Montag, 21. Mai 2018

Zwischen Sund und Kap Arkona (25)

Blick auf das Ziel des Aufstiegs: Der Lotsenturm
Ein Beitrag von Torsten Seegert

Zu den Traditionen von Gästen der Insel gehört oftmals ein Pfingstwochenende auf dem Zeltplatz von Thiessow, denn: Wer einmal kommt, kommt meist wieder. Zumal, wenn das Wetter noch mitspielt, wie in den vergangenen Tagen. Auch im Ort selbst gibt es dabei schon einige kleine Traditionen für die Thiessower Gäste: Eine Stippvisite bei Eules Strandimbiss, wo "Lenchen" das beste Bauernfrühstück servieren soll, ein Besuch von Klein Zicker oder ein Aufstieg auf den Lotsenberg am Süd Pehrd (auch Südperd). 
Rast auf dem Lotsenberg mit Blick zum Nord Pehrd (Nordperd)
Und: Egal ob man den Feldweg oder die Treppe am Weg (zum Strand) nutzt, der Ausblick den der Lotsenturm schon aus der Ferne zu versprechen scheint, treibt zusätzlich an. Darum ist er auch uns einen Streifzug über die Insel wert.

Backsteinbau am Fuße des Lotsenturms: Hier informieren Tafeln zur Geschichte der Oberwache
Wer mehr zu der Funktion der Thiessower Lotsenwache erfahren möchte, erhält einige der wichtigsten Informationen bereits am Fuße des Lotsenturms. Hier berichten in einem kleinen Backsteinbau mehrere Tafeln alles Wissenswerte: Bedingt durch den Schiffsverkehr vor dem Süd Pehrd hatte man gleich zwei Wachen eingerichtet - eine Unter- und eine Oberwache. Die Unterwache befand sich dabei im Ort, unweit der Wohnung des Lotsenkommandeurs. Sie bestand zunächst aus einer hölzernen Seetonne. In das Innere konnte man damals hineinkriechen und ggf. die Singalglocke läuten. Später (1861) wurde dann ein Wachhäuschen eingerichtet, welches aber - dank dem Einzug elektrischer Leutwerke - überflüssig wurde.

Greifswalder Bodden: Im westlichen Teil Wassertiefen 8 Meter, im Osten sind viele Schwellen und Untiefen
Die Oberwache aber wurde auf dem Lotsenberg (36 m ü. HN) errichtet. Zunächst soll sie in dem ehemaligen Ruderhaus eines Schiffes ihre Funktion erhalten haben, später (1854) errichtete man dafür jedoch eigens ein Gebäude. Dieses war zunächst ein Flachbau, der dann aber - wegen der nötigen Aussicht - aufgestockt wurde. Als dann allerdings die Bäume in die Höhe wuchsen und letztlich die Sicht versperrten, eine Investition in den Bestand nicht in Frage kam, da beschloß man den Neubau eines Lotsenwachturmes in direkter Nachbarschaft auf dem Berg. 

Aufstieg auf den Turm mit einem faszinierenden Wellenspiel am "Großen Strand"
Er sollte 11 Meter hoch werden, bestand aus einer Stahlkonstruktion und war mit Holz verschalt worden. Am 8. November 1909 wurde er in Betrieb genommen. Damit war die alte Wachhütte natürlich nicht mehr notwendig, wurde wieder auf den Flachbau zurückgebaut und ist heute das Gebäude auf dem Lotsenberg, welches die Ausstellung zu seiner Geschichte beherbergt. 

Blick durch das Gitterrost ist möglich...
Der heute (für einen Euro) zu besteigende Lotsenturm aber lehnt sich im Wesentlichen, was deren Außenwirkung angeht, an den historischen Vorgänger an. Er wurde im Jahre 2003 errichtet und ermöglicht durch seine Höhe von 13 Metern einen weiten Blick über die pommersche Küste. An Tagen mit guter Sicht, lässt sich bis zu den Inseln Wollin, Usedom und Greifswalder Oie oder aber über die Insel Rügen schauen. Gleich gegenüber dem Süd Pehrd ist natürlich das Nord Perhd bei Göhren, aber auch die Zickerschen Berge oder die Granitz zu sehen. 

Der schönste Blick? Zum "Großen Strand" und zum Süd Pehrd
Wer mit der Erklimmung von Höhe so seine Probleme hat, aber auf den Ausblick nicht verzichten möchte, sollte nicht nach unten schauen - auch weil die Stufen aus Gitterrosten gefertigt wurden. Dennoch entschädigt am Ende der weite Blick über das Land am Meer die Überwindung. Sicher eines der Höhepunkte, die man als Rüganer oder Gast erleben kann, zumal sich sein Besuch mit einem Strandaufenthalt (feinsandig!) verbinden lässt. 

Zur Übersicht noch einmal ein Blick auf die Karte
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