daß Investoren bei Neubauten und Sanierungen das Stadtbild bereicherten. Ein wichtiges Kriterium war auch, sorgsam die Geschoßhöhe zu beschränken, um „Monsterbauten“ zu verhindern. 

Für die Gestaltung des Stadtgebietes  „Rügener Ring“ (dazu gehört auch die Granitzer Straße), ehemals geprägt von schmucklosen, fünfgeschossigen Plattenbauten, wurde ein Berliner Professor mit der Erstellung einer Studie „Stadtumbau Ost“  beauftragt.  Darin wurde festgestellt, daß zur Verschönerung des Stadtbildes ein Rückbau der Geschoßhöhen erfolgen müßte. Mit Hilfe von staatlichen Fördermitteln wurde der „Stadtumbau Ost“ im Rügener Ring in die Tat umgesetzt und Geschosse reduziert. 

Die bisherigen erfolgreichen Bemühungen könnten nun in Gefahr geraten. Im Herbst letzten Jahres wurde bekannt, daß die städtische WoGeSa den bisher fünfgeschossigen Block in der Granitzer Straße auf sechs Geschosse erhöhen will. Diese Baumaßnahme war nicht ohne weiteres genehmigungsfähig, da sich der geplante Sechsgeschosser durch Überschreitung der üblichen Geschoßhöhe nicht in die nähere Umgebung einfügen würde. Deshalb wurde von der Stadt Sassnitz ein B-Plan-Verfahren angestrengt. 

Am Mittwoch um 17:00 Uhr wird sich der Bauausschuß nun mit dieser Angelegenheit auseinandersetzen. Im Vorfeld hatte sich bereits Widerstand von Sassnitzer Bürgern gegen das Bauvorhaben erhoben – im Kern Einwohner der Straße „Am Lenzberg“, die vor 18 Jahren Wohneigentum geschaffen hatten. Da die meisten von ihnen selbst in den 24 Eigentumswohnungen leben, ist der Immobilienwert auch deren Altersvorsorge. Nach Meinung von Bausachverständigen gilt es als sicher, daß durch eine Aufstockung auf sechs Etagen in der Granitzer Straße die Immobilienpreise „Am Lenzberg“ in unmittelbarer Nachbarschaft mit Blick auf den Betonklotz deutlich sinken werden. Die Altersvorsorge der Betroffenen ist in Gefahr! Macht man sich bewußt, daß in dem 6.Geschoß der Granitzer Straße lediglich zwei neue Wohnungen entstehen sollen, so steht allein der wirtschaftliche Schaden und die gefährdete Altersvorsorge, den die Eigentümer der 24 Wohnungen „Am Lenzberg“ erleiden würden, in einem wirklich absurden Verhältnis. 

Zudem wäre das Stadtbild erheblich gestört. Die WoGeSa meint, daß ein 6.Geschoß städtebaulich vertretbar wäre, da im Rügener Ring in mittelbarer Nachbarschaft bereits Mehrfamilienhäuser mit fünf Geschossen vorhanden sind. Schaut man jedoch genauer hin, wird deutlich, daß die Fünfgeschosser des Rügener Rings auf 72 m ü.d.M. belegen sind, die der Granitzer Straße auf 82 m ü.d.M. Im direkten Vergleich  erscheint der Fünfgeschosser der Granitzer Straße bei einem Höhenunterschied von 10 Metern ganze drei Vollgeschosse höher als die des Rügener Rings in unmittelbarer Umgebung. Konsequenterweise müßte man eine Reduzierung der „Altbausünde“ um 3 Geschosse vornehmen, damit sich die Fünfgeschosser in der Granitzer Straße wieder in das Stadtbild einfügen. Eine Aufstockung eines zusätzlichen sechsten Geschosses auf ohnehin höherem Baugrund würde dieses oben beschriebene Erscheinungsbild weiter verschärfen.

Bauherren und Investoren wurden deshalb in der Vergangenheit in unzähligen Beispielen zurecht in der Bauplanung hinsichtlich der zulässigen Geschoßhöhen reglementiert.  Sollte nun in der Granitzer Straße mit der Zulassung von sechs Geschossen ausgerechnet eine stadteigene Wohnungsgesellschaft bevorzugt behandelt werden, was anderen Investoren nachvollziehbarerweise strikt verweigert wurde, so hinterließe dies einen mehr als faden Beigeschmack. Zudem hat sich die Stadt Sassnitz den Zielen der ISEK (integriertes Stadtentwicklungskonzept) verpflichtet. In diesem Konzept wird beklagt, daß in den letzten Jahren die Einwohnerzahl stetig gesunken ist (2004: 10.990; 2015: 9.950). Das macht sich auch beim Wohnungsleerstand bemerkbar. 

Im Wohngebiet des Rügener Rings waren im Jahr 2015 von 1.151 Wohnungen 154 leerstehend. Das entspricht einer Leerstandsquote von 13,4 %, Tendenz steigend. Im Stadtgebiet Rügener Ring ist weiterhin ein Versorgungsproblem zu beklagen, welches auch nach intensivem Engagement des  Bürgermeisters nicht gelöst werden konnte. Deshalb wird durch ISEK als Handlungsziel die Fortsetzung des Wohnungsrückbaus angemahnt. Eine Aufstockung in der Granitzer Straße würde die Grundsätze des Stadtentwicklungskonzeptes eklatant verletzen! 

In einer Rücksprache mit Mitarbeitern einer externen Baubehörde wurde sogar aus fachlich fundiertem Munde die Befürchtung geäußert, daß bei einer Genehmigung eines sechsten Geschosses in der Granitzer Straße rechtlich Türen und Tore geöffnet werden für weitere 6.Etagen im Bereich des Rügener Rings. Was für ein Wahnsinn…

Wir hoffen, daß die Stadtväter mit  gebotener Weitsicht die Genehmigung des B-Plans Granitzer Straße im Sinne der Sassnitzer Bürger und des Sassnitzer Stadtbildes verhindern werden. Am kommenden Mittwoch besteht die Gelegenheit, einen Riegel vorzuschieben.