Freitag, 1. Juni 2018

Böhmen liegt am Meer...

Die Galerie Rotklee in der Stadt Putbus
Putbus (PA). Am heutigen Freitag, den 1. Juni 2018, wird um 18 Uhr die Ausstellung "Rotklee XXI. - Böhmen liegt am Meer"eröffnet. Das wiederkehrende Motiv hat seither viele deutsche Dichter und Künstler bewegt, obgleich es seinen Ursprung wohl findet in Shakespeares Wintermärchen „Bohemia. A desert country near the sea.“
Natürlich ist die europäische Mittellage und die Entfernung zur Ostsee bekannt, dennoch darf man nicht vergessen, dass auch Karl der IV., jener römisch-deutsche König, seine Macht bis an die pommersche Küste auszudehnen verstand. Die Dichterin Inge Bachmann interpretierte die Zeile so:

 Sind hierorts Häuser grün, tret ich noch in ein Haus.
Sind hier die Brücken heil, geh ich auf gutem Grund.
Ist Liebesmüh in alle Zeit verloren, verlier ich sie hier gern.

Bin ich's nicht, ist es einer, der ist so gut wie ich.

Grenzt hier ein Wort an mich, so laß ich's grenzen.
Liegt Böhmen noch am Meer, glaub ich den Meeren wieder.
Und glaub ich noch ans Meer, so hoffe ich auf Land.

Bin ich's, so ist's ein jeder, der ist soviel wie ich.
Ich will nichts mehr für mich. Ich will zugrunde gehen.

Zugrund - das heißt zum Meer, dort find ich Böhmen wieder.
Zugrund gerichtet, wach ich ruhig auf.
Von Grund auf weiß ich jetzt, und ich bin unverloren.

Kommt her, ihr Böhmen alle, Seefahrer, Hafenhuren und Schiffe
unverankert. Wollt ihr nicht böhmisch sein, Illyrer, Veroneser,
und Venezianer alle. Spielt die Komödien, die lachen machen.

Und die zum Weinen sind. Und irrt euch hundertmal,
wie ich mich irrte und Proben nie bestand,
doch hab ich sie bestanden, ein um das andre Mal.

Wie Böhmen sie bestand und eines schönen Tags
Zum Meer begnadigt wurde und jetzt am Wasser liegt.

Ich grenz noch an ein Wort und an ein andres Land,
ich grenz, wie wenig auch, an alles immer mehr,

ein Böhme, ein Vagant, der nichts hat, den nichts hält,
begabt nur noch, vom Meer, das strittig ist, Land meiner Wahl zu sehen.
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Natürlich ist alles eine Frage der Interpretation, hier haben gleich mehrere Künstler ihre eigene Sicht darauf gefunden: Egon Arnold, Klaus Böllhoff, Inga Carriere, Petra Feyerherd, Francoise Girouy, Rainer Görß, Detlef Günther, Jorinde Gustavs, Mario Kusel, Matthias Langer, Esther Rappsilber, Ursula Stroedicke und Hanns Studer.

Die Ausstellung ist vom 2. Juni 2018 bis 29. Juli 2018 in der Zeit zwischen Donnerstag und Sonntag in der Galerie "Rotklee" (Markt 10 in 18581 Putbus) zu sehen. Die Öffnungszeit ist 13-18 Uhr.